Deine Haushaltshilfe – eine Schifffahrt von Innen nach Außen Teil II

Als Alleinerzieher hat jeder im Krankheitsfall das Recht auf eine Haushaltshilfe, wenn die Kinder unter 12 – 14 (je nach Krankenkasse) oder pflegebedürftig sind. Voraussetzung dafür ist eine Krankheit, die einem die Haushaltsführung unmöglich macht. Mehr nicht. Man kann zu diesem Zweck einen Freund, eine Freundin, Verwandte oder Bekannten einstellen und dieser wird dann durch die Krankenkasse entlohnt. Je nach Krankenversicherung werden außerdem auch Fahrtkosten und Verdienstausfall der jeweiligen Haushaltshilfen übernommen. Was man dafür tun muss und wie die Schifffahrt von Innen nach Außen für uns weiter verlief, das erfahrt ihr im Folgenden.

Im Wartezimmer also fällt mir auf, wie hässlich Laupenta schon die ganze Zeit mit mir umgeht. Dass sie ständig meckert, sich gegen alles auflehnt und – zum ersten Mal gestehe ich es mir ein – momentan einfach anstrengend ist. Das ist mir tatsächlich gar nicht aufgefallen. Darüber werde ich mit ihr reden müssen.
Erst mal rede ich mit der Ärztin über meine Krankheit. Dass ich liegen muss, sind wir uns einig, dass ich Antibiotika brauche finden wir auch beide und dass ich auf jeden Fall eine Haushaltshilfe benötige. Vom Empfang aus rufe ich bei meiner Krankenversicherung an und bitte darum, den Antrag für eine Haushaltshilfe in die Praxis zu faxen. Die Ärztin bestätigt alles und sendet das Fax zurück, ich rufe eine Freundin an und bitte sie, meine Haushaltshilfe zu spielen. Sie will sich sofort auf den Weg machen und mit mir den zweiten Teil des Antrag ausfüllen.

Ich schippere mit meinem riesigen Dampfer noch immer außen herum. Langsam bewege ich mich auf unser zu Hause zu und spüre schon am Hauseingang wieder die wilden Strömungen an den Außenwänden des Schiffes ziehen. Ich kehre zurück in das Auge des Sturms und finde Laupenta in ihrem aufgeräumten Kinderzimmer. Was ist passiert?

“MAMIIIII!”, sie rast lachend auf mich zu. Voller Liebe in ihrem doch-gar-nicht-so-Monster-Gesicht.

“Ich hab aufgeräumt!”

“Ja. Das sehe ich. Das ist ganz wunderbar!”

“Und ich lerne gerade Mathe.”

“Ach Quatsch! Nein, das ist ja gigamonstromegamäßig! Oberaffengeil, Laupenta! Cool! Ich freue mich.”

Ich lasse das obligatorische Belohnungsprogramm ablaufen, knuddel und herze sie und sage, dass wir jetzt Kuchen essen.

“Aber du musst den Kuchen für uns vom Bäcker holen!”, sage ich und sie will schon wieder motzen.
Doch davon bekomme ich einen Schrecken, der mein Gesicht wieder in die Traurigkeit verzieht und davon wiederum bekommt Laupenta einen Schrecken und dieser Schreck ist ja – wie gesagt – manchmal das einzige Mittel, ein Kind noch zu erreichen und sie besinnt sich also eines Besseren und will für uns jetzt einen Kuchen holen.

Beim Kuchen sage ich ihr, wie sehr es mich verletzt, dass sie in der letzten Zeit immer nur unhöflich ist. Und dass das nicht in Ordnung ist und sie auch gar keinen Grund dazu habe. Ich biete ihr mein Ohr an, um über alles zu motzen, was doof ist. Aber sie soll mich nicht mit der Ursache verwechseln. Laupenta lässt Dampf ab und sieht dabei ständig verstohlen zu mir hinüber. Irgendwann hält sie plötzlich inne und sagt, dass es ihr leid tut. Sie erklärt, dass manchmal eine Wut in ihr drin ist und sie weiß gar nicht, wo die herkommt. Aber die Wut sei dann ganz echt und wichtig und viel größer als sie selbst. Ich nicke und ziehe sie mir auf den Schoß.

monsterwut“Das kenne ich.”, ermutige sie und wir beschreiben uns gegenseitig, wie das Monster aussieht, das manchmal in uns herum tobt.
Anschließend stellen wir uns vor, was wir dann am liebsten machen würden. Die ganze Welt zerstören, alles kaputt hauen, irgendjemandem wehtun, etwas anzünden, einen Berg sprengen … Am Ende lachen wir darüber. Als meine Freundin aufkreuzt habe ich das Gefühl, gar keine Haushaltshilfe mehr nötig zu haben. Meine Krankheit fliegt nicht einfach davon, aber die ganze andere Schwere, die ich vorher nie verorten konnte, beginnt gerade damit, sich in kleine Wolkenfäden zu ziehen. Ich fühle mich ein wenig leichter. Weniger pflegebedürftig.

Aber es ist doch gut zu wissen, dass es so etwas gibt.

Flattr this!

Author: Sarah Wiedenhöft

Share This Post On