Kids on tour – Reisebegleitung für Kinder

Heute erscheint hier mal wieder ein Gastbeitrag. Dieses mal von meiner Tochter, die Euch von einer praktischen Möglichkeit für Trennungskinder berichten möchte. Paula hat übrigens auch einen eigenen Blog, wo sie hin und wieder Kinderbücher rezensiert. Den findet Ihr hier.

Meine Eltern sind getrennt und leider wohnt mein Papa über 600 Kilometer weit weg von uns. Darüber bin ich manchmal traurig, weil ich nie einfach so zu Papa kann. Es muss immer erst geplant werden und passiert fast nur in den Ferien. Meistens hat mein Papa mich dann abgeholt mit dem ICE und damit sind wir dann zu ihm gefahren.
Er hat mich auch immer zurückgefahren. Das heißt: Mein Papa musste viermal über vier Stunden lang Bahn fahren, um mich einmal zu sehen. Sechzehn Stunden. Ganz schön lange! Aber dieses mal haben wir es anders gemacht. Dieses mal bin einfach ich mit dem ICE gefahren. Aber nicht alleine, sondern mit den Kids on tour und das war nicht nur günstig, wie meine Eltern finden, das hat mir vor allem einfach sehr viel Spaß gemacht. Meine Mutter findet, ich soll jetzt zuerst von den Kosten usw. erzählen. Also gut: Kids on tour ist ein Projekt der Bahnhofsmission. Man kann noch nicht überall hinfahren mit ihnen, aber die Strecken werden immer mehr. Bisher sind es diese hier (zum Vergrößern anklicken) :

Streckenuebersicht_klein

Man muss sich früh genug da melden, sagt Papa und dann muss man zum Kinderfahrpreis noch 30 Euro zuzahlen für die Betreuung. Pro fünf Kindern gibt es eine Betreuungsperson und die sind geschult, sagt Mama. Ich fand sie vor allem nett. Die Schule von denen hat mich nicht interessiert. Papa hat mir auch eine Bahncard 25 gekauft. Die hätte ich sogar selbst kaufen können. Die kostet nämlich nur zehn Euro und  gilt von 6-19. Das heißt ich kann damit jetzt noch neun Jahre fahren, weil ich demnächst zehn werde. Das ist billig. Das weiß ich, weil meine Mutter die Bahncard jedes Jahr neu bezahlen muss und die ist auch viel teurer. Und jetzt die Fahrt:

Das war die lustigste Bahnfahrt meines Lebens und sie ging viel zu schnell rum. Wir waren acht Kinder mit zwei Betreuern und wir hatten ein eigenes Abteil, in dem wir lauter Blödsinn treiben konnten. Wir haben niemanden gestört und keiner hat uns schief angeguckt. Wenn ich mit Mama oder Papa alleine gefahren bin, bin ich schon oft böse angeguckt worden, weil ich manchmal ein bisschen laut bin. Mit den anderen Kindern musste ich laut sein und alle fanden das normal. Wir haben Spiele gespielt, über unsere Schulen und Lehrer gequatscht, zwei von denen sind sogar Brieffreunde geworden. Meine Eltern haben sich beide fast in die Hosen gemacht bei meiner ersten und zweiten Fahrt. Papa hat mich am Bahnhof empfangen, als käme ich aus einem Krieg zurück und Mama hatte sogar Tränen in den Augen, als ich zu ihr zurückkam. Dabei hatte ich in Wahrheit einfach nur ganz viel Spaß und freue mich schon auf die nächste Reise. Meine Eltern bekommen das dann wahrscheinlich auch schon besser hin. Ich werde versuchen, sie zu beruhigen. Das Problem ist: Die sind viel älter schon, als sie zugeben wollen. Man sieht das daran, wie groß ich schon bin, aber das werden die schon noch merken.

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Author: Sarah Wiedenhöft

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1 Comment

  1. Liebe Paula. Du fetzt. Und dein Artikelchen auch.

    Herzlichst, Paula.

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