PatchworkParadise

Vom Suchen und Finden des neuen Partnerglücks

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In einer 22jährigen Untersuchung haben Wissenschaftler beobachtet, wie und wann alleinerziehende Mütter einen neuen Partner finden und dazu eine Statistik erstellt:

Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass etwa die Hälfte der alleinerziehenden Mütter im Beobachtungszeitraum (etwa 22 Jahre) wieder einen Lebenspartner hat. Ein Viertel der Allein­erziehenden verlässt innerhalb der ersten drei Jahre den Status „alleinerziehend“, überwiegend durch neue Partnerschaften. Ein weiteres Viertel ist nach fünf Jahren nicht mehr alleinerzie­hend (BMAS 2011: 13 ff.). Dies bedeutet umgekehrt jedoch auch, dass die Hälfte der alleiner­ziehenden Mütter keinen neuen Partner hat und ein Viertel sogar mindestens 13 Jahre lang alleinerziehend ist (BMAS 2011: 13 ff.). In 40 Prozent der Fälle endet die Phase des Alleinerzie­hens dadurch, dass die Kinder erwachsen sind und/oder den Haushalt verlassen” (BMAS 2011: 15 Monitor Familienforschung, Ausgabe 28).

Wir wissen alle, dass Statistiken in diesem Fall der individuellen Lebensläufe nur schwer ein klares Bild verschaffen können. Eine Tendenz stellen sie aber sicher dar. Hinzufügen kann ich dem nur meine eigenen Erfahrungen mit meinem eigenen Beziehungsleben oder dem meiner Bekannten und Freunde. Und ich stelle fest: Mit Kindern ist es tatsächlich gar nicht so einfach und groß erklären muss ich das auch niemandem mehr. Wir sind uns bewusst was die zahlreichen Schwierigkeiten sind, wenn es darum geht, einen neuen Partner zu finden. Erschwert wird das ganze zusätzlich durch den Zeitgeist. Laut einer Digital Life Studie von TNS finden sich immer mehr Paare über das Internet oder bei der Arbeit, was keinen weiter verwundern sollte. Die Arbeit und das Internet sind die Orte, an denen der moderne Mensch sich eben die meiste Zeit aufhält. 2008 gab die Mehrzahl aller Befragten noch an, den Partner im Freundes- und Bekanntenkreis gefunden zu haben. Keine fünf Jahre später hat sich das Blatt bereits schwer gewendet und die Partnersuche hat sich den Begebenheiten des freien Marktes bereits nahezu perfekt angepasst.

Einen neuen Partner bekommt man wie einen neuen Schuh im Internet. Wie bei zalando der Schuh hat im Partnerportal der potentielle Partner ein eigenes Profil, das seine Vorzüge auf den Punkt bringt. Wie beim Schuh kann man die Fotos des Objektes ansehen und vergrößern und in der Beschreibung des Schuhs/Mannes nachlesen, was ihn auszeichnet. Diesen Schuh. Oder eben diesen Mann, diese Frau, dieses Bi- Homo- Hetero oder sonstwie gelabelte Produkt. Bestellt man den Schuh, kommt er an und er passt, so ist man in aller Regel glücklich. Der Schuh hält, was sein Onlineauftritt verspricht. Eben, weil er nicht spricht. Der Schuh ist nur ein Schuh. Wenn er gut aussieht, bequem ist und lange hält: Gut! Menschen allerdings kommen immer mit einem Charakter, einem Geruch, einer Stimme und einer gewissen individuellen Mischung an Hormonen und neurologischer Verzweigungen. Und darum hält er/sie selten, was die Werbung uns versprach. Und es wird ja noch viel undurchsichtiger. In der Süddeutschen Zeitung war unlängst zu lesen, dass es Agenturen gibt, die sich um die Pflege einiger solcher Profile kümmern. Bei ihnen kann jeder das Kennenlernen via Internet in Auftrag geben. Wenn ich einen solchen User anschreibe, trete ich also gar nicht in den Kontakt mit ihm oder ihr, sondern mit jemanden, den er oder sie dafür bezahlt. Wir wissen es eigentlich besser. Wir kennen die Forschungen und wissen, dass das Verlieben ein höchst chemischer Vorgang ist, bei dem biochemische Vorgänge unseren Körper in Aufruhr bringen und uns in eine Art Rauschzustand versetzen. Wir wissen, dass wir dafür unsere Nase, unsere Haptik, unser Ohr und all unsere Sinne gebrauchen und dass es mit dem optischen Eindruck und einer unzureichenden Selbstbeschreibung auf einem Internetprofil einfach noch lange nicht gemacht ist. Versucht wird es dennoch. 20% von ca. 2000 Befragten zwischen 16 und 26 geben zu, schon einmal auf einem entsprechenden Portal ihr Glück versucht zu haben. Und ich denke, die Dunkelziffer ist weitaus größer.

Aber wie soll es denn auch sonst gehen? Woher hole ich denn diesen Menschen, bei dem meine Chemie vollkommen ausrastet? Wo ist dieser Mensch denn ??? Nun, im Grunde ist es ganz einfach. Sie begegnen uns ständig. Ich würde mich überhaupt auf gar nichts anderes als diese Chemie verlassen wollen. Jeder von uns kennt das Gefühl, irgendwo im Trubel des Alltags – vielleicht in der Straßenbahn oder im Supermarkt – auf ein anderes Paar Menschenaugen zu treffen und in Wallung zu geraten. Jedem ist diese Empfindung vertraut. Dieses Kribbeln im Bauch und die Aufregung, die ganz plötzlich entsteht. Vollkommen willkürlich durch die Begegnung mit einem Fremden ausgelöst. Das scheue Lächeln, das mit klopfendem-Herzen-den-Anderen-beobachten.

Das hast du sicher auch schon einmal gespürt, oder etwa nicht?! Und ich sage Dir: Das war er/sie. Der Schuh, dessen Hormone die deinen ganz wild machen und in Aufruhr versetzen. Die Chemie lügt nie. Das wäre dein Traumpreis gewesen. Glücklicherweise passiert so etwas nicht nur einmal im Leben. Es passiert natürlich auch nicht ständig, aber es gibt immer wieder irgendwann diesen Moment, in dem ein Blick dir mehr sagen wird als alle Onlinebörsen dieser Welt und dann solltest du dir ein Herz fassen.

Ich selbst habe das eines Tages einfach mal ausprobiert. Ein warmer Sommertag, ich hole mir einen Kaffee und sehe dabei versehentlich in die Augen eines anderen Kunden. Er sieht mich ebenso an, in meinem Bauch zuckt es und ich werde nervös. Ich irritiere mich selbst bei dem Versuch, gleichzeitig sexy und freundlich zu wirken und habe das Gefühl, dass mir meine Gesichtszüge komplett entgleiten. Der schöne Mann lächelt mich freundlich an. Puh. Der Atem wird eine aktive und schwierige Aufgabe, ich bin hochkonzentriert, ich verspreche mich, als ich meine Bestellung aufgebe … Das ganze Programm.

Als ich endlich wieder an der frischen Luft war, und mein Fahrrad von seinem Schloss befreite, verharrte ich eine Weile. Ich konnte mich nicht entschließen, einfach fortzufahren. Dieser Mensch machte mich völlig wahnsinnig! Ich müsste eigentlich los, ich kann diesen Menschen doch nicht einfach gehen lassen, ich … wusste überhaupt nicht, was ich tun sollte. Der Mann kam schließlich raus mit seinem Kaffee und setzte sich auf einen der Stühle draußen, um sich eine Zigarette zu drehen. Wieder trafen sich unsere Blicke. Dieses mal war es noch weitaus schlimmer. Sein Blick, so von unten, war so sexy, dabei so warm und freundlich. Frech und behutsam zu selber Zeit. Und ich? Wieso stand ich überhaupt noch hier rum? Mit einem Fahrrad in der einen und meinem Kaffee in der anderen Hand. Gänzlich ohne irgendeine Berechtigung, herumzustehen und jemanden anzustarren. Als er seine Zigarette zu Ende gedreht hatte, kam Bewegung in seinen Körper und ich dachte: Gut, dann laufen wir jetzt eben zufällig in die selbe Richtung, wenn es sein soll und ich begann langsam, mein Rad anzuschieben. Als ich mich umwandte, sah ich ihn in die gegenteilige Richtung laufen und ich blieb stehen. Wenn es sein soll … was soll das heißen überhaupt? Ich habe die Chemie doch gespürt. Das ganze jetzt auf das Schicksal zu schieben, wäre nichts als Feigheit. Die folgenden Sekunden gehören wohl zu den aufregendsten meines Lebens. Es gehört sicher ein gutes Stück Courage dazu, einen fremden Menschen “grundlos” anzusprechen und mein Herz schlug mir bis in den Hals, aber ich fasste es schließlich und rannte los. Naja, zunächst lief ich ihm nach. Immer schneller wurde ich, bis ich schließlich rannte. Ich hätte auch auf das Fahrrad steigen können, aber zu soviel geistiger Anstrengung fehlten mir derzeit die Ressourcen. Als er eine Straße überquerte, drehte er sich um und sein Blick fiel auf mich, die ich ihm offenbar nachrannte. Er lächelte.

“Nicht so schnell!”, rief ich und er blieb stehen. Mitten auf der Straße. Als ich ihn erreichte, standen wir da zu zweit.

“Äh, hallo.”

“Hallo.”

“Ich heiße Maike. Du willst doch wohl mal ein Eis mit mir essen!”

Und dann kam ein LKW. Wir mussten uns umständlich koordinieren und anstatt, dass wir die Straßenüberquerung vollendet hätten, gingen wir zurück zu der Seite der Straße, von der wir ja gekommen waren. Er lachte über meine freche Behauptung, bestätigte aber dass er das unbedingt wolle, nun aber erst einmal zur Arbeit müsse. Wir tauschten unsere Telefonnummern aus, wir gingen Kuchen essen statt Eis und inzwischen wohnen wir zusammen und wachen jeden Tag glücklich nebeneinander auf. Nachdem ich einer Freundin davon berichtet hatte, probierte sie es gleich darauf auch einmal aus und ist ebenfalls nun schon eine Weile glücklich mit dem Ergebnis. Darum habe ich mich entschlossen, Euch auch einfach mal davon zu erzählen. Der Mann/ die Frau, den/die ihr sucht: Ist irgendwo da draußen!

 

 

 

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Author: Sarah Wiedenhöft

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