Von der Notwendigkeit der Berge, sich selbst zu versetzen

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Ich habe in vorangegangenen Artikeln immer wieder erwähnt, dass das Bundesverfassungsgericht bereits im Februar 2010 die Berechnung der Hartz-IV-Regelsätze  für grundgesetzwidrig erklärt hat.  Bis heute hat sich an diesen Berechnungen dennoch nicht viel geändert.
Im Januar 2011 wurde der Satz um 5 Euro erhöht und für die Kinder dieser Familien hat sich das BMAS (BundesMinisterium für Arbeit und Soziales) das Bildungspaket ausgedacht. Ich habe in der letzten Woche viel darüber berichtet. Das Bildungspaket enthält finanzielle Leistungen für Kinder aus sozial schwachen Familien. Zehn Euro für Musik- oder Sportunterricht sind darin z.B. enthalten. Oder die Kosten für das Mittagessen in der Schule.
Das Gute am Bildungspaket ist …

Das Gute am Bildungspaket ist, dass es unsere Regierung entlastet. Jetzt muss der Bedürftige nämlich erst mal kommen. Wenn der Prophet nicht zum Berg will, dann muss der Berg beim Propheten eben einen Antrag stellen. Dadurch spart der Prophet eine ganze Menge Geld ein.
Der Berg muss sich jetzt selbst versetzen.
Wenn Berge versetzt werden sollen, muss es schon ein hohes Maß an Notwendigkeit dafür geben.
Was ist denn mit den Bergen? Geht es denen denn wirklich so schlecht?

Wie gut oder schlecht es so einem Berg geht, der von Hartz-IV leben muss, das kann man in der Aufschlüsselung dieser Sätze ganz genau nachlesen.

Nr. EVS-Abteilung und Einzelposten Euro
1 Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke 128,46
2 Alkoholische Getränke, Tabak und Drogen 0,00
3 Bekleidung und Schuhe 30,40
4 Wohnen, Energie und Instandhaltung 30,24
5 Innenausstattung, Haushaltsgeräte u. -Gegenstände 27,41
6 Gesundheitspflege 15,55
7 Verkehr 22,78
8 Nachrichtenübermittlungen 31,96
9 Freizeit, Unterhaltung, Kultur 39,96
10 Bildung 1,39
11 Beherbergungs- und Gaststättenleistungen 7,16
12 Andere Waren und Dienstleistungen 26,50
Summe 361,81

In Berlin können Empfänger von Hartz IV vergünstigte Monatsfahrkarten für über dreißig Euro erhalten. Dieses Geld wird ihnen real aber gar nicht zur Verfügung gestellt. Für Möbel, Haushaltsgeräte und -gegenstände erhält er 27,41 €. Für gen gesamten Bezugszeitraum von sechs Monaten wären das zusammengerechnet 164, 46 €. Für Kleidung und Schuhe erhält er im halben Jahr gerade mal 182,40 €.
Und was sich jeder dieser Bedürftigen hinter die Ohren schreiben sollte, ist:
Kein Bier für Hartz IV!
Das Nationalgetränk der Deutschen ist in dieser Rechnung schon mal gar nicht enthalten!

Wenn der deutsche Berg mal ein Bier trinken will, kann er das gleich wieder vergessen. Da hilft nicht einmal mehr, sich zu versetzen. Wenn er aber wenigstens eine Zuzahlung zur Nachhilfe seiner Kinder oder die in dieser Rechnung beachtlichen zehn Euro monatlich für den Sportunterricht haben möchte, dann kann er ja einen Antrag stellen.

 

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Author: Sarah Wiedenhöft

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