zu spät.

Sie sind zu spät!” Jetzt geht das wieder los. Die Ferien sind vorbei und nun heißt es wieder hetzen, hetzen, hetzen.
Wieso hat eigentlich nicht jedes Schulkind automatisch einen Hortplatz?

 

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In meinem Fall ist das Problem ein bürokratisches. Ich habe meine Tochter abgemeldet im Hort der Schule, in welchem sie zuvor war und sie angemeldet für den Schulhort ihrer neuen Schule. Die Abmeldung hat prima geklappt. Ich erhielt darüber eine schriftliche Bestätigung. Die Anmeldung …, nun ja. Die Anmeldung ist wohl irgendwo verloren gegangen. Ich habe erneut eine Anmeldung eingereicht und die Behörden arbeiten daran, aber leider ist es nur möglich, Kinder zum ersten eines Monats anzumelden, sodass wir nun mindestens bis September werden warten müssen, bis Laupenta in den Hort darf. Wenn nicht zwischendurch wieder irgendwas verloren geht …

Ich muss Laupenta nun also jeden Tag gegen Zwei von der Schule abholen. Das bedeutet, dass ich täglich etwa fünf Stunden habe, um zu arbeiten und Alltägliches zu erledigen. Und dabei rede ich noch von Glück! Ich berichte von dem Glück, in der Hauptstadt zu leben. Wo jede Schule einen Hort hat und es überhaupt die Möglichkeit gibt, sein Kind Nachmittags betreut zu bekommen. Das ist in anderen Bundesländern alles andere als selbstverständlich.

Aber auch in Berlin ist diese Hortbetreuung alles andere als selbstverständlich. Ich muss Arbeitszeiten nachweisen, um zu rechtfertigen, dass mein Kind betreut werden muss. Das Amt entscheidet dann, wieviel Betreuungszeit durch das Land mir danach zusteht. Einige müssen ihre Kinder um Vier abholen, andere dürfen ihre Kinder bis sechs betreuen lassen. Je nach Art des Arbeitsverhältnisses.  Ich nehme diesen Zustand mit einigem Erstaunen zur Kenntnis.

Sollte nicht jedes Kind ganz selbstverständlich ein Recht darauf haben, am Nachmittag staatlich betreut zu werden? Drei bis fünf Stunden täglich (je nach Klasse und Schulform) reichen für einen arbeitslosen Alleinerzieher sicher nicht dazu aus, eine Karriere aufzubauen. Wenn wir uns in diesem Land weniger Arbeitslose wünschen, sollten wir ganz sicher bei der Kinderbetreuung ansetzen. Denn wann soll ein alleinerziehender Arbeitsloser in Deutschland sich denn einen Job suchen, wenn er dazu gar keine Zeit hat, weil ihn die Arbeit mit den Kindern bereits genügend ausschöpft? Wir brauchen viel mehr Betreuung!

“Sie sind schon wieder zu spät!”, krakehlt die unfreundlichere der Horterzieherinnen.
“Es tut mir leid. Ich bemühe mich wirklich sehr – ”
“Sie bekommen Ärger mit dem Amt, wenn sie ihr Kind zu spät abholen!”
Was soll ich da noch sagen? Ich formuliere ein schwitziges Achselzucken. “Es tut mir wirklich leid.” und nehme Laupenta an der Hand.
Und erkläre statt der Erzieherin einfach ihr, wie stressig schon wieder dieser Vormittag war …

Womit wir auch gleich wieder beim Thema schlechtes Gewissen wären !

 

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Author: Sarah Wiedenhöft

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