“Durch den Dialog ergeben sich neue Themen” Daniela Jansen im Interview

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Daniela Jansen ist Mitglied des Landtag NRW, Vorsitzende des Ausschusses für Frauen, Emanzipation und Gleichstellung und Mitglied im Ausschuss für Arbeit, Gesundheit und Soziales.Wie die SPD Einelternfamilien ihrer Meinung nach unterstützen möchte, erzählt sie mir im Interview.

 Einelternfamilien sind in allen Bereichen des täglichen Lebens politisch und gesellschaftlich völlig gleichberechtigt. Wie bewerten Sie diese Aussage, wenn Sie die aktuelle Situation von Alleinerziehenden betrachten? 

Dieser Aussage widerspreche ich entschieden! Nimmt man die Beteiligung am Arbeitsmarkt und die Abhängigkeit von sozialen Unterstützersystemen als Indikatoren für eine Gleichberechtigung im gesellschaftlichen Leben, so sind Alleinerziehende benachteiligt.

 Was müsste sich Ihrer Meinung nach ändern, um mehr Gleichberechtigung zu erreichen?

Sowohl die Flexibilisierung der Kinderbetreuungszeiten als auch den Ausbau von Familienfreundlichen Arbeitszeiten im Rahmen einer Arbeitszeitflexibilisierung finde ich wichtig. Ich befürworte sehr die von Manuela Schwesig angestrebte Anhebung des Steuerfreibetrages für Alleinerziehende. Auch der Unterhaltsvorschuss sollte in Länge und Umfang angepasst werden. Zudem ist ein gesellschaftliches Klima für mehr Akzeptanz für Alleinerziehende essentiell.

Medial werden Einelternfamilien meist als homogene Masse dargestellt. Alleinerziehend und asozial werden gern in einem Atemzug genannt. Die Kampagne der SPD setzt Alleinerziehende hingegen mit Wonder Woman gleich. Sehen Sie sie als Helden des Alltags? 

Ja! Ich bin eine berufstätige Mutter von zwei Kindern und trotz Partner kenne ich die Schwierigkeiten der Bewältigung des Alltags. Ich habe vollen Respekt vor Alleinerziehenden und wie diese ihren Alltag managen.

Zudem haben diverse Studien aufgezeigt, dass Alleinerziehende nicht homogen, sondern in Hinblick auf den Bildungsabschluss und der Höhe des Einkommens eine sehr heterogene Gruppe sind.

Glauben Sie, dass die “Superkräfte” von Alleinerziehenden nutzbar sind, beispielsweise für den Arbeitsmarkt? Sind Alleinerziehende Ihrer Meinung nach leistungsfähiger als andere Menschen?

Nutzbar sind die Kräfte der Alleinerziehenden für den Arbeitsmarkt, besonders deren Leistungsfähigkeit zu Organisieren und des Zeitmanagements. Aber Vorsicht, auf keinen Fall sollte dies eine Überforderung oder Mehrbelastung der Alleinerziehenden zur Folge haben.

Die SPD gibt Einelternfamilien die Möglichkeit, ihre Sorgen und Nöte online mitzuteilen. Wer wertet diese Statements aus und unter welchen Kriterien geschieht das?

Die Fragen und Erlebnisberichte werden vom SPD-Parteivorstand aufgenommen und gelesen. Die Referentin für Familienpolitik wertet die Fragen genau aus. Auch die Generalsekretärin der SPD, Yasmin Fahimi, schaut immer wieder in die Geschichten und Erlebnisse und hat mit einigen Absenderinnen und Absendern bereits Kontakt aufgenommen.


Wie werden diese Informationen genutzt?

Die SPD möchte mit diesen Frauen und Männern in Kontakt kommen und mehr über ihre Lebenssituation erfahren. Alleinerziehende organisieren oft ein Leben im Spannungsfeld vieler Anforderungen. Die SPD möchte Politik machen, die Hürden aus ihrem Weg räumt. Dazu muss Aufmerksamkeit für diese Hürden geschaffen werden. Gleichzeitig möchte der SPD Parteivorstand mit der Dialogplattform und den Erlebnisberichten genau erfahren, was und wo diese Hürden sind.

Kurz Zusammengefasst: Kindergeld,  Kinderfreibetrag, Steuerklasse, Unterhaltsvorschuss, Kinderbetreuung. Welche Änderungen sind konkret in diesen Bereichen geplant, um das Leben von Einelternfamilien zu erleichtern?

Eine Anhebung des Grundfreibetrags, des Kinderfreibetrags, des Kindergeldes und des Kinderzuschlags sind geplant. Auch für die Anhebung des Kinderfreibetrags für Alleinerziehende setzt sich die SPD weiterhin ein. Die Bundesregierung unterstützt auch weiterhin die Länder und Kommunen finanziell im Ausbau der Kindertagesstätten und in der Flexibilisierung der Betreuungszeiten.

Ich hoffe sehr, dass durch den Dialog mit Alleinziehenden, welche die SPD angestoßen hat, sich neue Themenfelder ergeben, die man auf Bundes- und Landeseben angehen kann.

Wie schätzen Sie die Situation von Einelternfamilien in fünf Jahren ein?

In 5 Jahren hoffe ich, dass die konkreten Forderungen der SPD entweder umgesetzt oder Eingang in einen neuen Koalitionsvertrag gefunden haben. Dies betrifft sowohl die Integration und Gleichberechtigung auf dem Arbeitsmarkt, als auch die gesellschaftliche Akzeptanz von Alleinerziehenden und deren Leistungen und Bedürfnissen.

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Author: Sarah Wiedenhöft

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