Die immobile Schule

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Schule sollte eigentlich ein Palast sein, in dem sich Kinder frei nach ihren Fähigkeiten entfalten können.

Gestern waren wir beim Elternabend und ich wäre fast erstickt. Wir saßen vielleicht zwanzig Minuten in diesem Raum, bis ich einen schrecklichen Hustenreiz bekam, der mich in einen minutenlangen Hustenanfall stürzte. Ich bekam keine Luft und entschuldigte mich, um hinauszugehen und auf der Toilette etwas Wasser zu trinken. Als ich zurückkam, bot mir eine Mutter ein Hustenbonbon an und so schaffte ich es dann einigermaßen hustenfrei bis zum Ende des Abends. Aber eines geht mir seither überhaupt nicht mehr aus dem Kopf.

Ich erinnere mich, dass die Beschwerden meiner Mutter über unsere damalige Grundschule sich häufig um die schlechte Luft im Gebäude drehten und ich erinnere mich gut an Szenen wie diese: Einer meiner LehrerInnen kommt in den Klassenraum und schließt das Fenster, das wir Kinder in der Pause geöffnet haben. Ein Streit entbrennt, und der Lehrkörper beendet das Gespräch mit den Worten: “Die Heizung ist an, die wird zentral gesteuert und wir heizen nicht aus den Fenstern!”

Das ist 20 Jahre her. Inzwischen sind in den meisten deutschen Schulen die Fenster mit Schlössern versehen, so dass nur die Lehrer sie öffnen können. Heute habe ich das Gefühl, dass sich an der stickigen Luft in keiner deutschen Grundschule irgendetwas verändert hat. Seltsamerweise kennen andere Eltern anderer Schulen auch dieses Phänomen. Ebenso weiß jeder – wirklich jeder Mensch – wovon die Rede ist, wenn das Wort “Schultoilette” einmal irgendwo fällt. Das seltsame Heizverhalten fällt einem ohnehin in nahezu jedem öffentlichen Raum auf. Es scheint, als würden alle öffentlichen Gebäude zentral geheizt durch einen Knopf, den jemand im Rathaus drückt. Einfach nur ein Knopf. Man kann die Heizung in der gesamten Stadt entweder AN oder AUS machen. Regulierung scheint bei dieser öffentlichen Heizmethode wohl einfach gar nicht möglich zu sein. Ein deutscher Klassenraum ist demnach seit mindestens 20 Jahren dauerüberheizt. Was ich hier heute zu sagen habe, gilt im Grunde für den gesamten öffentlichen Raum und es stößt mir immer wieder auf, aber hier soll es um die Schule gehen.

Ich wage zu behaupten, dass ein vernünftiges Heizen einer einzigen Schule in einem Jahr sicherlich mehrere Hundert Euro einsparen würde. Würde man alle Schule vernünftig heizen, ergäbe das jährliche Einsparungen mehrere Tausend Euro und auf die letzten zwanzig Jahre zurückgerechnet, käme so sicher eine Menge Geld heraus, um damit Arbeitsmaterialien, mehr Sozialpädagogen, etc. zu finanzieren. Ganz abgesehen davon, dass es nicht länger so ein hervorragender Nistplatz für Keine wäre und die Kinder freier atmen und denken könnten.

Im oben verlinkten Artikel findet sich die Aussage vieler Kinder, die sagen, dass sie ihre Schultoiletten so eklig finden, dass sie extra den ganzen Tag nicht trinken, um nicht hingehen zu müssen. Auch das war früher schon so und ich finde erstaunlich wie wenig sich an diesen Dingen geändert hat. Während der Fortschritt überall normal ist und sich alles wandelt – unsere Ubahnstationen, die Innenstädte, die Bürgerbüros – sehen die Schulen noch immer aus wie vor zig Jahren. Und da sitzen dann unsere Kinder in ihren stickigen Klassenräumen und trauen sich nicht zu trinken, um ja nicht zur Toilette gehen zu müssen. Und bis heute habe ich nicht ergründen können, was das für ein Geruch ist, den diese Örtchen umgeben. Ich kenne ihn von keiner anderen Toilette, aber er ist ALLEN Schulklos gemein. Seit mehr als zwanzig Jahren. WIRKLICH, DEUTSCHLAND???

TUNE YARDS  – BIZNESS

 

 

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Author: Sarah Wiedenhöft

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