Anschluss in Ansbach

Gastbeitrag von M.

M. hat die Erfahrung gemacht, dass Nicht-Alleinerziehende sie nie so richtig verstehen und sucht darum Gleichgesinnte im Kreis Ansbach. Wo genau M. lebt, kann Sie Dir ja erzählen, wenn Du ihr eine email geschrieben hast. Ihre email findet sich am Ende des Textes.

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Ich hab einen sechsjährigen Sohn, bin seit fünf Jahren alleinerziehend und arbeite als Erzieherin 33 Stunden im Kindergarten. Immer wieder komme ich an den Rand meiner Kräfte und oft auch über meine Kraftreserven hinaus. Mit meinen 44 Jahren fühle ich mich oft einfach nur alt, ausgelaugt und aufgebraucht und ich bin froh, wenn ich mal nur die Decke anstarren und SCHWEIGEN darf!
Jetzt weiß ich endlich was das bedeutet: Schweigen ist Gold.

Meine ganze Energie und meine Nerven fließen in mein Kind und meinen Beruf. Beides zusammen ist mir oft zu viel und keinem kann ich so gerecht werden wie ich es möchte bzw. wie es mein Anspruch an mich selbst verlangt.
Ich habe das Glück, dass meine Eltern mich bisher tatkräftig unterstützt haben, für mich und meinen Sohn L. da sind. Trotz allem wird mir angst und bange, weil ich immer mehr merke, dass die beiden das nicht mehr so schaffen. Meine Mutter wird im März 72 Jahre alt und hat einfach keine Nerven mehr, sich permanent mit meinem Kind auseinanderzusetzen. L. ist gerade sehr anspruchsvoll und hat derzeit häufig Wutanfälle. Ich brauche meine Mutter jeden Montag für die Zeit, in der ich Teamsitzungen habe. Ich brauche sie auch noch für Überstunden, Elternabende, Elterngespräche, Feste, Lehrertreffen , Arbeitskreise, Fortbildungen usw.

Irgendwas ist immer. Außerdem hasst mein Kind seine Erzieherin und macht ein riesiges Theater, wenn er nachmittags noch Zeit in der “Gefängniszelle”, so sagt er, verbringen soll. Und das mit einer kinderlosen Erzieherin, die – wie er es ausdrückt – “es nicht schafft, über die Linie zwischen der Erwachsenenwelt und der Kinderwelt zu gehen” und somit auch “keine Ahnung und kein Verständnis hat von der Kinderwelt und den Kindern”.

Mein soziales Netz bröckelt und das macht mich tierisch nervös, weil ich es für meinen ganz normalen Alltag brauche. Sport , Hobby, Kultur, Auszeit, all diese Begriffe kenne ich nämlich wie viele Alleinerziehende nur noch vom Hörensagen. Und wie soll das erst mal werden, wenn er in die Schule kommt und ich auch noch Ferienzeiten abdecken soll? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es wenig Sinn macht sich mit “Nicht-Alleinerziehenden” auszutauschen, bzw. dass das Verständnis recht gering ist für meine/unsere Situation. Selbst bei meinen pädagogisch ausgebildeten Kolleginnen bin ich manchmal komplett entsetzt über ihre Unkenntnis, ihr Nicht-Verständnis und über ihre Vorurteile, wenn es um Alleinerziehende und ihre Lebenssituation geht.
Und darum suche ich nun nach Gleichgesinnten, mit denen ich mich vernetzen kann. Wenn Du also zufällig im Kreis Ansbach, in Mittelfranken lebst und auch alleinerziehend bist und Lust hast auf Austausch und gegenseitige Unterstützung, dann freue ich mich, wenn Du Dich bei mir meldest. summertime09(at)gmx.net

 

Ich freue mich, Euch kennenzulernen!

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Author: Sarah Wiedenhöft

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1 Comment

  1. Liebe M.
    ich bin zwar nicht alleinerziehend – eigentlich – aber ich kann trotzdem jedes Wort sowas von nachempfinden. Ich sage immer (die meisten glauben tatsächlich es sei ein Scherz) ich bin QUASI-alleinerziehend mit 4. Meine Kinder sind 1,3 und 7 und 48. Hobbies versuche ich mit wachsender Erfolglosigkeit wieder aufzubauen. Mein Glück dabei ist das Pech der Nachbarstochter. Diese hat zur Zeit wenig Freunde (wegen mobbing), so dass sie Zeit hat ab und an mal auf meine 3 aufzupassen (entgeltich) wenn ich zum Sport gehe. Eine Zeitlang hat das auch die Oma gemacht, der “Preis” dafür war schon immer sehr hoch, doch nachdem ich während einer Fortbildungreise von meiner Großen erfahren habe, dass Oma über mich hetzt, ich sei ja nie da und würde mich nun auch noch auf die faule Haut legen und Urlaub machen, diese Dienste nicht mehr in Anspruch nehme. (Die Große war darüber sehr aufgebracht, schließlich hat sie durchaus gespannt, dass es der Papa ist, der durch Abwesenheit glänzt.) Der Vater meiner Kinder kommt nie vor halb Acht nach Hause. Oft später. Und das 7 Tage die Woche. 52 Wochen im Jahr. Nun könnte ich theoretisch noch etwas ab 20:00 unternehmen. Selbst bei bescheidener Auswahl hier auf dem Land. Nur dass ich da dermaßen gar bin, dass nichts mehr geht, außerdem, weiß ich, dass die Kleinen dann nicht um halb acht ins Bett kommen, weil ihr Vater sie nur ins Bett bringt, wenn ich ihn ausreichend häufig getreten habe – oder die Kinder ihn so sehr nerven, dass er nicht in Ruhe essen/trinken/fernsehen kann. Die Folgen: nämlich müde Kinder kann ich dann am nächsten Tag ausbaden. Mein großes Glück ist eine richtig gute Kindertagesstätte, die auf die Bedürfnisse von berufstätigen Eltern ausgerichtet hat, und wahrscheinlich mit ein Grund ist, warum ich noch nicht von quasi-alleinerziehend zu tatsächlich alleinerziehend umgeschwenkt bin, da dies mir zumindest eine sorgenfreie Arbeit ermöglicht. So “funktioniere” ich zwischen Kinder und Arbeiten. Und freu mich, weil die Kleinste mich zumindest endlich durchschlafen lässt. Doch das ist eine kleine Freude. Erst heute war ich beim Einkaufen den Tränen nahe, weil ich vor lauter Mama, Mama, Mama nicht mehr wusste was ich eigentlich einkaufen wollte.
    Als kleinen Trost kann ich dir die Hoffnung geben, dass es bei deinem wahrscheinlich bald besser wird. Meine große ist seit der Einschulung zusehends selbstständiger, und manchmal ist sie mir sogar eine Hilfe. Sie geht dieses Jahr ins Ferienlager.
    Ich wohne übrigens in Hohenlohe-Franken und bin 44. Wenn Du also Lust hast mit einer Nicht-alleinerziehenden Kontakt aufzunehmen. Gerne.

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