Hier spricht Herr Polizei!

Am Samstag erhielt ich ZWEI (!) Vorladungen von der Polizei und am SONNTAG (!) einen Anruf vom selben Verein. In meinem Blog ist das somit der vierte Beitrag den ich mit Polizei taggen werde. So langsam könnte man mich wirklich für schwerstkriminell halten. Also, was war jetzt schon wieder?  Triggerwarnung: Sexismus/Rassimus

123polizei

“Der Herr Polizei am Apperat. Bitte, mit wem spreche ich???”

Ihr erinnert Euch noch daran, dass ich ein Plakat abriss und damit den Verdacht auf mich zog, einen Säugling ermordet zu haben? Inzwischen habe ich deswegen Post erhalten. Zwei Vorladungen. In der einen geht es um “Verletzung amtlicher Bekanntmachungen durch Entfernen von Zeugenaufrufen der Berliner Polizei”, in der anderen bin ich als Zeugin (wohl eher Verdächtige) geladen, um über den Säuglingsmord auszusagen. Ich werde weder zu dem einen noch zu dem anderen Termin erscheinen, denn das muss ich gar nicht. Folgen muss man nur staatsanwaltschaftlichen Vorladungen, nicht aber solchen der Polizei. Und darum werde ich von meinem Recht Gebrauch machen, keine Aussage zu tätigen. Ganz einfach.

Am Sonntag schließlich meldete ich davon vollkommen unabhängig bei der Polizei in Baden-Würtemberg eine Internetseite. Die betroffene Seite hetzt gegen Frauen und Ausländer. Der Autor schreibt gerne pornografische Artikel ohne Inhaltswarnungen, in denen Frauen nach ihren Ethnien in die jeweiligen “Sexfertigikeiten” eingeteilt werden. Schwarze Frauen, erfährt man zum Beispiel dort, können keinen Oralverkehr. Ich recherchierte nach der zuständigen Wache (wie gesagt in Baden-Würtemberg) und meldete dort über das Kontaktformular die illegale Internetseite. Am Nachmittag dann erhielt ich einen Anruf einer Berliner Telefonnummer. Ich meldete mich vorsichtig mit: “Hallo?”

“Spreche ich mit Meike Büttner?”, fragte mich ein Mann.

“So ist es.”, bestätigte ich.

“Guten Tag, Polizei. Es geht um die Internetseite, die sie heute gemeldet haben.”

“Guten Tag, Herr Polizei. Haben Sie auch einen Namen?”

“Ich heiße P******.”

“Guten Tag, Herr P******. Worum geht es?”

“Ja. Ich würde ihnen gerne eine Kollegin vorbeischicken, der sie den Vorfall genauer schildern können. Sind Sie zu Hause?”

“Nein. Ich bin unterwegs, aber ich verstehe auch gar nicht, was Sie vorhaben. Es geht bei meiner Meldung nicht um einen konkreten Tatvorgang, sondern um eine Internetseite. Was soll ich Ihnen dazu erzählen?”

“Nja, über die Inhalte der Seite, et cetera.”

“Ähm, aber ich habe Ihnen doch den link geschickt. Sie können sich die Seite doch einfach ansehen.”

“Dazu habe ich aber keine Lust.”

Da war ich fassungslos. Was soll man dazu auch sagen. Den Verdacht, dass dies alles mit dem toten Säugling zusammenhängen konnte, hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht. Zunächst war ich einfach nur fassungslos über diesen Herrn P******.

“Da fällt mir jetzt nichts zu ein. Ich habe Ihnen einen link geschickt und den können Sie sich jetzt einfach ansehen, um festzustellen, wovon diese Seite handelt. Soll ich jetzt Ihren Job machen oder wie?”

“Es gehört zu ihrer Pflicht als Bürger, dass Sie helfen derlei Vorfälle aufzuklären.”

“Ja, aber eben diese Pflicht habe ich ja erfüllt, indem ich Ihnen diese Seite gemeldet habe. Sie müssen Sie einfach nur ansehen für Ihre Ermitllungen. Ich weiß nicht, inwiefern ein Gespräch zwischen mir und Ihrer Kollegin dazu beitragen kann, diese Seite zu sperren.”

Am Ende unterbrachen wir uns gegenseitig und ich beendete das Gespräch. Heute fällt mir auf, dass es die Berliner Polizei war, die mich angerufen hat. Obwohl ich eine Seite in Baden-Würtemberg gemeldet hat. Und mir fällt auf, dass er eine Kollegin schicken wollte. In der Logik der Polizei könnte ich mit einer Frau natürlich viel besser über tote Säuglinge und meine Gefühle dazu sprechen. Die Polizei will unbedingt mit mir reden, weil ich ein Plakat abgerissen habe. Ich frage mich, ob sie vielleicht zu oft die 3 ??? gehört haben. Die Ermittlungsarbeit der Polizei scheint mir jedenfalls recht abenteuerlich zu sein.

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Author: Sarah Wiedenhöft

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1 Comment

  1. Falls wir tatsächlich im Jahre 2013 in der BRD leben sollten, dann verspüre ich das finstere Gefühl, dass etwas mit der Rechtstaatlichkeit in der BRD nicht stimmt.

    Bei solchen Vorkommnissen wird einem Übel.

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  1. … und dann habe ich mich bei der Polizei beschwert. | Mutterseelenalleinerziehend - [...] Ich habe der Polizei dann jetzt ei…

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