Mission Wonder WoMan: Endlich mehr Anerkennung für Alleinerziehende

Wonder Woman

Die Sonne scheint, es ist sehr warm und schwül. Die Atmosphäre in dem kleinen Café in Berlin, ziemlich dicht am Alex, ist trotz des guten Wetters angespannt. Warten. Darauf, dass Manuela Schwesig und Yasmin Fahimi mit uns diskutieren. Über unsere Wünsche und unsere Vorstellungen. Über das, was sich ändern soll.

Die 40 alleinerziehenden Frauen und Männer, die aus ganz Deutschland gekommen sind, haben ihre Erwartungen an das, was kommen wird. Ganz persönlich, ganz individuell. Denn so unterschiedlich wir alle sind, so verschieden sind auch unsere Bedürfnisse und Wünsche. Anna ist mit gemischten Gefühlen aus Süddeutschland angereist. Was soll so ein Treffen schon bringen? Ob die sich wirklich für sie interessieren? Bärbel, lange blonde Haare und strahlend blaue Augen, wünscht sich ein besseres Betreuungsangebot für ihren zehnjährigen Sohn. Claudia hadert mit der steuerlichen Ungerechtigkeit. Steuerklasse zwei, das wäre was, damit ginge es ihr besser. Yasemin, klein, schmal und dunkelhaarig, ist voller Hoffnung. “Ich wünsche mir mehr Anerkennung!”, sagt sie. “Die da oben sollen sehen, wer wir sind und was wir alles schaffen.”  Sie arbeitet oft Doppelschichten. Trotzdem reicht das Geld nicht. “Toll wäre es auch”, sagt sie, “wenn die Begriffe alleinerziehend und asozial nicht immer in einem Atemzug genannt würden”. Die ständige Beweislast, es richtig zu machen, eine gute Mutter zu sein, belaste sie sehr. Für Alexandra ist die Prävention von Depressionen und Burnout bei Alleinerziehenden besonders wichtig. Konzepte, um mehr Entlastung zugunsten der Gesundheit von Alleinerziehenden zu schaffen, gibt es bis jetzt nicht. Heiner ist vor allem gespannt auf das, was kommt. Für mich ist die Unterstützung von Alleinerziehenden in Studium und Ausbildung ein wichtiges Thema.

Dann sind sie da, Manuela Schwesig, Familienministerin und Yasmin Fahimi, SPD-Generalsekretärin. Nach einer kurzen Einführung wenden sich beide direkt an die Menschen, die für dieses Treffen meist mehrstündige Anreisen auf sich genommen haben. Sie bedanken sich für die Berichte und Erfahrungen, die wir mit ihnen auf der SPD-Homepage geteilt haben. Mir gefällt die Wertschätzung, die uns durch die beiden entgegengebracht wird. Yasmin Fahimi versucht, durch eigene Erlebnisse einen vertrauensvollen Rahmen zu schaffen. Sie selbst wuchs bei einer alleinerziehenden Mutter auf. Es entsteht eine entspannte Atmosphäre, eine Ebene, auf der frau und man sich auch mal trauen kann, was los zu werden.

“Ich habe Frau Schwesig direkt erzählt, wie schwierig es für mich ist, die Kinderbetreuung für meinen Sohn in den Schulferien zu organisieren”, erzählt Bärbel später. “Ich bin überrascht. Ich hatte tatsächlich das Gefühl, dass sie zugehört hat.” Und in der Tat scheint dieses kleine Café in Berlin eine Nähe zwischen Politikerinnen und Alleinerziehenden möglich zu machen, mit der auch ich nicht gerechnet hätte.

Aber es werden auch die Schwierigkeiten klar aufgezeigt. Die Grenzen, mit denen wir alle schon gerechnet hatten. Wegen der wir uns auch manchmal im Stich gelassen fühlen. Es sei schwierig, sagt Manuela Schwesig, Dinge wie das Umgangsrecht familienpolitisch neu zu regeln – die einzelnen Fälle seien einfach zu komplex, zu verschieden. Auch eine radikale Änderung des Unterhaltsvorschusses sei beispielsweise schwer umsetzbar.

“Ich möchte Familienministerin für alle Familien sein,” sagt sie dann.

“Es geht um gut bezahlte (Teilzeit-)Arbeit, eine familienfreundlichere Arbeitswelt, bessere Betreuungsmöglichkeiten, die Auflösung von Klischees und Rollenzuschreibungen und mehr Zeit für sich und die Familie,” schreibt Manuela Schwesig auf ihrer Facebookseite. Das klingt vielversprechend. Auch wir sind Familie und endlich werden wir als solche wahrgenommen und anerkannt.

Es bleibt viel zu tun. Dass die Politik aber nun den Dialog mit uns sucht, ist ein guter Anfang. Alleinerziehende werden politisch mehr wahrgenommen und ich hatte das Gefühl, dass ein ehrliches Interesse daran besteht, unseren Alltag zu vereinfachen. Es ist notwendig den Dialog auf Augenhöhe fortzusetzen, um mehr gegenseitige Wahrnehmung, Anerkennung und (politische) Teilhabe hervorzurufen.

Familie ist da, wo Kinder sind. Da, wo Menschen sich umeinander kümmern, und es ist schön zu sehen, dass diese Tatsache mehr und mehr Einzug in politische und gesellschaftliche Diskurse erhält. Auf dass den Worten weitere Taten folgen mögen!

 

 

Mehr Informationen zur Kampange “Wonder Woman. Alleinerziehende retten jeden Tag die Welt. Wir unterstützen sie dabei” gibt es auf der SPD-Homepage und in der schönen Zusammenfassung von Marisa Strobel.

 

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Author: Sarah Wiedenhöft

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