Warum ich fast verhaftet worden wäre, wie mich ein deutscher Polizist diskriminierte und warum ich nun eine Petition aufsetzen möchte

Weil mein Leben niemals langweilig ist, ist mir Freitag vor einer Woche wieder einmal etwas spektakulär aufregendes widerfahren. Es klingelte an meiner Türe, ich lief durch den Flur und wurde auch schon bedroht.

„Mach keine Scheiße, Mädchen. Hier ist die Polizei. Jetzt mach schon auf!“, brüllte ein Mann quer durch das Treppenhaus und ich verlor mit einem Schlag meine Gesichtsfarbe und öffnete mit zitternden Händen. Vor mir standen zwei Polizisten, die sich direkt in die Wohnung drängten. Derjenige der gebrüllt hatte, schien schwer unter Adrenalin zu stehen und machte auf mich einen sehr aggressiven Eindruck.

„Frieden, bitte!“, waren die ersten Worte, die ich heraus bekam. „Hier ist ein Kind in der Wohnung.“ Kaum erwähnt stand dieses auch schon mit schockierter Miene im Flur und  starte fassungslos die Beamten an. Ich schloss die Türe und man erklärte mir, dass gegen mich ein Haftbefehl wegen Sozialbetruges vorläge. Ehrlich gesagt habe ich damit schon lange gerechnet. Ich habe in Wahrheit nie einen Sozialbetrug begangen. Aber das jobcenter hatte mir das vorgeworfen und ich hatte nicht lange genug die Kraft gehabt, mich mit Widerspruchsschreiben dagegen zu wehren. Ich wusste, dass eines Tages die Polizei aufkreuzen würde. Darum war ich darauf vorbereitet und hatte die Summe seither in einer Schublade liegen. Für den Fall, dass ich eben eines Tages doch würde zahlen müssen. Darum war es theoretisch kein großes Problem. Selbstverständlich ist es ein riesiges Problem für mich, dass ich eine enorm hohe Schuld begleichen muss, die nicht meine ist. Erst recht regt es mich selbstverständlich auf, dass es ausgerechnet das jobcenter ist, das sich jahrelang geweigert hat, mir das auszuzahlen, was mir zugestanden hätte. Nun sollte ich also dem jobcenter Geld geben. Diese ganze Bürokratie macht mich tatsächlich wahnsinnig wütend, aber welche Wahl blieb mir schon. Und unter den gegebenen Umständen hatte ich also so etwas wie Glück, dass ich das Geld nun zu Hause hatte. Kaum auszudenken was wäre, wenn ich dieses Geld nicht gehabt hätte. Eine Summe, die weit über das hinausgeht, was man als Arbeitsloser so zur Verfügung hat. Theoretisch hatten wir am Freitag also nicht wirklich ein Problem. Doch einer der Beamten schaffte es, die ganze Geschichte zu einem riesengroßen Problem zu machen. Er hat mir aufgezeigt, wie die Machtverhältnisse in diesem Land liegen.  Ich als „Sozialbetrügerin“ mit einem Kind in der Wohnung bekam da keine Spezialbehandlung. Ich wurde als Verbrecherin gehandelt und Verbrecher sind in den Augen des erwähnten Beamten offenbar Abschaum.

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Ich kam gerade aus der Dusche als es klingelte und hatte mir nur schnell ein langes Hemd übergezogen. Der Beamte glotzte unverhohlen auf meine Brüste, die sich durch das Hemd abzeichneten. Wäre meine Tochter nicht dabei gewesen, wäre dies der erste Moment gewesen, in welchem ich mich mit ihm hätte anlegen wollen, aber es kam ja auch noch viel besser.  Er drängte sich an mir vorbei in mein Schlafzimmer und setzte sich auf mein Bett. Als er saß, fragte er, ob er sich auf mein Bett setzen dürfte. Ich fühlte mich unsagbar unwohl. Er drang in meine Privatsphäre ein und hatte auch noch lange nicht genug. Er bückte sich zu meinem Nachtschränkchen, in dessen offener Schublade er meinen Dildo erblicken konnte. Er grinste und sah mich anschießend durchdringend an. Das tat er überhaupt die ganze Zeit. Anschließend stand er auf, hob Papiere von meinem Schreibtisch hoch, sah sich ein Rezept und eine Rechnung an, die auf meinem Schreibtisch lagen, er ging zu meiner Pinnwand und checkte die dort hängenden Notizen. Irgendwann erklärte er mir unaufgefordert, dass er in diesem Gespann der Bad Cop sei und ich nickte dazu nur. Ich fühlte mich elendig und fühle mich immer noch ekelhaft, wenn mir Blizbilder der Erinnerung in den Kopf schießen. Ich fühlte mich nackt unter seinen Blicken und diskriminiert. Das schlimmste war, dass ich mich auf sexuelle Weise unterdrückt fühlte durch ihn. Es war widerwertig und absolut nicht sein Recht. Doch weil Laupenta anwesend war, fühlte ich mich völlig außer Stande, darauf in irgendeiner Weise zu reagieren. Ich ordnete mich hübsch unter, ließ alles über mich ergehen und fühlte mich ausgeliefert. Es war grausam wie dieser Mensch in meine Privatsphäre eindrang und mich dabei mit seinen Blicken durchbohrte. Es war zudem NICHT SEIN RECHT. Und dieser Gedanke treibt mich gerade in den Wahnsinn. Der andere Polizist war sehr freundlich und ich möchte unter gar keinen Umständen alle Polizisten verdammen, aber die Tatsache, dass auch psychlogisch auffällige Menschen wie dieser neugierige Ekel Polizisten sein können und ihre Macht auf schamlose Weise ausnützen dürfen bereitet mir echtes Unbehagen. Wieviele Polizisten dieser Art gibt es da draußen? Für die jeder Name der in ihrer Kartei erscheint seine Würde verliert, die Menschen wie mich wie Dreck behandeln dürfen? Dieser Gedanke gruselt mich wirklich sehr. Ebenfalls mehr als eingeschüchtert war selbstverständlich meine Tochter, der er ebenfalls übel mitspielte. Nachdem sie auf seine Frage, ob sie Sport mache, geantwortet hatte, dass sie WingTsung trainieren würde (eine Selbstverteidigungsart) ,forderte er sie auf etwas zu zeigen. Laupenta traute sich nicht gleich und saß wie ein Stein auf meinem Schoß. Schließlich stand sie zögernd auf, forderte mich auf ihre Arme zu packen und demonstrierte, wie sie sich aus diesem Griff befreien könnte.

„Du musst ihn (???) erst schocken!“, sagte der Badcop. Laupenta setzte sich eingeschüchtert zurück auf meinen Schoß. Die ganze Zeit über war sie steif wie ein Brett.

„Komm mal her!“, forderte er sie forsch auf und Laupenta durchfuhr ein Zucken. Sie machte sich noch schwerer auf meinem Schoß.

„Komm her!“, wiederholte er eine Spur unfreundlicher du fügte dann hinzu:

„Ich tu dir schon nichts. Komm.“

Zögernd näherte sie sich ihm und er forderte sie auf ihre Hände auszustrecken. Er packte sie und sagte, sie solle ihm nun gegen das Schienbein treten. Lauenta war wie gelähmt. „Nun tritt schon zu.“

Sie bewegte ihr Bein ganz wenig und stieß gegen sein Schienbein.

„Genau!“, lobte er. Nun bin ich abgelenkt und jetzt kannst du dich entreißen. Und niemals eine Waffe mit dir führen.“

Lauopenta kam schnell zurück auf meinen Schoß und sagte fast tonlos, dass sie schon gelernt habe, dass man kein Tränengas mit sich führen dürfe.

„Richtig. Jede Waffe die du trägst kann gegen dich verwendet werden.“, erklärte er und lüftete seinen Waffengürtel.

„Wir haben ne Knarre und Pfefferspray!“, sagte er und in seiner Stimme schwang ein Stolz mit, der mir die Essensreste aus dem Magen in den Hals schob. Er entfernte das Pfefferspray von seinem Gürtel und hielt es in unsere Richtung. Genau vor das Gesicht meiner Tochter, wo er mit dem Verschluss herum spielte. Laupenta hielt sich die Hände vors Gesicht und der Bad Cop lachte.

„Haha, ich tu dir schon nichts!“

Oh doch. Das tat er. Er bedrohte uns, er erniedrigte uns und er suhlte sich in seiner Machtposition. Nachdem das Geld gezahlt und alles protokolliert worden war, händigte der freundliche der beiden Polizisten mir eine Quittung und erklärte, dass ich nun von der Fahndungsliste gestrichen würde. Ja, bestätigte der andere. Nun würden sie die anderen Verbrecher jagen gehen. Ich sei ja nicht die einzige Verbrecherin in Berlin. Ich lachte künstlich und erklärte, es gäbe ja weitaus größere Verbrecher als mich und erst in diesem Augenblick erkundigte der Bad Cop sich beim Good Cop: „Was hat sie denn überhaupt gemacht?“

Dabei öffnete er die Türe und stand auch schon im Treppenhaus. Erst nachdem diese ganze hässliche Situation endlich ein Ende gefunden hatte, fiel es dem Polizisten ein, sich mal nach der Schwere meines Verbrechens zu erkundigen.

Ungefähr eine Stunde nach diesem ganzen Elend verließen mein Freund und ich zum Einkaufen das Haus. Als wir die Straße überquerten wurden wir angehupt und drehten uns zu der Quelle dieses Geräusches. Es war der Polizist, der uns durch das heruntergekurbelte Fenster zurief: „Wir sind überall!“ Dabei wies er mit seinen Zeige- und Mittelfinger abwechselnd auf seine Augen und auf mich zum Zeichen dafür, dass er mich im Visir habe.

Ja, Herr S.! Sie sind wirklich ein ganz besonders mächtiges Menschentier. Sie haben die Gewalt über so viele Menschen und wie sie meiner Tochter erklärt haben, müssen sie auch hin und wieder auf einen von uns bösen Verbrechern schießen. Ich habe meine Tochter hinterher darüber aufklären müssen, dass die meisten Polizeibeamten für den gesamten Lauf ihrer Beamtenkarriere ihre Waffe nicht ein einziges Mal benutzen müssen. Es ist auch gar nicht so einfach gewesen, meiner Tochter zu erklären, dass nicht alle Polizisten so gemeine Arschlöcher sind wie Sie eines sind und dass sie sich bitte an die Polizei wenden soll, wenn sie ein Problem hat. Denn tatsächlich fürchtet meine Tochter sich seither vor der Polizei. Das haben Sie wirklich grandios hinbekommen. Ich werde nun eine Petition aufsetzen. Ich möchte, dass alle Polizisten sich alle zwei Jahre einem psychologischen Test unterziehen müssen. Ich möchte nicht, dass aggressive Monster wie dieser Polizist das Recht dazu haben über andere Menschen in dieser widerwertigen Art und Weise zu richten. Ich möchte nicht, dass meine Tochter sich vor der Polizei flüchtet und ich möchte nicht, dass diejenigen unter uns Recht behalten, die behaupten, dass ACAB (all cops are Bastards). In Berlin ziert diese Abkürzung bereits unzählige Wände. Lassen wir nicht zu, dass diese Meinung zu einem Fakt wird.

 

Anregungen zum Petitionstext oder zur praktischen Durchführung solcher Tests nehme ich sehr gerne entgegen.

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Author: Sarah Wiedenhöft

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1 Comment

  1. Haben Sie mal an eine Dienstaufsichtsbeschwerde gedacht?

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