Von wegen down! Ohne die richtige Kinderbetreuung läuft nichts

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Das Problem kennen sicher viele Eltern. Die Betreuungszeiten im Kindergarten decken sich nicht mit den Arbeitszeiten. Aber was tut man dann? Berit erzählt uns, wie sie die Situation für sich und ihre Tochter gelöst hat.

Ich bin alleinerziehend und arbeite in Vollzeit. Da muss unser Alltag gut durchorganisiert sein. Der Wecker klingelt morgens um fünf. Dann frühstücken wir und ziehen uns an. Um viertel vor sieben kommt ein  Taxi und bringt Dorothea in den Kindergarten. Sie ist jetzt fünfeinhalb. Sie ist in einer Integrativgruppe in einem Montessorikindergarten. Da geht sie unwahrscheinlich gern hin. Sie lernt dort nicht nur sehr viel, sondern sie ist dort auch sehr warm und herzlich aufgenommen. Zwei Mal in der Woche kommt sie dann um zwei Uhr nach Hause. Dort wird sie dann von ihrer Kinderfrau in Empfang genommen. Die Beiden fahren dann zur Logopädie und zur Ergotherapie. Die anderen Tage in der Woche kommt sie um 16 Uhr nach Hause und wird dann auch noch mal bis 18 Uhr von der Kinderfrau betreut. Dann komme ich von der Arbeit nach Hause. Für Dorothea ist das ganz normal, denn sie kommt mit ihrer Kinderfrau sehr gut aus. Sie lässt sich durch Fremde gut betreuen. Ob das Kind das Downsyndrom hat, oder nicht, macht, soweit ich das beurteilen kann, keinen Unterschied. Als ich damals eine Kinderfrau gesucht habe, war es dann aber doch schwierig. Viele haben sich die Betreuung eines Kindes mit Down Syndrom nicht zugetraut. Die Reaktionen waren gemischt. Manche haben direkt abgesagt, obwohl sie Dorothea gar nicht kannten. Sie haben nur gehört, dass sie das Downsyndrom hat und haben dann gesagt, sie könnten sich die Betreuung nicht vorstellen. Ich hatte den Eindruck, dass es doch noch gesunde Vorurteile gibt. Normaler Weise sage ich das deshalb gar nichts vorher. Ich zeige den Menschen Dorothea und sage dann, dass sie das Downsyndrom hat. Dorothea ist ein sehr offener, ehrlicher Mensch.

Ich versuche alles, damit Dorothea später in eine Ganztagesschule gehen kann. Da ich alleinerziehend bin, komme ich für unseren Unterhalt allein auf und muß dementsprechend arbeiten gehen, weslhalb ich ein Ganztagesbetreuung benötige. Wenn das nicht klappt, müsste meine Tochter weiter im Hort oder von der Kinderfrau betreut werden. Die Betreuung der Kinderfrau wird nicht über die Gutscheine der Kindertagespflegebörse bezahlt. Dafür gibt es für den regulären Kitaplatz Unterstützung. Da Dorothea einen Integrativplatz hat, zahle ich nur die Betreuung außerhalb der Regelzeit. Die Betreuung von 9 bis 15 Uhr wird bezahlt. Die Betreuung von 7 bis 9 Uhr und von 15 bis 16 Uhr zahle ich selbst. Ohne die Betreuung durch die Kinderfrau wäre es mir aber nicht möglich, in Vollzeit zu arbeiten. Zum Glück habe ich auch Unterstützung von meinen Eltern. Wenn Dorothea länger als zwei Tage krank ist, kommen sie und betreuen sie. Ansonsten habe ich die regulären 20 Tage im Jahr, die ich mir wegen Betreuung eines kranken Kindes frei nehmen kann. Die werden dann über die Krankenkasse bezahlt. 

Die Förderung von Dorothea fließt in den normalen Alltag mit ein. Wir üben regelmäßig Gebärden und frühes Lesen, aber sie hat am Wochenende keine speziellen Therapieeinheiten. Da versuche ich schon, dass sie so viel Kind sein kann, wie möglich.

Alles in eine Reihe zu bekommen ist schon sehr schwer. Das hat aber nichts mit der Behinderung von Dorothea zu tun. Es hat vor allem damit zu tun, dass der Tag nur 24 Stunden hat. Arbeit, Kind und Haushalt zusammen zu bringen ist schon ein striktes Programm, wenn man irgendwann auch mal schlafen möchte. Aber das hat mit Dorotheas Behinderung nichts zu tun. Das Problem kennt sicher jeder, der alleinerziehend und berufstätig ist. Bei Dorothea geht die Entwicklung langsamer voran, und man muss die ganzen Termine im Kopf haben: Hörtest, spezielle Kinderarztuntersuchungen, Blutuntersuchungen, Augenuntersuchungen. Welche Therapien sind angebracht? Dann die Koordination zwischen den einzelnen Therapien. Das ist schon eine Herausforderung. Da steckt recht viel Arbeit drin. Leider gibt es viele personalisierte Therapiehilsmittel, wie zum Beispiel Bücher und Karten für das frühe Lesen nicht zu kaufen. Da heißt es selbst kreativ werden und basteln.

 

Dorothea liebt Musik, Bücher und Theater. Sie geht gern Schwimmen und auf den Spielplatz. Sie ist ein sehr vielseitiges, aufgewecktes und neugieriges Kind. 

 

Für ihre Zukunft wünsche ich mir, dass sie ein selbstständiger, glücklicher, zufriedener Mensch wird. 

 

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Author: Sarah Wiedenhöft

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