Wir sind Eltern, Ihr Spalter!

Die Elternzeit wird im Netz heiß diskutiert. Die etablierte Presse lässt hauptsächlich Väter dazu zu Wort kommen, feminsitische Blogs zerreissen hauptsächlich diese Väter und alles bleibt hübsch beim Alten. Mal wieder ein Plädoyer für mehr Zusammenhalt.

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Autor Till Krause fühlt sich schlecht behandelt und kommt gemeinsam mit einem anderen Vater, der in der Antidiskriminierungsstelle arbeitet, zu dem Punkt, dass er es nicht Diskriminierung nennen darf. Der Text zeigt, dass er nicht versteht, was der Unterschied ist, es aber akzeptiert. Weil er es offenbar nicht richtig versteht, zeugt der Text an einigen Stellen von diesem Unverständnis und beschreibt ein Problem zwischen Müttern und Vätern, bzw. Frauen und Männern.

Antiprodukt wiederrum sieht vielleicht nicht, dass der Autor schon verstanden hat, dass Frauen und Männer unterdrückt werden, wenn sie sich in “typisch weiblichen Lebensbereichen” bewegen und unterstellt schon einmal gleich schlechte Absichten. Die Bloggerin schimpft auf die “jammernden Väter” und ärgert sich über die Darstellung der ach-so-tollen neuen Väter, die alles gleichzeitig haben dürfen, das die Frauen zur Zeit noch vermissen: Kind, Karriere und für beide Bereichung Anerkennung.

Beide Positionen sind verständlich. Teil der strukturellen Diskriminierung ist die Darstellung der Medien. Das ist uns bekannt. Das SZ Magazin kokettiert damit in der kurzen Autorenbeschreibung.

“Till Krause trägt mit diesem Text zu dem Klischee bei, dass fast alle Journalisten über ihre Elternzeit schreiben – Journalistinnen aber fast nie.”

Das Problem, und das sollten wir erneut und immer wieder feststellen, sind aber nicht die Männer. Weder ein Mann, noch ein Vater ist anders als ich, die ich eine Frau und Mutter bin. Das permanente Aufrechterhalten dieser scheinbaren Positionen macht die gewünschte Gleichstellung vollkommen unmöglich. Antiprodukt verweist darauf, dass es unzähliche Bloggs von Müttern im Netz gäbe, dass in den Zeitungen allerdings immer nur die Texte von Vätern erscheinen. Wir müssen aber aufhören, dieses Problem mit Menschen zu besetzen. Es ist nicht die Schuld eines Till Krause, dass er einen Text in einer Zeitung veröffentlichen darf und es ist auch nicht dieser eine spezielle männliche weiße Chefredakteur, der dafür mit seinem Namen herhalten sollte. Es ist der Name einer/s jeden einzelnen von uns, der unter all diesen Vorgängen steht. Denn die Spaltung beginnt zwischen uns. Die Gesellschaft sind wir und wir sind es, die täglich in jeder noch so kleinen Äusserung in unserem Alltag dafür Sorge tragen müssen, dass Gerechtigkeit entsteht.

Selbstverständlich müssen ALLE Themen in den Medien gleichberechtigt von verschiedenen Stimmen gehört werden. Und wir wissen, dass das bisher nicht der Fall ist. Da also in unserem Patriarchat die Mehrheit aller gesellschaftsteuernden Funktionen in den Händen von weißen Männern liegen, sind es diese Männer, die wir überzeugen wollen. Auf die Art und Weise, wie diese Debatte momentan geführt wird, verfestigt sie das Problem. Wenn wir überzeugen wollen, müssen wir uns als Menschen begegnen. Wenn es Männern und Frauen gestattet wird, frei über ihre Erfahrungen als Eltern zu berichten, ohne dass es dabei zu einem Urteil kommen darf, werden wir am Ende aller Ausführungen schnell merken, dass es die exakt selben Probleme sind, die Väter und Mütter in unserer Gesellschaft haben. Am Ende geht es immer wieder darauf zurück, dass es typisch weiblich wäre, sich um die Kinder zu kümmern. Dadurch werden Väter und Mütter gleichermaßen diskriminiert. Selbstverständlich zeigt sich an diesem Problem, dass es die Frauen sind, die hier die Unterdrückten sind. Männer erfahren dieses Problem ja überhaupt nur, wenn sie sich in diesen angeblich weiblichen Bereich begeben.

Es ist aber unfair und eben nicht um Gleichheit bemüht, die sog. neuen Väter zum Feindbild zu erklären. Sie leiden vielleicht als Erwerbstätige nicht unter dem gleichen Druck wie Frauen, als Väter leiden sie unbedingt genau so wie die Mütter. Es sind Eltern, die in diesem Land mit Diskriminierungen zu kämpfen haben, wenn sie sich in ihrer privaten Beziehung um mehr Gleichberechtigung bemühen. Auch, wenn die Medien es zur Zeit immer wieder so aussehen lassen und wir schnell geneigt sind, diesem Vorbild zu folgen:

Dies hier ist kein Kampf von Frauen gegen Männer. Es ist ein Kampf von Menschen für eine freie Wahl der Lebenskonzepte.

 

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Author: Sarah Wiedenhöft

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3 Comments

  1. Nicht freigeschaltet: Trollkommentar.

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  2. Nun, ich werde in Kürze meine Arbeitszeit reduzieren, um den Großteil der Familienarbeit zu übernehmen, während meine Frau eine Vollzeitstelle antritt.

    Sehr interessant finde ich, dass mein Chef und auch meine Kollegen das Anliegen unterstützen und ich z.T. regelrecht beglückwünscht werde, während mir von den Kolleginnen eher Skepsis und Ablehnung entgegen schlägt.

    Ach ja: Ich bin übrigens KEIN Beamter, sondern setze das in einem “normalen” Unternehmen um. Und wirtschaftlich ist das eher nachteilig für uns, aber ich möchte JETZT Zeit mit meinen Kindern verbringen, bevor sie groß werden und die Chance unwiederbringlich dahin ist.

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    • In wecher Form schlägt Dir diese Abneigung denn entgegen? Was ist ihr Vorwurf an Dich?

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