Die Frauenquote, der Missverstand, das Gott

Die gesetzliche Frauenquote kommt und Frau Schröder kann das nicht mehr verhindern. Was sie tun kann, ist sie schlecht zu reden und ihrem Image Schaden zuzufügen und das tut sie nach besten Kräften. Immer wieder betont sie, dies würde die eine Ungerechtigkeit nur durch eine weitere Ungerechtigkeit ersetzen und dass Frauen es alleine schaffen wollen und nicht “verhätschelt” und blind bevorteilt werden möchten. Kristina Schröder ist der Meinung, dass die Politik nicht einschreiten sollte, sondern den Markt – wie schon zuvor so oft und immer wieder gerne – das alleine regeln zu lassen. Doch der Markt würde das selbstverständlich nicht ändern und sich selbst regulieren, sondern weiterhin nach den Prinzipien des Wachstums so weiter machen wie bisher. An einer Frauenquote ist nichts ungerecht. Nur, wenn man sie falsch versteht.

Frau Schröder selbst hat bei ihrer Kandidatur von einer Frauenquote profitiert. Heute ist ihr das offenbar sehr unangenehm. Sie nennt es ein Manko und behauptet nun, wir Frauen wollten auf gar keinem Fall einem solchen “Manko” unterliegen. Mich erinnert das daran, dass meine Tochter neulich gesagt hat, wenn sie könnte würde sie für eine Weile irgendein Verbot abschaffen, das zuvor Verbotene selbst schnell machen und das Verbot dann wieder einführen. Auf die Frage, was mit den anderen sei, die dieses Verbot auch gerne mal umgehen würden, kam locker die Antwort: “Denen kann ich ja dann sagen, dass das doof war.” Ähnliches scheint auch Frau Schröder durch den Kopf zu gehen, wenn sie meint, wir anderen Frauen wollten auf keinem Fall dem Manko Frauenquote unterliegen.

dapd

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Der erste Denkfehler: Bei einer gesetzlichen Quote vermag sowieso niemand zu sagen, welche Frau eine Quotenfrau ist. Das Einstellen von Frauen würde selbstverständlicher werden und die Frauen würden auch nie nur deswegen eingestellt werden, weil sie Frauen sind, sondern weil sie qualifizierte Frauen sind. Weiterhin ist es eben nicht so, dass der Markt das selbst regelt und qualifizierte Frauen mit der selben Leistung wie ein Mann auch die selben Ziele erreichen können. Es ist nachgewiesen, dass Männer bevorzugt eingestellt und befördert werden. Es gab dazu 2010 ein bemerkenswertes Experiment.

Christine Lüders, die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat im Dezember 2010 ein Pilotprojekt initiiert, bei denen Unternehmen anonymisierte Bewerbungen von ihren Bewerbern annahmen. Zu den Unternehmen gehörten vier weltweit agierende Konzerne (Deutsche Post DHL, Deutsche Telekom, L’Oréal Deutschland, Procter & Gamble), vier öffentliche Verwaltungen (Bundesfamilienministerium, Bundesagentur für Arbeit Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen und Stadtverwaltung Celle) sowie ein mittelständisches Unternehmen (MYDAYS). Die Bewerbungsunterlagen verrieten weder den Namen, noch das Alter, das Geschlecht oder die Herkunft der Bewerber. Es stellte sich heraus, dass durch dieses Verfahren tatsächlich Chancengleichheit hergestellt werden könnte, von der vor allem Frauen profitierten. Es wurden zum Beispiel viel mehr Frauen mit Kindern eingestellt als es zuvor der Fall war. Nach Abschluss des Projektes zeigten sich allerdings nur vier der neun Unternehmen bereit, weiterhin mit anonymisiertem Bewerbungsverfahren vorzugehen. Von den großen Konzernen war keiner darunter.

An diesem Experiment kann man es eindrücklich erkennen. Frauen werden tatsächlich seltener eingestellt, einfach nur weil sie Frauen sind und Mütter sind oder werden können. Oder vielleicht einfach nur, weil es schon immer so ist und die Macht der Gewohnheit den Chef eher dazu verleitet, es weiterhin so zu tun wie es auch ihm widerfahren ist, weil er sich mit seinem Nachfolger dann besser identifizieren kann oderoderoder. Es ist jedenfalls unbestreitbare Tatsache, dass offenbar die bessere Leistung – die im anonymsierten Verfahren eine Einstellung garantiert – nicht zu einer Anstellung reicht, wenn man eben zufälligerweise eine Frau ist. Und dieses Experiment zeigt auch, dass die Unternehmen freiwillig – also nach Abschluss des Experiments – ganz und gar nicht bereit sind, diese Verfahren das Angestellte tatsächlich nur nach ihrer Qualifikation bewertet, weiterhin durchzuführen. Der Markt regelt das also nicht allein. Es besteht weiterhin das Interesse seitens des Markts, eine gewisse Kontrolle darüber zu behalten, wessen hohe Qualifikation für sein Unternehmen arbeiten soll.

Die geforderte Quote soll dreißig bis vierzig Prozent betragen und dient damit auch eigentlich nur dem Versuch, mit diesem ersten Schritt die Höhe der Ungleichheit zu überwinden. Wir alle wünschen uns, dass eine solche Quote irgendwann mal nicht mehr nötig ist. Aber wir brauchen sie, um zu überzeugen, dass das System nicht zusammenstürzt, wenn Frauen die selben Chancen bekommen wie Männer. Anschließend regelt es sich vielleicht tatsächlich von selbst. Im April letzten Jahres hat Kristina Schröder übrigens verkündet, dass es keine Frauenquote geben würde, solange sie Ministerin sei.  Wenn dies eine Prognose war und mit Eintreffen der Quote auch das Amt der Ministerin ihr Ende findet, dann dürfen wir doch endlich alle zufrieden sein.

 

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Author: Sarah Wiedenhöft

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