Wieso eigentlich nicht?

Kann man seine Kinder eigentlich nicht einfach mitnehmen zur Arbeit? Theoretisch schon. Probieren wir doch einfach mal ein Gedankenexperiment.

Am 14. Juni teilte Mama arbeitet, die Ihr vielleicht aus meinen Blogempfehlungen oder sonst woher kennt (und falls nicht, so sollte die doch nun ein deutlicher Hinweis gewesen sein), diese clevere Bemerkung auf facebook:

Bildschirmfoto 2013-06-18 um 13.29.16

Mama arbeitet auf facebook: klick auf den Screenshot

Wie kam sie jetzt auf diese Idee? Nun, ganz einfach. Im Bundestag hatten am Freitag 15 Bundestagabgeordnete den Antrag eingereicht, Hunde mit zur Arbeit bringen zu dürfen. Bisher ist Wesen dieser Art nur der Eintritt gewährt, wenn sie aktiv eine Tätigkeit als Blindenhund ausüben. Das wollen einige der Abgeordneten ändern. Dabei argumentieren sie mit dem Wohl von Hund und Mensch. Den Hunden sei es nicht zuzumuten, so viele Stunden am Tag auf ihre Herrchen und Frauchen zu warten und für die Meschen argumentieren sie mit einer Verbesserung des Betriebsklimas. “Ich hab’s!”, stelle ich mir vor, dass Bloggerin Dr. Christine Finke da gesagt haben muss und sie formulierte auf facebook, dass wir fortan argumentieren sollten, dass unsere Kinder eine Bereicherung für das Betriebsklima darstellen. Und ich selbst, weiß ich, dass ich da gedacht habe: “Aber wirklich!”

Ich selbst arbeite nun schon seit vielen Jahren als freie Autorin. Meine Tochter hat nur für ein halbes Jahr mal den Schulhort besucht, seit drei Jahren kommt sie aber täglich gegen Zwei nach Hause. Mit anderen Worten: Meine Tochter rannte ständig durch “mein Büro”. Mir fiel mit Lesen von Chrsitines gutem Argument auf, dass es bei uns doch Praxis war und ist, dass Kinder im Büro sind und ich begann einen Vergleich mit dem was ich aus “echten” Büros gewohnt war, bevor ich Mutter wurde. Da kam natürlich nie jemand rein und quängelte, ihm sei langweilig oder sie hätte sich wehgetan. Oder?

Doch dann fiel mir ein, dass es das ja durchaus gab.
Kolleg*Innen, die über Langeweile klagten, solche, die überfordert waren, andere, die unbedingt mit jemandem zusammen essen gehen wollten oder diejenigen, die einfach irgendwelche privaten Sorgen plagten, über die man sich dann mit den Betroffenen unterhielt. Es gab Ablenkungsmannöver, kleine Kämpfe um die Aufmerksamkeit der Chefmutter oder des Bosspapas und alles, wovon ich behaupten könnte, dass es mich in meinem heutigen Arbeitsumfeld ablenkt oder aufhält, das gab es alles auch vorher schon. Ich habe doch immer mit Menschen gearbeitet und was sind Kinder denn?!

Wenn wir ehrlich sind, hat Christine Recht. Was spricht dagegen, dass wir unsere Arbeitsumfelder, soweit es möglich ist, auch für unsere Kinder öffnen. Und was den Satzteil betrifft, der da lautet “Soweit es möglich ist” sollten wir dringend kurz innehalten und prüfen. Sicher ist beispielsweise eine Fabrik oder Baustelle nicht an allen Stellen für Kinder zugänglich zu machen, ganz anders hingegen sieht es ja in meinen Augen aus, was die Büros und Cafés, die Chefetagen und die meisten Serviceberufe angeht. Sicher ist diese Idee in unserer heutigen Gesellschaft kaum vorstellbar, aber wenn man sich eine Weile auf diese neue Sichtweise einlässt, erscheint sie gar nicht mehr so unrealistisch. Erzieher*Innen müssten selbstverständlich ebenso involviert sein wie Ruhezonen für knifflige Denkarbeiten. Auf mich wirkt das jedenfalls wie eine Idee, die wir weiterspinnen sollten.

Was meint Ihr?

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Author: Sarah Wiedenhöft

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6 Comments

    • Schön. Da stimmen wir fast überein. Bis auf die Tatsache, dass ich nicht der Meinung bin, dass ein Kind zu seiner Mutter gehört. Auch andere Bezugspersonen sind gut. Väter zum Beispiel.

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    • Ich habe von Anfang an versucht, mein Kind in mein Arbeitsleben zu integrieren. Das fing damit an, dass ich mich sichtbar schwanger beworben habe, mich schließlich selbständig gemacht und hochschwanger Kundentermine wahrgenommen habe, dass ich mein Kind auch mal mit zu einem Kundentermin genommen habe, auch zu Treffen mit Kollegen und Dienstleistern, einfach aus der alleinerziehenden Not heraus. Wie oft habe ich die “Damen im Busch” beneidet, die ihr Jüngstes einfach mal so eben auf den Rücken schnallen können und das Leben und die Arbeit geht weiter. Und die sich wohl nie fragen müssen, ob das ok so sei.
      Je nach Arbeit, d.h. wenn sie nicht meine volle Konzentration benötigt, spielt mein Kind (1,5 Jahre) während ich am Rechner sitze oder es schläft. Ich würde sogar fast noch weiter gehen und sagen: “Nehmen wir unsere Kinder doch einfach mit: zum Zahnarzt, zum Frisör, zum Radiologen für eine Röntgenaufnahme. Alles schon dagewesen. Und jedesmal habe ich mich dabei ertappt zu denken: Was werden die Leute wohl sagen? Im Nachhinein war es nie ein Problem und ich habe mir gesagt: falls jemand ein Problem damit hätte, müsste ich mich eben mit neuen Menschen umgeben.
      Meine Motivation: ich habe mein Kind nicht bekommen, dass wir die maximale Zeit getrennt voneinander sind und ich so tue als ginge mein Leben mit ihm unverändert weiter. Und ich möchte, dass eine Gesellschaft, der es an Nachwuchs mangelt und dies auch immer wieder bemängelt einfach wieder normal wird, Kinder zu haben und sie auch in das eigene Leben zu integrieren.

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  1. Könnte sicher klappen, solange das Kind pflegeleicht ist, gut mit anderen/fremden Menschen klarkommt, nicht krank ist…
    Ansonsten stelle ich mir ein aus welchen Gründen auch immer schreiendes Kind im Büro nicht so klasse vor. Jedenfalls nicht, solange Kollegen dort arbeiten, telefonieren ect. müssen. So tolerant sind die dann wahrscheinlich doch nicht, zumal wenn sie selber keine Kinder und wenig Bezug zu dem Thema haben. Und was macht so ein Kind im Büro außer sich zu langweilen?
    Wie auch immer, mit Schulkindern funktioniert das vermutlich eher als mit “schwer kontrollierbaren” Kleinkindern.

    Realisierbar letztlich vermutlich nur bei beruflich Selbstständigen mit eigenem Büro/Arbeitsplatz.

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  2. Als meine Kinder noch kleiner waren, hatte ich als Papa immer mal wieder eins oder beide Kinder mit im Büro, weil es einfach nicht anders ging. Der Chef hat zwar manchmal etwas schräg geguckt, aber es ging trotzdem.

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    • Sehr vorbildlich! 🙂

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