Ohren für das ZDF!

Ich habe ganz vergessen, es hier hochzuladen, aber nun ergibt das alles auch viel mehr Sinn. Ich teile den Beitrag von Frontal21 über Alleinerziehende einfach heute, wo es zum ZDF tatsächlich mal etwas zu sagen gäbe.

 

Im November traf ich mich mit Dana Nowak vom ZDF, um mit ihr für die Sendung Frontal21 über Alleinerziehende zu sprechen. Es war ein angenehmer Drehtag. Das Team war sehr nett, wir hatten gute Gespräche und trotz einiger Widrigkeiten behielten alle ihre gute Laune und Aufgeschlossenheit. Im Anschluss wartete meine Tochter nervös auf das Ergebnis. Sie wollte die Sendung am liebsten sofort im Fernseher sehen, aber so funktioniert Fernsehen natürlich nicht. Es muss ja erst einmal geschnitten und vertont werden, dann wird diskutiert in der Redaktion, alles noch einmal neu geschnitten oder verworfen und dann läuft es irgendwann oder eben nicht. Meistens laufen die Dinge übrigens nicht, die ich mit Fernsehteams so bespreche. Irgendwie ist das Thema Alleinerziehende am Ende oft zu langweilig, um es wirklich zu senden. Zu deprimierend. Zu uninteressant für Deutschland.

Doch die Redakteurin hat sich dankenswerterweise sehr bemüht und so kam es, dass wir am 21. Januar also endlich im Fernsehen waren. Zwei andere alleinerziehende Frauen und ich. Und ein Experte.

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Hier könnt Ihr Euch diesen Beitrag in der ZDF Mediathek ansehen.

Ich habe ja auch schon für das ZDF gearbeitet und ich habe so meine eigenen Erinnerungen an Redaktionssitzungen. Im ZDF gibt es nämlich eine ganze Menge Experten. Die meisten von ihnen sind Männer. Sie wissen schier alles plus sie haben zu allem die richtige Meinung und in ZDF Redaktionen wird wirklich sehr gerne viel kritisiert und reingeredet. Was seltsamerweise im ZDF auch immer wieder passiert, ist das Beiträge einen männlichen Experten benötigen, um als fertiger Beitrag zu gelten. Selbstverständlich habe ich keine Ahnung, wieso der Beitrag so lange brauchte, um ins Fernsehen zu kommen. Meine bisherigen Erfahrungen erklären es sich jedenfalls mit diesem männlichen Experten, der zuvor im Beitrag gar nicht vorgesehen war. Jedenfalls nicht laut meinen Informationen. Vielleicht war es auch noch etwas anderes oder gar ganz was anderes, aber dennoch zwängt dieses Thema sich auf in Zeiten wie einer Petition gegen Lanz oder der Anne-Frank-Verfilmung oder anderen chauvinistischen Ausbrüchen des ZDFs.

Das Team des goldenen Medienpimmels 2013 hat sich die Mühe gemacht, sämtliche Sendungen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens anzusehen und den Anteil männlicher und weiblicher Redebeiträge zu berechnen. Die Ergebnisse sind nicht nur für das ZDF beschämend. Die Analyse zeigt auf, dass Frauen insgesamt sehr rar gestreut sind. Als Expertinnen werden sie zu Themen ungleich seltener eingeladen als ihre männlichen Kollegen. Als Frau, die schon einige Male gefilmt und dann nie gezeigt wurde, ist mir dieses Phänomen sehr nah. Als Autorin für das ZDF, die noch dieses oder jenes an ihrem Geschriebenem der Heteronormativität oder anderen Befindlichkeiten anpassen musste  ebenso.

Bei Markus Lanz erschienen laut dieser Analyse 2013 übrigens 69% männliche Gesprächspartner und 31% weibliche. Und um Lanz ist das Geschrei nun groß. Weil er Sarah Wagenknecht im Interview so kindisch anging. Verschworen mit Hans Ulrich Jörges. Weil das alles irgendwie mehr nach Schulhofmobbing aussah als nach seriösem Fernsehen. Lanz ist ohnehin schon lange verschrien als einer der schlechteste Moderator des deutschen Fernsehens. Im Polittalk zu parteiisch, in der Unterhaltungsshow zu peinlich. Seit Lanz wetten dass … moderiert, wurde die Sendung zu Hauf in der Presse verrissen, die Einschaltquote sank kontinnuirlich und beispielsweise Tom Hanks lästerte im Anschluss an seinen Auftritt in der Senung, dass diese langweilig und peinlich sei. Dass sie in Amerika längst abgesetzt worden wäre.

Homunculus

Das ist der Humunculus. Eine Abbildung eines Menschen mit Hervorhebung seiner Körperteile nach Empfindsamkeit. Alles, was groß ist, ist mit entsprechend großer Sensivität verbunden.

Auch hier in Deutschland sinkt die Beliebtheit der Familienshow, die einst eine Größe war im Entertainmentbereich. International war die Show als großer Reichweitenmultiplikator angesehen. Aber diese glorreichen Zeiten sind nun  vorbei. Das liegt auch sicher nicht nur an Lanz, sondern auch an mangelnder Kreativität seitens der Produzenten dieser Show. Das Problem ist nur: Das ZDF ist ein relativ alter weißer Mann mit sehr großem Mund, doch ohne Ohren. Ein ZDF empfängt nicht, ein ZDF sendet. Für Kritik oder Mitspracherecht scheint es resistent wie ein Privatsender.

Ein Privatsender ist ein Bestimmer. Er sendet, was er will und muss überhaupt niemandem zuhören, sondern bloß raushauen. Am besten irgendetwas kontroverses, ekliges, diskriminierendes oder hypersexualisiertes. Weil ein Privatsender das nur für seinen Geldbeutel macht. Es reicht ihm völlig, niederste Instinkte im Menschen zu bedienen und nur das reisserischste vom Widerlichsten zu senden. Ein öffentlich-rechtlicher Sender jedoch hat einen Bildungsauftrag und gehört schon dem Namen nach uns allen als Gesellschaft. Das ZDF ist quasi unser Fernsehen. Es soll uns abbilden und uns Gehör verschaffen. Es soll Meinungen neutral abbilden und dabei die Vielfalt nicht aus den Augen verlieren. Es müsste unser Partner sein, doch es benimmt sich wie unser schlimmster Albtraum von einem Chef.

Zuletzt als das ZDF sich mit dem Basler Anne Frank Fond stritt, benahm es sich wieder einmal ausufernd. Dass dieses Problem sich an der Person Lanz hochschaukelt, ist vermutlich obsolet für das wütende Publikum. Sinnvoller wäre es jedoch, die Strukturen des ZDF zu hinterfragen und auf einen Zuschauerrat mit großem Stimmanteil zu pochen. Was zu begründen wäre, weil es schließlich für uns als Gesellschaft relevant sein soll, dieses öffentlich-rechtliche Fernsehen. Oder man müsste darauf bestehen, Verantwortliche abzusetzen. Auf Vernunft und Verantwortung müsste man bestehen, wenn es um die Abbildung des öffentlichen Interesses geht. Per Internetmob einen einzelnen Moderatoren anzuprangern, der unter einer verantwortungsbewussten Chefetage gar nicht eingestellt worden wäre, ist alles andere als verantwortlich oder vernünftig. Was wiederrum einen möglichen Zuschauerrat per se ausschließt. Öffentliches Interesse muss nicht das sein, wonach viele laut schreien. Zunächst braucht das ZDF einmal große Ohren, Augen und Hände. Um uns zu sehen und zu hören, um zu begreifen und dann anzupacken. Ach, übrigens: Das alles gilt lange nicht nur für das ZDF.

 

Sender oder Empfänger?

twitter ist der bequemste Weg, möglichst viele Meinungen und Fakten zu recherchieren im Netz. Einzelne Journalisten und Sendungen der jeweiligen Sender tun dies sicherlich. Aber tun es auch die Sender selbst? Eine Abbildung ihrer digitalen Ohren.

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Mit dem Zweiten sieht man besser, aber gucken die überhaupt irgendwo hin?

 

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Selbst zdf_neo sendet lieber als zu empfangen.

 

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Die Bayern haben Ohren für #Neuland

 

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Im Norden friert die Kommunikation.

 

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Bei so viel Hochkultur ist Geben ohnhein seliger als Nehmen …

 

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so eine stille timeline hat sicher ihre Reize.

 

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Alle wach? Bitte nicht so laut!

 

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Im Westen viel Neues.

 

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ARD und ZDF in vereinter Taubheit

 

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Mit dem ersten sieht man vielleicht doch besser?!

 

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Author: Sarah Wiedenhöft

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10 Comments

  1. …zu einfach! Was habe ich denn davon, wenn es in Zukunft statt Lanz mehr Royal TV, Klatsch, Rosamunde Pilcher, Germanys Next Top Model, Esoterik zu sehen gäbe? Immerhin gibt es doch schon eine Menge Talkmäster: Sandra Maischberger, Maybrit Illner, Anne Will u.a. Die Qualität der von ihnen verantworteten Talkshows ist aber, naja, sagen wir mal es ruhig, eher unterdurchschnittlich. Ach war das früher schön! …wo die Teilnehmer sich zusammengerissen haben und sich gegenseitig haben ausreden lassen und sogar etwas zu sagen hatten, selbst so temperamentvolle Männer wie Herbert Wehner, Willy Brandt, Egon Bahr, sogar Franz-Joseph Strauß. Verglichen mit Teilnehmern wie Arnulf Baring, Necla Kelek, Heinz Buschkowsky und Alice Schwarzer waren deren Diskussionen Wohltaten. Das liegt natürlich nicht am weiblichen Geschlecht der Talkmäster. Denn den Qualitätsverlust haben nicht sie verschuldet, sondern neben Lanz auch Dieter Nuhr, Mario Barth, Peter Hahne und deren fiesen Heinis mehr.

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    • Ich verstehe Deine Antwort nicht. Wir brauchen mehr Verantwortung in den Chefetagen der Sender, sage ich. Wieso würde Verantwortung Royal TV machen? Verantwortung würde wohl eher aufklären.

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      • Die Seite hinter Deinem Link zum “Goldenen Medienpimmel” führt i.w. auf, wie oft Frauen zu Talkshows eingeladen werden. Das ist aber für mich nicht das entscheidende Qualitätskriterium. Royal TV ist nämlich ausschließlich Frauensache. Das wird von Frauen für Frauen gemacht. Um den Ansprüchen der Site “Goldener Medienpimmel” gerecht zu werden, genügt es, mehr Royal TV im Programm unterzubringen. Das kann aber nicht Sinn und Zweck einer Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk sein.

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        • aber der goldene Medienpimmel ist ein Aspekt meines Artikels und nicht mein Fazit. Das heißt, Du musst schon den Medienpimmel auf seiner Seite selbst dafür kritisieren. Mir geht es doch um anderes.

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  2. Ich nehme an, daß auch das ZDF schon genügend gutbezahlte Jobs in seinen Rundfunkräten für die sozialen Alphatiere aus Parteien und Organisationen bietet – die brauchen keine Zuschauer. Wir nennen die Partizipienten zwar Gesinnungselite; – aber eigentlich ist auch dies nur eine Ausprägung des altbekannten Phänomens, das 1911 Rudolfo Michels als das eherne Gesetz der Oligarchie entlarvte.

    Jedenfalls gefällt mir die besserwisserische Arroganz der Weltenthobenen immer weniger, und ich glaube (wie ich an deinem Artikel da lese), da bin ich gar nicht mehr alleine. Zum Beispiel hat Muttis Handy die feige Unverschämtheit von Pofalla konterkariert; die Technikgläubigkeit von Mutti beim Atomstrom zwar Risse bekommen, aber schon beim Gen-Mais hat es nicht gereicht, das Koalitionsabkommen der Großen Koalition in der EU Zulassungsdebatte 2014 einzuhalten.

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    • Allerdings! Als ich neulich für die Fronatl21 Reportage im ZDF war, zeigte eine der beteiligten Personen hier und da auf Büros und sagte: “Die haben hier Büros im Haus. Da und da und da.” Die Rede war von Regierungsmitgliedern …

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  3. Zitat: “Ich habe ja auch schon für das ZDF gearbeitet und ich habe so meine eigenen Erinnerungen an Redaktionssitzungen. Im ZDF gibt es nämlich eine ganze Menge Experten. Die meisten von ihnen sind Männer. Sie wissen schier alles plus sie haben zu allem die richtige Meinung und in ZDF Redaktionen wird wirklich sehr gerne viel kritisiert und reingeredet. Was seltsamerweise im ZDF auch immer wieder passiert, ist das Beiträge einen männlichen Experten benötigen, um als fertiger Beitrag zu gelten.”
    Was freue ich mich, wenn das andere auch so wahrnehmen!
    Diesen Eindruck habe ich in bisher allen Redaktionen aller Arten quer durch die Republik bekommen, bis auf eine. Deren Chef eine Frau war, Mutter und alleinerziehend, übrigens.
    Und natürlich trügt mich mein Eindruck, sagen mir diese Männer. Aber ich hätte nunmal keine Ahnung (auch wenn ich über drei Meistertitel verfüge und sie über keinen), und eine objektive Bewertung müsse ich bittedanke denen zugestehen, die kompetent genug dafür seien.
    Örgs.

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    • Danke für die Bestätigung. Jetzt bin ich natürlich sehr neugierig, wer die alleinerziehende Chefredakteurin ist?!

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      • Die kleine Tageszeitung wurde von einem großen Verlag vor zwei Jahren vom Markt gekauft und komplett geschlossen, seitdem ist die Dame m.W. nicht mehr aktiv. Sie war AE weil verwitwet und hat später wieder geheiratet.

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