Beobachtungen einer Schwangeren

Gastbeitrag von Sonja Tauber

 

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So hofft man häufig, aber …

Neulich beim Info-Abend im Krankenhaus:
Jede Menge Schwangere, die meisten von ihnen Seit’ an Seit’ mit ihrem Partner, gelegentlich an ihren Bauchbinden und Blüschen zupfend, aber dennoch eine demonstrative Ruhe und Gelassenheit ausstrahlend. Die Babyplauze stolz und selbstbewusst vor sich hertragend. Hier und da nur ein verstohlener Blick auf die Rundungen der Sitznachbarin – ansonsten herrscht ostentative Glückseligkeit.
Es wimmelt geradezu von zukünftigen Vorzeigepapis und Bilderbuchmamis.
Ob es noch Fragen gibt, will die Hebamme wissen, bevor sie die PowerPoint-Präsentation beendet.
Da meldet sich eine junge Frau: „Kann mich anstelle des Kindsvaters auch eine andere Person mit in den Kreißsaal begleiten?“
Betretenes Schweigen.
Die verunsicherte Frau verschlimmert ihre eigene Situation allerdings noch dadurch, indem sie sich zusätzlich zu erklären versucht: “Naja, wenn es halt mit dem Kindsvater Probleme gibt oder man einfach nicht möchte, dass er bei der Geburt anwesend ist…!“
Der Mann neben mir, der noch kurz zuvor mit einer Hand den Nacken seiner schwangeren Partnerin massiert hatte, wendet seinen Blick nun despektierlich zur Seite – und das fürsorgliche Massieren scheint ihm offenbar auch vergangen.
Die Hebamme versucht die plötzliche Stille mit einem lockeren Spruch zu brechen: „Na, von mir aus können Sie auch den Postboten mitbringen, wenn Sie das wollen!“
Da können sich alle Vorzeigepapis und Bilderbuchmamis plötzlich nicht mehr vor Lachen halten – und auch der Mann neben mir scheint wieder mit der Welt im Reinen: er grinst nun allwissend vor sich hin und schüttelt geradezu altväterlich den Kopf.
Hinter mir bricht es schließlich inmitten dieses Gelächters aus einer der werdenden Mamis heraus: „Solange es der Vater ist…!“
Die allgemeine Belustigung hat nun ihren Höhepunkt erreicht.

Und ich schäme mich mal wieder fremd.

 

Sonja hat auch ein eigenes Blog. Das findet Ihr hier.

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Author: Sarah Wiedenhöft

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2 Comments

  1. Tja wer will schon so mitten im werdenden Mutterglück aus seiner rosa Wolke geschubst werden und sehen, dass trotz Baby eben doch nicht immer alles rosig sein muss.

    Bitter.

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  2. So ging es mir auch mit Ehegatten. Trotzdem überall alleine hin mangels Interesse – und das trotz gemeinsamen Kinderwunsch. Einer der Gründe, warum um ich heute allein erziehe….

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