“Entlastung ist ein Angebot, keine Verpflichtung”

Silvia Malyevacz-Winderlich engagiert sich ehrenamtlich für Einelternfamilien in Augsburg. Das Projekt füreinanderda bildet Mentor*innen aus, die Alleinerziehende im Alltag unterstützen. Wie genau das Projekt funktioniert und wie ihr Euch anmelden könnt erfahrt ihr hier.

Fütterung der Seehunde

Frau Malyevacz-Winderlich, wie entstand die Idee für Ihr Engagement?

Die Idee stammt vom runden Tisch des Sozialdienstes Ost, Frau Regenold und dem Leiter von Prisma e.V. – unser Träger – , Herrn Ulrich Lingg. Die Idee ruhte von 2009 bis 2011. „Nicht wir suchen die Aufgabe, die Aufgabe sucht uns.“ (Dag Hammarskjöld). So hat mich die Aufgabe 2011 gefunden, seitdem brenne ich, dafür, denen eine Stimme zu geben, die – wie die Alleinerziehenden am Rand der Gesellschaft stehen.

An wen richtet sich das Projekt genau?

Es richtet sich an alle Alleinerziehenden vorerst noch in Augsburg und Umgebung, aber wir haben inzwischen Anfragen aus dem Bundesgebiet.

Welche Kriterien müssen Menschen erfüllen, denen Sie helfen?

1. Sie müssen Alleinerziehend sein, eine Mutter kann auch alleinerziehend sein, wenn der Ehemann im Ausland, oder auf Montage ist, wichtig ist nicht der Familienstand, sondern das eine Ein-Eltern-Situation gegeben ist. Denken Sie an Flüchtlingsfamilien, von denen ein Elternteil mit den Kindern hier Hilfe findet und der Partner / die Partnerin ist noch im Herkunftsland. Beim Erstkontakt klärt sich schnell, ob die Allein- erziehenden ehrenamtliche Unterstützung brauchen, oder ob sie sich aufgrund ihrer finanziellen Situation eine Tagesmutter/ Babysitterin für die Kinder leisten können.

2. Sie werden informiert, dass, mit der Ehrenamtlichen, neue Ideen, Ansichten und Einflüsse in die Familiensituation kommen und sie auch verändern können. Sowohl die Mentorin als auch die Alleinerziehende haben die Möglichkeit, jederzeit abzubrechen, wenn die „Chemie“ nicht stimmt. Entlastung innerhalb der Familie ist ein Angebot, keine Verpflichtung.

Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen Ehrenamtlichen Helfern und Alleinerziehenden bei Ihnen aus?

Unsere lebenserfahrenen Frauen, die meist selber Mütter sind, oder in Berufen, die mit Kindern zu tun haben tätig waren oder sind, erfahren beim Erstkontakt mit uns, dass wir keine Babysitter Dienste anbieten. Die Mentorinnen investieren einmal wöchentlich ca. drei Stunden, zunächst um das Kind/ die Kinder kennenzulernen denn nur mit dieser Vertrauensbasis zu den Kindern können sie dann auch wirklich entlasten, das heißt, der Mutter Zeit zu geben, neue Energien zu tanken, die Seele auch mal baumeln zu lassen, einfach mal drei Stunden Freiraum nur für sich zu haben. Oft haben die Alleinerziehenden keinerlei soziales Netz vor Ort. Deshalb bieten wir monatlich Aktionen für sie, ihre Kinder und für unsere ehrenamtlich Tätigen an, damit sich die Mütter untereinander vernetzen und so auch autark werden können. Unsere Aktionen 2015 finden Sie unter www.fuereinanderda.de Eine „typische Zusammenarbeit“ gibt es nicht, da jede/ jeder Alleinerziehende eine andere Unterstützung braucht. Meist sind die Ehrenamtlichen in der Familie zu Gast, manchmal kommen größere Kinder zur Ehrenamtlichen nach Hause, wenn sie schon älter sind und auch ohne Geschwister eigene Zuwendung brauchen. (z.B. Sandwich-Kinder – die Mittleren in der Geschwisterreihe). Die Aktivitäten richten sich nach den Stärken unserer engagierten ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen, die regelmäßig zur Supervision eingeladen werden. Erstattet bekommen sie die Fahrtkosten, sonst sind die Einsätze – im Gegensatz zu manchen anderen ehrenamtlichen Jobs – wirklich unentgeltlich.

Warum ist diese Arbeit für Sie persönlich so wichtig?

Seit mich die Aufgabe „gefunden“ hat um mit Dag Hammarskjöld zu sprechen, lässt sie mich nicht mehr los. Von Beginn an haben mich die Einzelschicksale berührt. In meiner Arbeit erlebe ich Hoffnungslosigkeit der Situation gegenüber, aber auch Mut zur Eigeninitiative um dieser Ohnmacht entgegen zu wirken. Ich erlebe sowohl politische Desinteressiertheit als auch Engagement, und Menschen, denen diese Randgruppe der Gesellschaft nicht egal ist, die sich für sie einsetzen, sei es durch Engagement oder durch die Förderung unserer Aktionen. Von Beginn an habe ich Hilfe erbeten und auch bekommen erstgenannt sei da unser Träger Prisma e.V. der mit 10.000€ Vorleistung den Start erst ermöglichte, ohne die Förderung durch startsocial e.V., die Hilfe für Helfer, die vielfältigen Angebote für Stipendiaten und Alumni, der Mitarbeit der örtlichen Medien, der Coaches von startsocial, die alle das wirtschaft-liche Knowhow mitbringen, das mir völlig fehlte, von Begriffen wie Akquise angefangen über Fundraising zu Meilensteinen und erfolgreicher Pressearbeit. Da ich kreativ und sehr wissbegierig bin, besuche ich Fortbildungen z.B.: den Expertencheck der Castringius Stiftung, Vorträge des startsocial Cafés in München, um zu lernen, wie ich Gelder für unser füreinanderda akquirieren kann, den Spendenbutton auf unsere Internet Seite bekomme, wie die Website zu pflegen ist. Aber: ohne unsere Förderer, denen wir anbieten, ihr Logo auf unserer Flyer und ins Netz zu setzen, könnten wir nicht existieren. Mein Leben hat sich durch die Arbeit mit füreinanderda positiv gestaltet, mir macht es Spaß, neue Wege zu erproben und ich empfinde meinen zusätzlichen ehrenamtlichen Einsatz als Bereicherung und zusätzliche Lebensfreude.

Bundespreisverleihung 2013

Was würden Sie gerne erreichen mit Ihrer Arbeit?

Eine lokale Vergrößerung; wir freuen uns darauf, unsere Arbeit unter dem Motto: „Hilfst du einer alleinerziehenden Mutter, so unterstützt du eine Familie. Hilfst du einer Familie, so unterstützt du das ganze Land.“(Beatrix Fernández Kolumbien) auch bundesweit bekannt zu machen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Für die Zukunft wünsche ich mir für füreinanderda: dass sich viele Frauen für uns ehrenamtlich engagieren; viele Mütter und Kinder, die uns finden und sich uns anvertrauen; viele Firmen, die sich angesprochen fühlen, etwa von ihrem Erfolg weiterzugeben, an die, die am Rand der Gesellschaft stehen und das Fließen auch der Gelder, die es braucht um die Arbeit für füreinanderda zu finanzieren.

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Silvia Malyevacz-Winderlich

Silvia Malyevacz-Winderlich
Leitung füreinanderda
lebenserfahrene Mentorinnen
unterstützen ehrenamtlich Alleinerziehende
Tel. 0821 7293915 Mobil: 0157 89697386
Fax:0821 72989058
ein Projekt von Prisma e.V. Augsburg
info@fuereinanderda.de
www.fuereinanderda.de

Bildquelle: füreinanderda

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Author: Sarah Wiedenhöft

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