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Was ist ein Mann? Brauchen wir demnächst Lehrbücher und Museen, um diese Frage zu klären?

Was ist ein Mann? Brauchen wir demnächst Lehrbücher und Museen, um diese Frage zu klären?

Der Artikel Feminimus muss sein hat für allerlei Empörung gesorgt und wird heiß diskutiert. Einige verantwortungsbewusste Männer fühlen sich auf den Schlips getreten, vielen scheint es offenbar unmöglich, über ihren eigenen Tellerrand hinaus zu sehen und die bekannten Statistiken anzuerkennen. Insgesamt lebten im Jahr 2009 rund 2,4 Millionen Kinder bei Alleinerziehenden, davon knapp 2,2 Millionen bei alleinerziehenden Müttern (Quelle: Mikrozensus 2009). Es hilft nichts, die Augen vor diesem Phänomen zu verschließen. Es wird Zeit für ein neues Erziehermodell.

Laut  aktuellem nationalen Bildungsbericht, den das Bundesbildungsministerium in Auftrag gegeben hat, müssten ca. 50.000 zusätzliche ausgebildete Erzieher bis 2013 aufgestellt werden, um dem KITAförderungsgesetz von Ursula von der Leyen Rechnung zu tragen.
Bislang ist das Berufsbild aber wenig attraktiv, vor allem für Männer. Wie bei den Alleinerziehern finden sich auch hier über 90% Frauen. Und diese haben mit einem Einkommen von höchstens 1.300 € netto zu rechnen in diesem Land. Wo sollen diese 50.000 enorm frustrationstoleranten Auszubildenden herkommen und wie sollen sie bis 2013 fertig ausgebildet sein? Und wäre in Anbetracht der Tatsache, dass in diesem Land so viele Kinder ohne ihren Vater aufwachsen nicht wünschenswert, vor allem männliche Erzieher ins Rennen zu schicken?

Erziehungsexperten klagen darüber, dass heute vielerorts die männlichen Bezugspersonen fehlen, was dazu führt, dass gerade Jungs dazu gezwungen sind, sich ihr Männerbild aus dem Nichts selbst anzufertigen. Dies tun sie dann meist mithilfe von Fernseh- oder sonstigen Männerfiguren. Sie orientieren sich an Cowboys und Superhelden, echte Männer sind in diesem Prozess leider oft Mangelware. Aber ein Mann ist kein Superheld. Ein Mann ist ein Mensch wie eine Frau. Nur hat er eben zu vielen Dingen einen anderen Zugang. Ohne einen Mann, der diesen Zugang vermittelt, wird unsere Gesellschaft entweder verweiblichen oder lauter verblendete Superhelden hervorbringen. Machos und Weicheier. Es fehlt immer mehr an einer männlichen Normalität.

Was ist ein Mann? Und was wird er sein?

Wünschenswert wäre eine Männerquote. Dazu müsste aber zunächst einmal der Beruf Erzieher einen attraktiveren Anstrich bekommen. Erziehung ist ein anspruchsvoller Beruf und darf nicht geringer entlohnt werden als beispielsweise der Beruf des Bauarbeiters. Das Image der Erziehung muss aufgebessert werden. Vielleicht sollte das ganze unternehmerischer angegangen werden. Ein umfassendes Betreuungsprogramm für dieses Land könnte auch Aufstiegschancen bieten. Ein Erzieher könnte zum Beispiel vom einfachen Kindergartenerzieher zum Leiter einer sozialpädagogischen Einrichtung aufsteigen, die dann selbstverständlich auch entsprechend vergütet würde. Wer eigene Projekte und spezielle Bildungsangebote schafft, muss Subventionen erhalten. Es darf nicht sein, dass eine Berufsausbildung mit dem Ziel endet, täglich gelangweilt zwischen einer Horde von Kindern zu versauern. Anreize müssen geschafft werden. Eine Imagekampagne ist vonnöten und eine ganze Menge innovativer Ideen. Liebe Frau von der Leyen, wenn Sie damit fertig sind über die Frauenquote zu debattieren, sollten Sie sich dringend einmal ein paar Gedanken darüber machen, wie wir die Männer in die Frauenberufe bekommen. Andersrum funktioniert das Ganze ja inzwischen schon immer besser.

 

 

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Author: Sarah Wiedenhöft

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