Ich will nur Dein Geld !

Schluss mit all den Schuldzuweisungen! Heute kritisiere ich mal mich selbst.

Naja, so dringend dann auch wieder nicht …

Naja, so dringend dann auch wieder nicht …

Eine Freundin von mir hat mir heute erzählt, dass sie die neue Freundin ihres Exfreundes auf den Tod nichts ausstehen könnte.
“Die will nur sein Geld!”, schimpfte sie und ich wurde immer stiller bei ihrer Rede. Die Beklagte sei alleinerziehend und arm und nun nutze sie den Ex meiner Freundin nur aus, um sich an ihm zu bereichern. Die bekommt ihr Leben nicht auf die Kette, hat überall Schulden und nun ließe sie sich allen Ernstes Geld zustecken. Ich setzte an zu einem einleitenden “Nun …”, doch ihr Zorn unterbrach mich gleich wieder. Diese dumme Schlampe solle sich schämen, das sei widerwärtig, etc.

Nun …

Ich bin widerwärtig.
Ich bekomme mein Leben nicht auf die Kette und ich nutze andere Menschen aus.
Seit ich alleinerziehend bin, haben sich einige meiner moralischen Standpunkte verschoben. Ganz nach dem Motto:

“Erst kommt das Fressen, dann die Moral.” (Brecht)

In den letzten Jahren habe ich meine Partner immer auch nach dem Kriterium der Wirtschaftlichkeit ausgewählt. Seit ich mich als Mutter kaum im Stande fühle, ständig für alles aufzukommen, sehe ich in einem Mann immer auch einen potentiellen Versorger. Zugegeben. Vielleicht kann man das nicht verstehen, wenn man selbst keine Kinder hat. Vielleicht muss man das auch gar nicht verstehen. Vielleicht ist es tatsächlich einfach widerwärtig. Aber es ist nicht, wie man so schön sagt, “hausgemacht”. Es ist ein struktureller Fehler, der mich zu Handeln zwingt.
Lerne ich einen Mann kennen, der klug und witzig ist, charmant, schön und arm, so werde ich mich definitiv nicht in ihn verlieben. Entscheidend ist immer auch, dass er seinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Meinen am besten noch gleich mit.  Es ist nicht einmal so, dass man mir Herzenskälte unterstellen könnte, weil mein System inzwischen schon von ganz selbst so funktioniert. Es ist ein wenig wie bei einem Anwalt. Anwälte sind nämlich in der Regel dank eines kleinen Tricks im menschlichen Hirn von allem überzeugt, was sie in ihrem Plädoyer vortragen. Sei es auch noch so sehr an den Haaren herbeigezogen. Meine Moral folgt meinem Handeln, nicht umgekehrt. Wir könnten anders gar nicht leben. Wir müssen unsere Moral flexibel halten, damit wir nicht zerbrechen an den Selbstvorwürfen. Aber nein. Ich versuche gerade mein Scheitern intellektuell zu verklausulieren. Ich rechtfertige mein Fehlverhalten, aber das war gar nicht meine Absicht.

Nein. Ich bin tatsächlich einfach schlecht. Unter anderem …
Ich kenne die Armut und will in ihr nicht leben. Das bedeutet nicht, dass ich jemals dazu bereit wäre, mein Leben mit einem reichen Mann zu teilen, den ich nicht riechen kann. Das ich hierbei allerdings aus Erfahrung spreche, muss ebenfalls gestanden werden.
Inzwischen bin ich klüger. Ich muss in einen Mann verliebt sein, um mit ihm mein Leben und sein Geld zu teilen.
Aber unter anderen Umständen verliebe ich mich praktischerweise auch gar nicht mehr.

Als ich meiner Freundin dass alles sagte, war sie schockiert. Ich denke nicht, dass meine Worte sie überzeugt haben. Und ich kann mir kaum vorstellen, dass das irgendjemanden überzeugt. Aber ich will nicht in die Falle tappen, in diesem Blog mit Kritik und Zuständigkeiten um mich zu schmeißen, ohne wenigstens einmal mein eigenes Fehlverhalten zu beleuchten.
Nein, dieser Blog wird nicht geschrieben von einer feministischen, rümnörgelnden Querulantin.

Diesen Blog schreibt ein Mensch .

Musik, bitte:
Nichts Von Dir

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Author: Sarah Wiedenhöft

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