Hass und Unverständnis

Strand

Seitdem mein Sohn auf der Welt ist, hat meine Hautfarbe für mich eine ganz andere Bedeutung bekommen. Oder besser: Auf einmal hat sie überhaupt eine Form von Bedeutung für mich. Ich denke plötzlich darüber nach, dass ich eben nicht gefragt werde, woher ich komme und aus welchem Grund ich hier bin. Aufgrund meiner Hautfarbe werden mir nicht bestimmte Eigenschaften zugeschrieben.

In der letzten Woche habe ich dem Kölner Stadtanzeiger ein Interview gegeben, in dem es um dieses Umdenken geht und um Vorurteile, mit denen mein Sohn konfrontiert ist. Und auch um den Hass, der uns glücklicher Weise noch selten entgegen schlägt.

Wenn ich die Bilder aus Clausnitz sehe, oder den Hass und die Diskussionen, die das Cover des Magazins “Eltern” mit einer Kopftuch tragenden Mutter auslöste, mache ich mir Sorgen um meinen Sohn und seine Zukunft. Werden wir ab jetzt häufiger Polizeischutz brauchen, so wie im März in Berlin?

Natürlich bin ich auch wütend, aber besonders schlimm ist das Unverständnis. So sehr ich auch versuche, nachzuvollziehen, wieso Menschen so denken und handeln, es funktioniert einfach nicht. Woher kommt er, dieser Hass, der sich gegen bestimmte Gruppen- Muslime, Alleinerziehende, Schwarze, LGBT/Q – richtet? Ich kann es mir nicht logisch erklären.

Ein wenig geholfen, zu verstehen, hat mir dieses Interview, das Carolin Emcke auf der re:publica gegeben hat.

Was hilft Euch, den Hass zu verstehen? Welche Strategien habt ihr, mit ihm umzugehen? Für jeden Link, jeden Text, jedes Video und jeden Kommentar bin ich dankbar.

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Author: Sarah Wiedenhöft

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4 Comments

  1. Mir haben bezüglich des Themas bisher folgende Ansätze sehr geholfen, Rassist*innen und ihr Denken etwas nachzuvollziehen (verstehen werde ich es nie…):

    https://www.bpb.de/mediathek/198266/die-arier
    Der Film ist wirklich sehr gut gemacht. Mo Asumang schafft es mit ihrer einfühlsamen Art, auch die Widersprüche, die fremdenfeindliche Menschen ebenfalls in sich tragen, aufzudecken und man lernt einfach viel darüber, wie dieses Rassedenken funktioniert.

    http://www.bpb.de/apuz/130404/von-der-ungleichwertigkeit-zur-ungleichheit-gruppenbezogene-menschenfeindlichkeit?p=all
    Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit hab ich mal in einem Seminar kennengelernt. Da geht es eher darum, dass manche Menschen tatsächlich das Gefühl haben, sie würden mit einer anderen Gruppe um unterschiedliche Ressourcen konkurrieren. Sie fühlen sich also bedroht. Wenn man das psychologisch etwas tiefergehend analysiert, merkt man schnell, dass sie sich einfach generell bedroht fühlen, ganz viel Angst vor Unbekanntem und Fremdem in sich und um sie herum haben und das auf andere projizieren.

    http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/was-ist-gruppenbezogene-menschenfeindichkeit-10195
    Da steht auch noch ein bisschen was drüber und es taucht auch der Begriff der Heterophobie auf, den ich auch hilfreich finde.

    Und dann hat es mir generell geholfen, zu lernen, wie gut manche Menschen einfach darin sind, Anteile von sich zu verdrängen, abzuspalten und anderen unterzujubeln.
    Dann kann man immer sagen: ” Du machst mich aggressiv!”, “Aber er hat mich doch provoziert?!”, “Wenn die immer so dumm guckt, muss sie sich auch nicht wundern, wenn sie keiner mag” etc. .
    Dann tragen immer die anderen die Verantwortung, nur man selbst überhaupt nicht und man muss sich auch nicht an die Arbeit machen, sich selbst mal wieder zusammen zu kitten, weil sich ja eh immer jemand findet, der Schuld hat.
    Je starrer und unflexibler das eigene Weltbild und je gefestigter der Glaube daran, auf der richtigen Seite zu stehen, desto weniger müssen sich Einzelne mit ihrem eigenen Leben auseinander setzen. Das schafft eine bequeme, wenn auch sehr trügerische Sicherheit….

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  2. Hallo! Ich möchte dir nur folgendes mitteilen: ich habe auf Facebook dein Interview gelesen – da geht es um dich und deinen Sohn. Dazu folgendes : ich weiß, wie schlimm diese Feindlichkeit ist. Gg anderer Hautfarbe /Religion usw. Wir müssen weiterhin unsere Liebe “predigen” und zeigen!

    Nimm es Bitte nicht zu ernst,wenn Menschen die Haare deines Buben süß finden. Da bin ich selber so kindisch. Meine Tochter hat einen Bekannten / gehörte fast schon zu unserer Familie. Er stammt aus dem arabischen Raum. Und er war wie ein Sohn für mich. Manchmal habe ich ihm auch durch seine ganz kurzen schwarzen Haare durchgewuselt und ihn liebevoll “mein Schäfchen” genannt. Meine Haare sind blond und mehr als gerade. Seine Haare gefallen mir einfach so gut! <3 Sei wachsam, aber sieh nicht gleich überall das Böse! Alles Liebe für DICH UND DEINEN SOHN!!!!

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  3. Ich habe gerade das Interview mit dem KSTA gelesen. Meiner Meinung nach zeugen eine Vielzahl der beschriebenen Kommentare und Reaktionen von Naivität – ich würde sie aber nicht als rassistisch bezeichnen. Ich freue mich, wenn ich auf die Hautfarbe meines Sohnes angesprochen werde und die Menschen damit ihr Interesse zeigen. Ich befürchte Sarah Wiedenhöfts Haltung und dieses Interview führen zu einer Verunsicherung und damit Verkrampfung…Schade!!

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    • Liebe Vanessa,

      Ja, ich denke auch, dass viele Kommentare in die Kategorie “nicht böse gemeint” fallen – nur sind sie deshalb nicht weniger schlimm oder verletzend. Vielmehr zeigt das Verhalten der Menschen die rassistische Sozialisation in der Gesellschaft und dagegen muss etwas unternommen werden. Viele merken einfach nicht – genau, wie ich eben auch früher – dass das was sie sagen und tun, rassistisch ist.

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