Wie sich das Bildungspaket bei mir erkundigte

klukFalls Ihr Euch fragt, warum hier in den letzten Monaten überhaupt nichts passiert ist: Das liegt daran, dass ich an dem Buch “Mutterseelenalleinerziehend” gearbeitet habe, das nun aller Voraussicht nach im Frühjahr 2013 erscheinen wird. Wie es mit dem Blog weitergehen soll, ist noch nicht ganz klar. Ich habe zur Zeit glücklicherweise einige Aufträge, die mich auf Trab halten, aber ich will mich auch bemühen, hier wieder etwas mehr Leben aufkommen zu lassen. Beginnen wir mit einem meiner ausgewiesenen Lieblingsthemen: Das Paket für Bildung und Teilhabe. 

Nun, nachdem ich mich seit März 2011 intensiv damit auseinandergesetzt und es auf mehren Wegen beantragt habe, nachdem ich tausend Erkundungen eingeholt habe, hat sich dieses Paket nun vor ein paar Wochen endlich auch einmal nach mir erkundigt. Ich erhielt einen Anruf des Sozialforschungsinstituts SOKO, das gemeinsam mit Ursula von der Leyen einen Fragenkatalog erarbeitet hatte, um Berechtigte dieses Zuschusses dazu zu befragen und ihre Bewertungen einzuholen. Die Bewertung fand ironischerweise übrigens durch Schulnoten statt.

Am Ende der Fragen durfte auch ich ein paar Fragen stellen. Ich erkundigte mich nach der Auswahl der Fragen. Die, so wurde mir versichert, habe das Institut gemeinsam mit Frau von der Leyen entwickelt. Üblicherweise würde man die Auftraggeber in diese Vorgänge nicht miteinbeziehen, informierte man mich. Als ich nach den Kriterien für die Auswahl der Interviewpartner fragte, wurde mein Gesprächspartner schwammig. Das wisse er jetzt nicht so genau und darüber könne/dürfe er nichts sagen. Es handle sich ja hier bei um vertrauliche Daten. Offenbar hatte also eine Auswahl stattgefunden. Doch worauf es genau ankam, das konnte/wollte/durfte man mir nicht sagen.

Nun, nachdem ich die Veröffentlichungen der Studie auf der Internetseite des BMAS gelesen habe, kann ich mir die Auswahlkriterien ganz gut selbst zusammenreimen. Der Verdacht war mir aber auch schon während des Telefonats nur all zu oft gekommen. Ich habe immer wieder betont, dass ich all diese Fragen nur deshalb so gut beantworten könne, da ich darüber schreiben würde und darum intensive Recherchen betrieben hatte. Ich bat ihn auch darum, darüber einen Vermerk zu machen, doch mein Gesprächspartner teilte mir mit, dass das für die Auswertung der Daten irrelevant sei. Seit dem 30. März kann man nun den Ergebnissen entnehmen, dass die Befragten das Bildungspaket mit der Schulnote 2,6 benoten.

Herzlichen Glückwunsch, Frau Ministerin.

Liest man etwas genauer, findet man die Information, dass noch immer um die Hälfte der Berechtigten diese Leistungen nicht beantragt hat. Da das SOKO-Institut seine Personendaten durch das jobcenter bezogen hat, komme ich zu dem Verdacht, dass man überhaupt nur Menschen befragt hat, die diese Leistungen bereits beziehen.
Frau von der Leyen ist berühmt für ihre kosmetischen Operationen. Sie ist eine Wortakrobatin. Seit Jahren fällt sie auf durch clevere Zurechtlegungen der Realität. Und so schafft sie es eben auch, dass ein Projekt, dass so lahm angelaufen ist wie bisher das Bildungspaket, ihr eine 2,6 einbringt.

Als ich um eine Benotung gebeten wurde, habe ich übrigens geantwortet:

“Nun. Für die Kommunikation des Ganzen (siehe auch: Ein Tanz um den Topf mit dem Gold) würde ich eine glatte Sechs geben. Für die Durchführung noch eine und für die konkreten Zahlungen eine fünf. Für die Idee gibt es eine Zwei. Das ergibt unter’m Strich – glaube ich – eine fünf. Aber schreiben sie ruhig Sechs!”

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Author: Sarah Wiedenhöft

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