Und jetzt schläfst du!

Liebe lässt einem die Luft zum Atmen – und zum Schlafen! Wie Carola Fuchs das gelernt hat lest ihr hier:

 

Kennt ihr das, dass ihr euch Jahre später fragt, warum habe ich mir das nur gefallen lassen?

Diese Frage hat mich Letztens vollkommen überraschend und dadurch eiskalt erwischt:

Die Grundschullehrerin meiner Tochter ist im 4. Monat schwanger. Natürlich habe ich ihr gratuliert und mich erkundigt, ob sie denn die Übelkeit schon überwunden hat. „Ach, übel war mir gar nicht so sehr“, strahlt sie mich an, „aber ich gehe jeden Abend um 20.00 Uhr ins Bett und schlafe fast das ganze Wochenende durch.“

In diesem Moment müssen mir die Gesichtszüge total entglitten sein. Ihr Geständnis traf mich wie ein Kugelblitz und ich wollte „Oh mein Gott!“ rufen. „Ist Ihr Mann da nicht furchtbar sauer?“

Doch glücklicherweise konnte ich diesen Spruch noch zensieren, bevor er meinem schon geöffneten Mund entwich.

Was für ein ausgekochter Schwachsinn! Das müsste schon ein extrem egoistisches Exemplar an Mann sein, das sich hier zurückgesetzt fühlen würde. Diese Spezies ist doch bereits seit dem vorletzten Jahrhundert ausgestorben.

Und doch überfällt mich das Gefühl von unendlicher Traurigkeit, weil ich mit einem dieser, auf der roten Liste stehenden, rezenten Exemplare, eine sechs Jahre währende Wochenendbeziehung gepflegt habe.
Ich würde sogar behaupten, wir waren richtig glücklich. Für ihn war ich die Beste, die Schönste und die Gescheiteste. Ich fühlte mich geliebt und diese Anerkennung gab mir sehr viel Kraft für alle anderen Lebensbereiche, wie Arbeit, Sport und Aktivitäten mit Freunden. Aber hier hörte sich der Spaß für ihn langsam auf. Er hasste es, wenn er mich mit meinen Freunden, einem Buch, meiner Leidenschaft für Sport oder gar meiner Arbeit teilen musste. Das fand ich wiederum anstrengend, beruhigte mich aber damit, dass es eine natürliche Konsequenz der Wochenendbeziehung sei und sich bestimmt verflüchtigen würde, sobald wir einen gemeinsamen Hausstand haben.

Der Entschluss zu einer Zusammenlegung fiel, nachdem ich schwanger und das Hin und Her nicht mehr praktikabel war. Aber es stellte sich heraus, dass er nach wie vor sehr bedürftig war. „Jetzt bist du endlich da und dann schläfst du die ganze Zeit“, beschwerte er sich, weil es mir genauso erging wie besagter Lehrerin und ich einen Mittagsschlaf brauchte oder abends beim Fernsehen einnickte. Und dann hatte ich ein schlechtes Gewissen! Wie behandle ich den Mann, der mich so liebt? Zuerst lasse ich ihn zappeln und bestehe auf zwei Wohnsitzen und was mache ich jetzt? Jetzt schlafe ich die ganze Zeit.
Mir fehlte der Abstand, um hier differenzieren zu können.

Heute weiß ich: das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Gar nichts! Ich stand nicht in seiner Schuld, weil er mich liebte.

Liebe heißt nicht, sich von der Aufmerksamkeit des anderen zu ernähren.
Liebe lässt einem Luft zum Atmen – und zum Schlafen.

Schön, wenn man wenigstens im Nachhinein schlauer ist.

 

Carola Fuchs ist Autorin des Buches Mama zwischen Sorge und Recht.

Flattr this!

Author: Sarah Wiedenhöft

Share This Post On

Submit a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*