Hindernis mit Trennungen

Heute schreibt uns R.G. Die Trennung vom Vater ihrer Kinder ist noch nicht allzu lange her und R. plädiert für eine rationale Beziehung zwischen getrennten Eltern und macht Mut. Warum mutterseelenalleinerziehen am Ende besser ist als es mit einer Person zu tun, zu der man die Liebe verloren hat:

lieber allein als ständig Gewitter

lieber allein als ständig Gewitter

Eine Trennung von Eltern wird in der Regel anders bewertet als eine von kinderlosen Paaren. Und das sowohl von den unmittelbar Beteiligten als auch vom Umfeld. Da hört man gerne mal Sätze wie “Die armen Kinder, die sind immer die Leidtragenden.” oder “Das kann man doch den Kindern nicht antun.” Natürlich möchte man nur das Beste für sie und auf keinen Fall, dass sie leiden. Auf der anderen Seite wird schnell klar, eine Beziehung, in der es überwiegend Streit gibt oder in der die Eltern gar nicht mehr miteinander reden, um Streit aus dem Weg zu gehen, kann für die Kinder auch nicht gesund sein. Und wer sagt heutzutage schon gerne von sich “Wir sind nur noch wegen der Kinder zusammen.” Ich habe vor kurzem von einem Modell gelesen, bei dem die Eltern zusammen geblieben sind, auch wenn die Liebe abhanden gekommen ist – wie eine Art WG für Eltern. Man bleibt zusammen, um dem Kind eine räumliche Trennung zu ersparen (und vielleicht weil es so schön bequem ist). Aber jeder geht seiner Wege. Das kann durchaus funktionieren, aber für mich persönlich wäre das ein fauler Kompromiss und eine halbherzige Lösung.

Auch wir haben es uns nicht leicht gemacht. Und da geht es uns nicht anders als kinderlosen Paaren, die schon eine halbe Ewigkeit zusammen sind. Man hat ein bisschen Angst vor dem Unbekannten, das vor einem liegt. Man weiß, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Dann probiert man eventuell noch eine Paartherapie und danach ist es vielleicht noch viel klarer, dass man einfach nicht mehr zusammenleben kann, dass die Liebe ausgezogen ist und nicht mehr wiederkommt. Als Eltern verabschiedet man sich zusätzlich von dem Ideal einer Familie – Mutter, Vater, Kind(er).

Nach ein paar Monaten stelle ich nun aber fest, dass das Leben als alleinerziehender Single keineswegs zu Ende ist und dass ich “allein” sehr glücklich bin. Meine Angst, dass ich es nicht schaffen könnte, war völlig unbegründet. Man wächst eben mit seinen Aufgaben. Genauso unbegründet ist die Angst, den Kindern einen Schaden zuzufügen. Sie kommen damit gut zurecht, haben ihren Vater auch mal für sich allein. Sie können ihn jederzeit anrufen und regelmäßig besuchen. Sie erleben statt streitenden und gefrusteten Eltern, solche, die halbwegs ausgeglichen sind und zwei unterschiedliche Erziehungsstile haben. Im Idealfall kann das für sie eine Bereicherung sein. Das wird sich zeigen. Aber vor allem habe ich die mitleidigen Blicke satt, die mir sagen wollen, wie schlecht wir es haben. Natürlich ist es manchmal auch anstrengend, aber es gibt mindestens genauso viele Momente, in denen wir drei eine harmonische Einheit sind, uns kaputt lachen, toben oder einfach nur kuscheln.

Als Eltern muss man sich auf jeden Fall die Entscheidung, ob man sich trennt, nicht unnötig schwer machen. Viel mehr Sinn macht es aus meiner Sicht an dieser Stelle egoistisch zu sein. Will ich mit diesem Partner mein weiteres Leben verbringen oder nicht. Und dann und wirklich erst dann kann man sich Gedanken darüber machen, wie man es für die Kinder am besten gestaltet.

Idealerweise trennt man dafür auch die Paarebene von der Elternebene. Das gelingt sicher manchmal besser und manchmal schlechter. Aber die Zeit heilt bekanntlich alle Wunden und solange man einige einschlägige Regeln beachtet (Den Anderen nicht vor den Kindern schlecht machen und den Blick nach vorn richten, die Kinder als Kinder ansehen und nicht als Partnerersatz mit dem man Probleme bespricht, Termine einhalten, klare Absprachen treffen, Rituale so gut es geht beibehalten, gelassen den Erziehungsstil des anderen respektieren usw.) kann die Trennung auch ohne große Einschränkungen für die Kinder stattfinden. Getreu nach dem Motto: Wenn schon die Beziehung nicht erfolgreich war, sollte es wenigstens die Trennung sein.

Ich habe kein Allheilmittel gefunden und meine Kinder sind noch klein, sie werden mit der Trennungssituation aufwachsen. Ich kenne genug Familien, in denen es ohne die Einschaltung Dritter nicht funktioniert. In der die Eltern ohne ihre Anwälte nicht mehr miteinander kommunizieren können. Aber es gibt “zum Wohl des Kindes” genug Wege, dass es nicht soweit kommt. Das liegt allein in der Verantwortung der Eltern.

In Zeiten, in denen Alleinerziehende schon längst die größte Minderheit darstellen, sollte man selbst und das Umfeld mit uralten Vorurteilen aufräumen und dieses Familienmodell als vollwertig empfinden und sich nicht scheuen, den Kindern “so etwas” anzutun.

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Author: Sarah Wiedenhöft

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