Wie man liebt, wenn man hasst

Dass Eltern ihre Kinder lieben, ist eine der unantatsbarsten Wahrheiten unserer Gesellschaft. Es gibt nichts absoluteres als den Anspruch, dass eine Familie ein Netz aus wohligen Gefühlen, Barmherzigkeit und Schutz zusammenhält. Aber was ist, wenn ein Eltern doch einmal geplagt wird von diesem Gefühl, das man im Zusammenhang mit Kindern niemals aussprechen darf? Was, wenn ein Eltern sein Kind gerade mal gar nicht leiden kann? Gibt es sowas überhaupt? Und darf mensch das? Ein Outing mit Hilfsansatz.

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Ich sei ein sehr resoluter Mensch, hat eine Freundin zu mir gesagt. Mit enormen moralischen Ansprüchen. “Du hasst Menschen mit schwammiger Identität!”, sagte sie. Ich widersprach. Sie sagte: “Doch” und ich begann zu weinen. Eigentlich möchte ich ja am liebsten gar niemanden hassen. Dass mir meine Freundin nun aber um die Ohren haute, dass ich mein eigenes Kind hassen würde, traf mich wie ein Schlag. Ist das wahr? Hasse ich mein Kind?

Babys kann man gar nicht hassen. Fast gar nicht. Die Natur hat wirklich alles gegeben, um diesen hilflosen Wesen Merkmale zu geben wie die riesigen Kulleraugen und diese ulkigen Gliedmaßen, die uns im innersten berühren und unsere Hormone anregen, uns um dieses schutzbedürftige Wesen zu kümmern. Dann sehen sie uns auch noch ähnlich, damit unser Ego auch wirklich den Wunsch verspürt, diese Miniversion unserer selbst anzunehmen und zu beschützen. Babys können auch keine zweifelhaften Aussagen treffen, die uns veranlassen würden, sie doof zu finden und wenn sie  älter werden, plappern sie uns ohnehin erst einmal alles nach. Wir, die Eltern sind die Weisen, die einfach alles wissen. Lange Zeit sind Eltern für ihre Kinder so etwas wie Götter und Götinnen. Wie der Gott aus diesem Psalm 23 (Bibel™) schenken Eltern ihren Kindern voll ein, weiden sie auf grüner Aue und schützen sie im finsteren Tal. Wir Eltern sind Helden. Auch diese Ehrerweisungen unserer Kinder machen es uns natürlich leicht, die Kinder weiterhin zu lieben. Auch wenn unsere kleinen Fans nun doch hin und wieder  zweifelhafte Aussagen treffen, lieben wir sie in der Regel einfach weiter. So wie sie uns.

Wenn unsere Kinder älter werden jedoch, nutzt unser Ruhm sich allmählich ab. Ein Fan, der täglich mit dem Subjekt der Bewunderung verkehrt, merkt eines Tages dann doch, dass die verehrte Person auch nur ein Mensch ist. Ebenso wird ihnen plötzlich bewusst, dass auch sie selbst Menschen sind. Eigenständige Personen, die noch eine Identität für ihr Dasein benötigen. Sie beginnen nach anderen Vorbildern zu suchen und probieren andere Verhaltensweisen, andere Kleidung und andere Hobbies aus. Die Eltern sind nun nicht mehr das Ziel am Horizont, dem sie nacheifern. Sie verlassen ihren eingetreten Pfad, der hinter ihren Eltern herführt und suchen sich einen eigenen. Dabei müssen sie sich erst einmal einige Ideen anschauen und sie ausprobieren. Die Suche nach einer Identität ist vergleichbar mit der Suche nach dem richtigen Instrument. Wer eine Gitarre oder ein Klavier kaufen möchte, durchläuft erst einmal tagelang verschiedene Geschäfte auf der Suche nach dem perfekten Klang. Ebenso müssen unsere Kinder zunächt ein paar Klänge anschlagen, die ihnen dann doch gar nicht gefallen auf der Suche nach dem ultimativen Klangerlebnis, bzw. der ultimativen Identität. Es kann sein, dass dein Kind dir in solchen Phasen oft wie ein/e Schauspieler*in erscheint oder wie ein/e Heuchler*in. Doch sie behaupten ja gar nichts ernsthaft, sondern probieren es nur.

Was aber, wenn sie dann eines Tages nach einer Idee greifen, die uns Eltern in Angst und Schrecken versetzt? Oder noch schlimmer: Was, wenn wir hassen, was unsere Kinder da ausprobieren? Oder vielleicht nervt uns ja auch schon alleine das Ausprobieren, weil plötzlich alle Sicherheiten bröckeln und wir nicht mehr wissen, ob morgen noch gilt, was wir heute vereinbart haben? Ich oute mich: Ich hasse es, dass mein Kind momentan so schwammig ist.

Natürlich habe ich das schon auch von selbst gespürt, dass Hass in mir ist. Der Hass ist so ein unangenehmes Gefühl, das man ihn spüren muss. Aber sagen darf man es nicht. Und wenn man etwas hasst und nicht darüber spricht, schlägt es einem auf den Magen. Mir ganz buchstäblich. Ich hatte tagelang Bauchschmerzen, war antriebslos und schlecht gelaunt und wünschte mir heimlich, auf eine einsame Insel zu verschwinden und für immer alleine zu sein. Dabei hätte ich mir nie eingestanden, dass ich Ruhe von meinem Kind wollte. Ich hasste ALLE Menschen und wollte meine Ruhe vor ALLEN Menschen. So dachte ich. Im Gespräch mit meiner Freundin schließlich hörte ich mich sagen: “Du hast Recht. Ich hasse das!”

Aber das, was ich hasse, ist gar nicht mein Kind. Sondern ich hasse, woran mich mein Kind im Moment erinnert. Ich hasse Nachlässigkeit, ich hasse Unentschlossenheit, ich hasse es, wenn Menschen keine klare Position beziehen. Ich hasse diese Dinge voller Inbrunst und nun steht mir meine Tochter gegenüber und erfüllt alle diese Übel. Sie ist unentschlossen, wer sie ist, sie probiert immer alles nur halb und sie kann nicht mal klare Position beziehen zu der Frage, ob sie Möhren mag. Es macht mich rasend und wir streiten uns permanent. Dabei bin auch ich eine unglaubliche Nervensäge, weil meine wilde Entschlossenheit sich kaum zurückhalten lässt. Erst vorgestern wieder habe ich auch mit meinem Freund gestritten, weil ich in wilder Entschlossenheit zwei Polizisten fragen musste, wieso sie einen Punk verhafteten. Ich kann meine Entschlossenheit nicht zügeln. Ich bin wirklich eine Nervensäge per Definition.

“Entschuldigung, wieso ist in dem vegetarischen Gericht Fischsauce?”

“Reden sie gefälligst anständig mit ihrem Kind!”

oder

“Wieso verhaften sie diesen Mann?”

sind ganz typische Sätze für mich. Ich immer mit meinem Anspruch nach Gerechtigkeit. Das nervt meine Mitmenschen extrem. Und das nervt natürlich auch meine Tochter. Und umso heftiger müssen demnach auch ihre Gegenpositionen ausfallen, wenn sie sich einmal abwenden möchte von der Idee, dass ich die einzig wahre Mutter bin. Und weil es nervt, dass ich immer alles von grundauf gerecht und anständig haben will, nervt sie mich nun eben mit dem Gegenteil. Vielleicht rächt sie sich auch an mir. Jedenfalls reiben wir uns. Und zwar gewaltig.

Und plötzlich fällt mir auf, dass ich Dinge über sie denke, die meine Mutter früher über mich gedacht haben muss. Dinge wie: Mein Kind läuft rum wie der letzte Mensch! oder Was schleppt sie mir denn da jetzt für Einstellungen ins Haus? Meine eigene Mutter hat sich in dieser Zeit von mir abgewandt und unsere Beziehung für immer gekappt. Heute bin ich es, die mit ihr nichts mehr zu tun haben will. Ich werfe ihr vor, dass sie einfach aufgehört hat, mich zu lieben, als es anstrengend wurde. Und sie wirft mir allen Ernstes bis heute vor, wie anstrengend ich war. Sie will, dass ich endlich einsehe, dass man mich gar nicht lieben konnte in dieser Zeit. Stattdessen möchte sie nun aber heute meine Liebe und ich will sie ihr nicht geben.

Dieser Gedanke hat mich am Ende aufgeweckt. Ich muss mich nur an mich selbst erinnern. An die Verwirrung in der Jugend, an all die bescheuerten Ideen und Meinungen, die ich hatte. An meine Frisuren, meine Schuhe und Jacken. Ich denke daran, dass ich einmal eine Ratte vor meiner Mutter versteckte, indem ich sie in meinem Pullover wohnen ließ. Und ich kann seither wieder entspannen. Dieser Freak, der ich war, den wollte keiner liebhaben. Was daraus resultierte, war ein sehr einsames Leben bis zu meinem dreißigsten Lebensjahr. Eine Menge meiner großen Einsamkeit entstand in dieser Zeit und ich habe mir darum nun einfach vorgenommen, meine Liebe als eine Art Kunst anzusehen. Meine Tochter soll sich jetzt halt einfach ein paar Jahre wie eine vollkommene Irre aufführen und ich berachte das als eine Art Schauspiel und klatsche dazu Beifall.

“Du hast einen Tadel. Interessante Performance.”

“Du hast ein Bonbon geklaut. Raffiniert. Komm wir bringen es zurück.”

“Du weißt, wie man heimlich Nachts noch Serien mit dem Computer anguckt. Very clever und jetzt gib her, das Ding.”

Anschließend eine Stunde joggen gehen oder schwimmen oder Fahrrad fahren oder Spazierengehen und dem Kind dabei auch noch die Freiheit bieten, alleine zu Hause irgendeinen abgefahrenen Blödsinn zu machen. Heimlich. Und das dann vielleicht einfach nicht jedes mal bemerken und immer an die Ratte im eigenen Pullover denken.

Ich liebe mein Kind voller Gelassenheit. Komme, was da wolle. Dazu bin ich wild entschlossen.

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Author: Sarah Wiedenhöft

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22 Comments

  1. Danke für den Beitrag und den Mut dieses Thema anzusprechen! Mein Ältester ist jetzt fast 16 und ich kenne diese Gefühle nur zu gut.

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  2. Danke. Das kommt für uns ( mein “Pubertier” und mich) genau zur richtigen Zeit.

    Entspannte Grüße

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    • Pubertier. 🙂 Gibt es bereits ein Buch, das so heißt? Das Pubertier? Das reizt mich doch gerade sehr!

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      • Ich wüsste nicht davon, das es bereits ein Buch mit diesem Titel gibt 🙂

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        • Aber ich habe bereits eins gefunden. 🙂

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  3. Ganz ganz groß. Großartiger Artikel.

    Ich finde mich (mit meinem Gerechtigkeitssinn, mit meiner Genervtheit, mit meiner verrückten Tochter) absolut wieder. Die Einstellung, die Du am Ende beschreibst, versuche ich auch immer wieder an den Tag zu legen. Manchmal gelingt es (dann wenn ich gut drauf bin und “loslassen” kann), manchmal wenig (dann wenn ich aus Versehen zu viel von meinen eigenen Vorstellungen auf das Kind projiziere).

    Du schreibst so authentisch, gnadenlos ehrlich, prägnant, witzig, originell, voll aus dem Leben. Vielen Dank dafür!

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    • Ganz ganz großes Dankeschön. Es fühlt sich gerade wirklich umwerfend an. Erst geht man in seine Angst hinein, ist ganz mutig und spricht sie aus. Der Zuspruch (auf facebook wird mehr kommentiert als alle links der letzten tage) haut einen dann um. Ich bin gerade wirklich selbst am meisten gerührt. Danke.

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  4. “Und sie wirft mir allen Ernstes bis heute vor, wie anstrengend ich war. Sie will, dass ich endlich einsehe, dass man mich gar nicht lieben konnte in dieser Zeit.”

    Jaa, meine Mutter sagt solche Dinge zu mir auch. Sie regt sich auf, dass ihr eigener Vater (zu dem wir seit Jahrzehnten keinen Kontakt mehr haben) zu ihr als junge Erwachsene immer noch sagte, man habe sie nicht so oft schlagen müssen, sie sei ja meistens brav gewesen – merkt aber gar nicht, wir es mich trifft, wenn sie zu mir sagt, ich sei so ein furchtbarer Teenager gewesen, dass sie nichts hätte machen können. Und zum Glück sei ich als Erwachsene ja wieder zur Vernunft gekommen. Unser Verhältnis ist alles andere als gekappt, und es funktioniert auch soweit wieder ganz gut, aber das bleibt wie ein schwarzer Fleck der Vergangenheit… wie doch alles mögliche über Generationen weitergetragen wird.

    Heute finde ich mich auch vor der Schwierigkeit, meine Tochter mit allen ihren Seiten zu akzeptieren. Und das Schlimme ist: Sie mag sich selbst nicht zu 100% so, wie sie ist. Und sie ist erst 6. Sie hat einen ganz starken eigenen Willen, aber das war in unserer Familie eben bislang noch bei allen so… nur, erst wenn da das eigene Kind vor einem steht und einen oft genug einfach nur noch sprachlos macht, weiß man, wie die eignenen Eltern sich wohl manchmal gefühlt haben. Was aber nichts an dem Wunsch ändert, sie hätten sich dennoch bedingungslos liebender verhalten. Die Tatsache, dass ich das selbst nicht immer ganz hinbekomme, lässt mich immer wieder erst verweifeln und dann nach Literatur suchen. Einer meiner Lieblingstexte dazu: http://www.nestling.org/aggressives-verhalten-beim-kind-familylab-familienberatung/#1_AggressionsauslsendeUmstnde
    Der hilft mir regelmäßig heraus. Und zu der Einsicht: Soo mies bin ich auch nicht als Mama. Immerhin schon ein Stück weit mehr bereit, auch an mir zu arbeiten, als meine es war. Und die hat immerhin im Gegensatz zu ihren Eltern auf Schläge verzichtet.

    Ich denke außerdem, von der großen Angst, unsere Kinder könnten eines Tages nichts mehr mit uns zu tun haben wollen, so verständlich sie ist, dürfen wir uns nicht kontrollieren lassen. Und wir können andere nur annehmen, wie sie sind, wenn wir das auch bei uns selbst können.

    Nobody’s perfect!

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    • “Und wir können andere nur annehmen, wie sie sind, wenn wir das auch bei uns selbst können.”

      Ja, ich denke, das ist der Schlüssel zu diesem Thema.

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  5. Danke für diesen sehr ehrlichen und persönlichen Text. Das schlimmste ist ja, dass man sich auch noch so verdammt schuldig fühlt, wenn man sein Kind gerade zum Mond wünscht und sich diese Gefühle nicht erlaubt. Solche Artikel helfen, zu akzeptieren, dass Muttersein auch bedeutet, sich die Liebe zum Kind immer wieder neu zu erarbeiten.

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  6. Wow, ein sehr persönlicher und nachdenklich machender Text. Ich war auch so ein (gefühlt) ungeliebtes Kind, natürlich wird das heute abgestritten. Es ist schon heftig, was man als Eltern so alles anrichten kann, wieviel Macht man hat – und wie wenig Kinder im Gegenzug merken, wieviel Macht sie über die Eltern haben mit ihrem Verhalten. Ich habe einige Jahre in der Jugendhilfe gearbeitet und dann erstmals gespürt, wie blöd man sich fühlt, wenn das Gegenüber trotz vermeintlicher Jugend und Schwäche einfach “nein” sagt und man nichts tun kann. Wenn logische Argumente nichts bringen und auch kein Respekt, Wohlwollen und Zuneigung. Man darf seine Kinder auch mal nicht mögen, aber man darf ihnen nicht die Liebe wegnehmen – wie man bei dir lesen kann, sind das Fehler, die möglicherweise nicht mehr verziehen werden können. Danke für den tollen Text!

    Liebe Grüße, Janina

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  7. Für mich war die wichtigste Erkenntnis, dass meine beiden Kinder KEINE kleinere Kopie meiner Persönlichkeit sind. Nein, sie sind völlig eigenständige Persönlichkeiten die alles mögliche machen, aber nur sehr wenig, was man von sich selbst kennt.

    Da ich handwerklich geschickt bin, habe ich meinen Sohn bremsen müssen mir beim Arbeiten zu helfen. Man kann einen 4jährigen keine Tischkreissäge bedienen lassen. Man kann auch einem 5jährigen keine Handkreissäge zum Ausprobieren geben, weil die Hände noch zu klein sind. Als er dann etwas größer war und ich ihn fragte, ob er helfen wolle, hatte er schon gelernt, was Arbeit ist, da hatte er aber keine Lust drauf. Er fuhr lieber mit dem Fahrrad in die Feldmark und beobachtet und fotografierte Tiere in freier Wildbahn.

    Meiner Tochter hab ich dann gar nicht erst irgendwelche Basteleien aufgedrängt. Statt dessen kam sie alle Nase lang an: Hast du buntes Papier? Hast du Klebstoff? Ich brauche eine Schere – die bastelte was SIE wollte und zwar ganz von alleine!

    Man kann seine Kinder nur in dem Unterstützen was sie selbst wollen, so lange es sie selbst wollen. Viele Sachen erledigen sich von selbst, wenn die Kinder die Gelegenheit bekommen etwas selbst zu befingern. Da stellen sie dann beim Besuch im Spielzeug-Discouter fest, dass das im TV heftig beworbene Spielzeug, das deshalb auch heftig gewünscht wird, einen Unterhaltungswert von 5 bis 10 Minunten hat und danach ist der Besitz von so etwas uninteressant.

    Auf der anderen Seite gibt es ganz bestimmte Dinge, die notwendig sind, um auf der Hühnerhofhackordnung des Schulhofs bestehen zu können. Das ist heute sehr viel ausgeprägter als früher. Auch hier hilft nur “unterstützen” und fördern.

    Auf der anderen Seite hat sich das “Pubertier” sehr an die Vollversorgung von Mama und Papa gewöhnt. Und es weiß, das Arbeit lästig ist – das überläßt man gerne anderen (den Eltern) und macht nur die “coolen” Sachen wohl wissend, dass sie so den Eltern eine Menge Arbeit hinterlassen.

    DA hilft nur Konsequenz. Mein Sohn hinterlies den Verpackungsmüll leerer Verpackungen immer AUF der Küchenspüle – Schranktür öffnen und den Müll in den Mülleimer unter der Spüle zu tun war zu aufwendig. Regelmäßige Ansprachen des Problems führten zu keinen Verhaltensänderungen. Nun wäre es leicht den Müll selbst wegzuräumen, man steht ja als Eltern gerade direkt vor dem Problem. Ich habe den Müll dann in das Zimmer meines Sohnes getragen, in sein Bett, mitten ins Zimmer oder auf den Schreibtisch. Das dauerte ein paar Tage, aber irgendwann lag kein Müll mehr in der Küche herum.

    Das gleiche exerzierte ich auch mit der schmutzigen Wäsche, die es im Badezimmer nie bis in den Wäschekorb in der Ecke schaffte. Sie lag immer vor dem Waschbecken auf dem Boden. Auch diese Wäsche kehrte in die Zimmer der Kinder zurück.

    Für die Kinder ist es immer eine Güterabwägung. Tue ich jetzt selbstverantwortlich das Notwendige oder überlasse ich es meinen Eltern, kann dafür aber 10 Minuten länger Belanglosigkeiten im Fernsehen kucken? Der “Preis” ist dann eben die immer gleiche Tirade, die man mit “betreten kucken” und “Ohren auf Durchzug” abwettern kann.

    Der Erziehungerfolg triit dann immer in Stufen auf. Plötzlich passieren gewisse Dinge einfach nicht mehr oder man muß sich von den Kindern sagen lassen, dass “diese Ermahnungen” schon seit über einem Jahr völlig überflüssig sind!!!

    Und dann kann man eben beobachten, dass die Kinder eigene Persönlichkeiten mit eigenen Interessen sind, dann aber so viel der Familienidentität aufgenommen haben, dass man ganz stolz ist, wie gut die Erziehung geklappt hat, besonders wenn die Kinder im fremden Umfeld agieren. Da klappt das plötzlich mit der Benutzung des Mülleimers! 😉

    Gruß, EO

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    • Bei anderen Eltern scheinen unsere Kinder ohnehin wie ausgewechselt, aber das gilt ja zum Glück auch für unsere Besucherkinder. Die sagen dann ermahnend zu meiner Tochter: “Hör auf Deine Mutter.” Und ich lache mich innerlich kaputt, weil ich weiß, dass sie zu Hause doch selbst nicht hören. 😉
      Du hast natürlich Recht. Alle sind anders. Die Idee, den Müll ins Kinderzimmer zu stecken, hatte ich auch schon. Das führte allerdings dazu, dass ich ihn eines Tages versteckt unter der Matratze fand …

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  8. Kann mich Henni, Neresi und EO nur anschließen: immer wieder Danke für so viel Ehrlichkeit, Offenheit (auch dir selbst gegenüber ja erst mal immer). Dieser Text aber: ist auch einfach zum Verlieben, Meike! 🙂

    Und freue mich auch immer, wenn ich feststellen kann, dass wir (Frauen, Mütter) heute auch vlt. doch ehrlicher, offener, nachsichtiger, weniger selbstgerecht, selbstgefällig und mit Moralkeule 😉 m i t einander umgehen (können, wollen) – auch wenn wir “verschieden” (und nicht “beste Freundinnen” 😉 ) sind.

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    • Liebe Bettina,
      und Du bist immer so nett zu mir. 🙂
      Danke, virtuelle Freundin!

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  9. Hi Ihr lieben bin neu hier, find’s auch klasse, mal den gesunden Egoismus zu lesen!
    Als erstes will ich nun doch loswerden, Maike, das es mir leid tut, was Deine Mutter zu Dir gesagt hat, und leider immer noch darauf besteht, bzw. wohl davon überzeugt ist, schade! Ja, wie schon jemand schreibt, wir dürfen sie schon hassen, aber nicht “nicht lieben”, bzw. ihnen so sagen, oder noch besser ihnen vorhalten. Ich kenn das …”ich möchte Dich ja eigentlich gar nicht schlagen, aber Du…” (kenne ich so von meinem Vater) Heute weiß ich die Gefühle gibt es, aber hallo, wir sind die Erwachsenen, da müssen wir unser Hirn einschalten, fragen warum fühl ich so? was möchte ich eigentlich erreichen? und wie kann ich das klar machen (respektvoll!!). Nein ich zerrede nicht alles, oder hinterfrage alles, aber ich musste schon viel nachdenken und aufarbeiten, da bleibt dann doch ein analysierendes Verhalten zurück. Ich hab zwei Mädels (Rabauken, 13 und 3 1/2 Jahre) willensstark und schlau.
    Die Große kann (ohne sich selber schuldig zu fühlen) sagen: ohh Mama, Nein, geh jetzt ich mag dich überhaupt nicht, lass mich!
    Find ich klasse, bin ich stolz drauf! Denn das hat sie von mir! Ich “erlaube” es mir, ehrlich zu sein, ich bin ehrlich und streng. Wenn sie mich nerven sag ich “tschüß, kann Dich gerade nicht leiden, geh!” Sofort wenn sie sich aber weh tun oder Schmerz verspüren bin ich da und nehme sie in den Arm, gehe danach wieder (kurzzeitig) auf Abstand, ich lasse mich da nicht umgarnen, nein, ich will sagen, ich bin trotzdem immer da. Wir haben eine unumstößliche
    Basis die da aus Liebe und Respekt besteht, schon immer egal wie alt, jung oder klein die Kinder waren.
    WAS ich damit SAGEN will ist, Kinder ahmen doch nach, sie haben natürlich auch diese, oder ähnliche Gefühle, woher sollten sie denn wissen, das es “normal” ist und vor allem absolut in Ordnung(!)und sie auch so sein DÜRFEN, wenn wir es ihnen nicht vor leben. “ich mag dich gerade nicht, oder hasse dich, oder, hau ab, lass mich…” o.k., aber wir kommen immer wieder zusammen, das wissen und fühlen wir! Ehrlich und respektvoll. Wir lassen und nicht allein, im Stich, oder wenden uns ab, nein, wir nehmen uns diesen Freiraum und lassen das zu, was wir in uns gerade spüren und verstehen (!). Finde ich persönlich eine bemerkenswerte Leistung bei Kindern!
    Ich höre hier auf, tatsächlich hätte ich so viel, dass ich noch dazu sagen würde, aber da müsste ich dann wohl ein Buch schreiben, bevor ich alle hier zu texte.
    :O) liebe Grüße mellie

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    • Liebe Mellie,

      danke für Deinen ausführlichen Kommentar. Überhaupt nicht ist der zu lang. Normalerweise erkenne ich an einer solchen Länge Troll- oder Spamkommentare. Was war es doch nun für eine schöne Überraschung, dass die Länge nix über den Spaß aussagt. 😉

      Sag Bescheid, wenn Du das Buch geschrieben hast und schick mir ein Rezensionsexemplar.
      Liebe Grüße,
      Meike

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      • Du erinnerst dich daran, wie es damals war. Du hast eine großartige Lösung gefunden- eine die deine Mutter nicht fand. Was hindert dich daran, dass zu verstehen, ihr zu vergeben, sie in die Arme zu schließen und die letzten Jahre noch zu genießen? Möchtest du wirklich deine eigene Härte als Vorbild weiter geben bis es zu spät ist?

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        • Ich nehme an, dass Du mein Buch nicht gelesen hast? Oder die entsorechende Stelle im Blog?! Meine Mutter hat meine Tochter entführt und mir über ein Jahr entzogen. Nebenher verklagte sie mich an diversen Stellen und verstuchte, mein Leben zu zerstören. Bis heute hat sie sich dafür nie entschuldigt und nie die Schuld auf sich genommen. Man muss nicht jedem und alles verzeihen. Vor dieser Frau muss ich uns nur schützen.

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          • Verzeih- das wusste ich nicht. .. alles Glück der Welt für dich und deine Tochter

          • Woher auch?! Kein Problem! Danke. 🙂

  10. … glaube nicht 🙁
    … schade !

    durch meinen Fehlenden Eintrag bei wurde die Übertragung wohl gelöscht ? ? ?

    Vielleicht kann man ihn trotzdem wo finden und lesen ! ?

    schönen Gruß

    Rainer

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