Vorsicht Nazi, Deine Kinder!

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Ein Unterausschuss der UN hat einen Bericht herausgegeben, in welchem sie sie sich tief besorgt zeigen über die sozialen Zustände in Deutschland. Der Bericht handelt u.a. von menschenunwürdigen Verhältnissen in Pflegeheimen, Diskriminierung von Asylanten und armen Menschen sowie der Vernachlässigung deutscher Kinder. Was sind die Interessen der vereinten Nationen hinter diesen Vorwürfen und warum sollten uns diese Interessen aber ganz egal sein? Ein Aufruf zu mehr Menschlichkeit.

Die UN setzt sich zusammen aus 193 Staaten, deren Stimmrecht sich auf deren Zahlungskraft gründet. Auf Platz 1 finden sich damit die USA, auf Platz 2 folgt Japan und Deutschland findet sich auf dem dritten Platz. Doch ausgerechnet auf diesen dritten Platz wird im Moment permanent eingedroschen. Alle paar Monate kann man einen Bericht der vereinten Nationen lesen, welcher ausgerechnet Deutschland immer wieder anschwärzen will. Was also können die USA und Japan – geschweige den der Rest aller internationalen Staaten – so viel besser als Deutschland es hinbekommt? In den USA ist das Problem der Armut noch so viel größer, ebenso wie die Bildungsferne und vor allem die Versorgung der Alten. In meinen Augen ist das Hauptinteresse solcher Texte, den deutschen Nazi zu bannen. Hauptsächlich stützt es sich wohl auf den Vorwurf der Migrantendiskriminierung. Die vereinten Nationen müssen den deutschen Nazi klein halten und also mahnen sie geschickt nebenher: Achte auf Deine Kinder, Deutschland. “Jedes vierte Kind geht in Deutschland ohne Frühstück in die Schule.” So steht es in dem Bericht.

Dass es in den USA ganz sicher nicht besser aussieht, sei aussen vor gelassen. Die Rolle unseres Landes im Kontext der Welt ohnehin. Wir sollten uns nicht den Mund verbieten, indem wir von Luxusproblemen sprechen. Man kann jede Diskussion über das deutsche Bildungs- und Sozialsystem sehr schnell beenden mit der Nennung der Verhältnisse in irgendwelchen anderen Ländern. Aber geht es mir besser, nur weil es einem anderen schlechter geht? Ich kann also tatsächlich, wenn ich mir den Arm breche einfach meinen Kopf gegen eine Wand schlagen, sodass es dann besser wird?

Es ist vollkommen egal. Was auch immer wir treiben in diesem Land – wir treiben es lieber verhütet. Im Tagesspiegel lese ich, wie eine vierfache Mutter sich über einen Poller gegen Kinderwagen in einem Café freut, ich lese unendliche Reaktionen darauf in anderen Artikeln und zu allerletzte den von Sybille Berg, die mit den Worten schließt:

“Lehnen wir doch Kinder ab, hassen wir uns selber, sterben wir doch bitte endlich aus.”

und ich bekomme Magenschmerzen.
Selbstverständlich ist dieses Zitat ganz sicher mit einem Augenzwinkern versehen. Bedenken wir, dass es die Autorin des aktuellen Buches “Vielen Dank für das Leben” ist, die diese Worte sagt. Jedoch ist die Wahrheit dahinter so bitter, dass ich verzweifeln könnte. In Deutschland zieht man sich inzwischen in Ghettos zurück, um Kinder zu bekommen. Bei dem Wort Ghetto denkt ja jeder immer gleich an verwahrloste Viertel mit hohem Immigrationsanteil, aber das Wort Ghetto bezeichnet ja nichts anderes als die Zusammenrottung einer bestimmten Bevölkerungsschicht. Somit sind die Reihenhaussiedlungen der Vorstädte und der Prenzlauer Berg auch nichts anderes als ein Ghetto. Und wie in Einwandererghettos entsteht dort dann eine Front gegen die wachsende Bevölkerungsschicht. Im Prenzlauer Berg sind es die Kinderhasser, in Neukölln die kleinbürgerlichen Alltagsrassisten und in Kreuzberg die radikalen Gegner der Gentrifizierung. Wo immer auch eine Bevölkerungsschicht sich eine Existenz aufzubauen versucht, da rotten sich ihre Gegner zusammen und organisieren den Widerstand. Einer gegen den anderen, ohne Sinn und Verstand.

Und wieder einmal wähnt ganz Deutschland sich in Sicherheit und weist mit dem Stinkefinger auf Berlin. Das ist das Moloch, wo all diese Dinge vor sich gehen, unser Sodom, unser Gomorrha. Aber ich mahne zur Vorsicht. Das ist in Wahrheit der Deutsche, der sich nur hier dank seiner zahlreichen Erscheinung in all seinen Qualitäten zeigt. Man sollte Berlin viel eher als das Beispiel betrachtet, das es nun einmal ist. Die Landflucht geschieht seit Jahren und die Utopisten sagen eine Zeit der Superstädte voraus. Ballungszentren, in denen sich eine Vielzahl verschiedener Ethnien und Meinungen ballen. In den Superstädten treffen sie aufeinander und können nicht mehr versteckt werden. Insofern beleuchtet Berlin nur die Realität der vorherrschenden Mentalität in diesem Land. Ich fühle mich nicht wohler, wenn ich meinen Vater auf dem Land besuche, wo ich den Hass unter der Oberfläche spüren kann. Voreingenommenheit und Missgunst scheinen des Deutschen größte Stärke zu sein.

Diese Realität sollten wir nicht akzeptieren. Wir sollten uns aufregen, wenn jemand einen Poller gegen Kinderwagen errichtet, weil das rassistisch ist. Wir sollten nicht immer wieder antworten auf derlei Vorwürfe, dass wir nicht wieder die Nazikeule haben wollen, weil wir sie nun einmal leider ständig schwingen. Nicht das Bennen von Rassismus sollte die Nazikeule genannt werden, sondern die rassistischen Äußerungen selbst sollten diesen Vorwurf übernehmen müssen. Keiner von uns will ein Rassist sein, aber wenn wir nicht nachlesen, was Rassismus ist, wenn wir uns nicht über gewaltfreie Kommunikation bilden, wissen wir gar nicht, was das ist, was wir nicht sein wollen. Also benehmen wir uns alle immer wieder rassistisch, ohne es in diesem Moment überhaupt zu wissen. In Deutschland steckt tatsächlich noch immer sehr viel Nazi. Gute Nazis sind wir nicht, weil ein guter Nazi sich mehr um die Ausbildung seiner Kinder bemühen würde. Aber wir sollten lernen, diese Tatsache zu erkennen und anzuerkennen. Wir können nur besser werden durch Wissen. Und wir sollten dafür einstehen, dass jeder von uns die Chance darauf erhält, alles Wissen dieser Welt zu erreichen. Alle unsere Kinder sollten wir lieben und die unserer Nachbarn gleich mit und deren bildungsferne Eltern und ihre alkoholkranken Freunde und überhaupt jeden und alles, weil er einfach das ist, was wir selbst sind: Ein Mensch. Und wenn die Masse davon aussterben soll, man selbst aber doch vermutlich lieber nicht in diesem Gedankengang: Warum sollten wir dann nicht einfach versuchen, dem anderen das selbe zu wünschen wie sich selbst und daran zu arbeiten, dass diese Unmöglichkeit doch irgendwie funktionieren kann? Im eigenen Umfeld wenigstens. Weil man selbst das kann. Wenn man will.

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Author: Sarah Wiedenhöft

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