Alles Gute zum Vatertag!

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Männer sind Krieger, Frauen auch. Bei Männern bedeutet das Wort Krieger, dass sie in Kriege ziehen und Schlachten schlagen. Sie töten und erobern und tun all diese männlichen Dinge. Frauen sind auch Krieger. Sie kriegen Kinder. Sie versorgen deren Wunden und die der männlichen Krieger gleich mit, sie kochen und bügeln und kriegen dafür Dankbarkeit. Zum Beispiel am Muttertag. Da bekommen sie vielleicht ihr Frühstück ans Bett gebracht und dazu noch eine Blume oder ein Bild und es ist immer Sonntag am Muttertag. Das klingt schön. Sonntags sind alle zu Hause und können diesen Tag also gemeinsam zelebrieren. Oder mit anderen, echten Worten:

Es ist Sonntag, alle sind da, keiner feiert irgendwas und alle nerven “Mutti”.

Am Vatertag sieht das schon ganz anders aus. Erst einmal ist der gar nicht Sonntags, sondern er ist ein echter Feiertag. An diesem Tag haben alle frei, damit sich alle um das Wohl der Väter sorgen können. Papa wird selbstverständlich auch mit Frühstück geweckt und dann kann er aufstehen und sich anziehen und wir wüschen ihm alle einen schönen Tag mit seinen Freunden, Papa packt den Bollerwagen mit Bierkästen voll und macht sich auf den Weg. Und weg ist er! So würde ich den Muttertag auch sehr gerne mal begehen.

Im Grunde will ich weder das eine, noch das andere feiern. Zum offiziellen Feiertag wurde der Muttertag im Jahre 1933 erklärt. Und was in Amerika seinen Ursprung in der Frauenbewegung hatte und sich “Mother Friendship day” nannte und die Frauen für ihre Muttermühen ehren sollte, kehrte seine Bedeutung im dritten Reich dann zu einer der Kernelemente des nationalsozialistischen Mutterkults. Im Jahre 1938 schließlich wurde an eben diesem Tag das sog. Mutterkreuz eingeführt. Mit dem Vatertag verhält es sich da ganz ähnlich. Denn wie ich schon Eingangs erwähnte:

Männer sind Krieger.

Darum hat man ihnen zu Ehren im Jahre 1934 den Tag Christi Himmelfahrt zu einem offiziellen Feiertag ernannt. Nicht aber etwa, um den Religionsstifter dieses Erdteiles zu würdigen, sondern die tapferen Krieger. Dieser Tag ist nichts für barmherzige Weicheier! Hier geht es um echte Männlichkeit. Um den Mut, sich für einen Verrückten (damals war das zB Adolf Hitler)  töten zu lassen. Für die Bereitschaft, sich zu opfern. Und da ein Mann, der in diesem politischen System etwas auf sich hielt, auch für arische Nachkommen gesorgt hatte, bevor er sich als Kanonenfutter zur Verfügung stellte, konnte man diesen Tag auch gleich Vatertag nennen. Das klingt doch auch so viel besser als Soldatentag oder Kanonenfuttertag.

Den Herrentag hingegen gibt es im Osten Deutschlands schon sehr viel länger. Er entstand um 1890 in Berlin und verstand sich als eine Art Einführung der nächsten Generation in die Männlichkeit. Hierzu packte man die jungen Männer meist in Planwagen und fuhr mit ihnen übers Land. Dabei führte man sie in die “Gepflogenheiten der Männerwelt” ein. Man füllte sie ab, damit sie das Trinken lernten und brachte sie auch gerne zu Prostituierten, damit sie ihre Unschuld verlören.

Beim Schreiben dieses Artikels wird mir vor lauter Klischees ganz schwindelig. Wie auch immer ich diese beiden Tage betrachte – Muttertag und Vatertag -, das sind einfach nicht meine Parties. Weder bin ich daran interessiert, ein Mutterkreuz zu erhalten, noch möchte ich jungen Männern vermitteln, ihre Aufgabe in der Welt wäre es, sich zu betrinken, herumzuhuren und Kriege zu führen. Und das alles auch noch an einem  Tag der ursprünglich mal den Christen “gehörte”. Und wenn ich jetzt von Christen schreibe, dann meine ich übrigens den ursprünglichsten aller christlichen Gedanken, nämlich den der Nächstenliebe. Ich spreche hier nicht von Kirche oder ihrer Verbindung zum Säkularen. Dieser Tag bezieht sich immer auf das Osterfest und findet 40 Tage nach diesem statt. Warum? Weil laut Überlieferung Jesus an diesem Tag – wie der Name schon sagt – in den Himmel aufgefahren sein soll. Und an Pfingsten übrigens – ein Tag der auch in diese christliche Trilogie gehört – hat er von da aus dann neun Tage später seinen Segen ausgeschüttet. Die Termine für all diese Feste beziehen sich immer aufeinander und sind Teil des christlichen Glaubens. Anfang Mittelteil Schluss:

Jesus steht auf von den Toten – Jesus fährt in den Himmel – Von dort schüttet er seinen Segen auf die Erde und verteilt die göttlichen Gaben an die Menschen. 

Der Vatertag hat also kein eigenes Datum, sondern er leiht sich ein Datum beim Christentum. Heute ist es Donnerstag, der 17. Mai, letztes Jahr war es Sonntag, der 12. Juni 2011. Darüber soll man denken, was man will, aber ich kann heute nur das eine denken:

Ein Mann ist heute in der Regel kein Soldat mehr. Und ein Vater ist er auch immer seltener. Von denen, die Väter sind, zeichnen sich in diesem Land immer mehr durch Abwesenheit aus. Noch immer zahlt die Hälfte aller unterhaltspflichtigen Väter keinen Unterhalt für ihre Kinder (Quelle: statistisches Bundesamt) und allerorts kann man die männliche Flucht aus der elterlichen Verantwortlichkeit erleben. Ist es wirklich angebracht, einen solchen Tag dann auch gleich noch so symbolisch zu begehen? Ich bin heute morgen wach geworden und hatte ein Bild im Kopf. Dieses Bild ist bis jetzt (16:12 WEZ) nicht gewichen. Ich sehe einen Mann mit einem Bollerwagen voller Bier in der Ferne, der seiner Familie zum Abschied winkt. Sie stehen auf der Veranda, eine Mutter mit ihren drei Kindern, eines davon an ihrer Brust und der Vater geht.

Alles Gute zum Vatertag/Herrentag.

“Wir sind gute Christen und haben Durst!”

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Author: Sarah Wiedenhöft

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21 Comments

  1. Hallo,

    ich lese gerne Deinen Blog, Deine Geschichten oder wie auch immer man dies hier benennen möchte, aber manchmal bedienst Du doch so sehr Vorurteile, dass ich glaube so richtig nachgedacht wurde nicht. Man hat so eine Hassbrille auf und bedient sich dann der Klischees.

    Persönlich habe ich gestern meinen Tag mit meinen Kindern verbracht und nicht einen Schluck Alkohol zu mir genommen. Ich habe auch als ich meine Kinder abgeholt habe (von Ihrer Mutter, die mittlerweile verheiratet und ein drittes Kind hat, welches gestern auch mit dabei war) mehrere Väter mit Ihren Kindern gesehen. Dabei sah keiner Deinem “typischen” Bild eines Herrentagvaters ähnlich. Ja es waren auch andere Leute auf der Straße, die augenscheinlich sehr dem Alkohol zugetan waren. Nur muss man dann wieder so ein verallgemeinertes Bild beschreiben. Kein Wort über Väter die manchmal vor lauter Verzweiflung nicht wissen wohin mit ihren Gefühlen für ihre Kinder. Die alleine zu Hause sitzen und hoffen mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen zu können. Nein sowas scheint nicht in Dein Weltbild zu passen. Oh ich rede mich wohl gerade in Rage, kennst Du dass Gefühl? Und vielleicht hab ich Dich damit auch ein wenig angegriffen? Ich möchte Dir eigentlich nur sagen, es gibt keine guten und schlechten Menschen von Geburt an. Wir werden durch unsere Erziehung geprägt und wenn man solche Verallgemeinerungen und Engstirnigkeiten zu oft erzählt behalten das unsere Kinder in ihren Gedanken und prägen unsere Welt nach einem Bild, dass keine Offenheit mehr zulässt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Du gestern auch Männer mit Ihren Frauen und Kindern gesehen hast, nur vielleicht hast Du sie aufgrund Deines Gedankenbildes ein wenig übersehen.

    Ich finde übrigens auch, dass Himmelfahrt ein blöder Tag zum saufen ist. Auch finde ich, dass wir solche Ehrentage trotz allem irgendwo behalten sollten. Sie bringen uns in einer hektischen Zeit dazu auch dann mal wieder an unsere Eltern zu denken und danke zu sagen wenn wir eben durch Beruf und Familie kaum Zeit haben jeden Tag Danke zu sagen.

    Ich wünsche Dir einen schönen Tag.

    Holger

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    • Ich fühle mich von Deiner Kritik nicht angespriochen und wenn Du – wie Du sagst – tatsächlich häufiger hier lesen würdest, wüsstest Du auch, dass mein Weltbild genau so nämlich nicht aussieht. Ich bin einer dieser Menschen, die glauben, dass gesellschaftliches Miteinander nicht anders geht als mit Empathie und Nächstenliebe. Wo Du jetzt einen Angriff gegen Personen in diese mText siehst, ist mir auch gar nicht klar. Ich habe die Traditionen anhand ihrer Geschichte erklärt und nicht einen Artikel über Dich oder sonstwen geschrieben. Ebenfalls kann ich auch nicht verstehen, dass man sich angesprochen fühlt durch etwas, das einen offenbar nicht anspricht … Ich habe explizit über mein Menschenbild geschrieben. Hier: http://mutterseelenalleinerziehend.de/?p=575

      Ich wünsche auch einen schönen Tag,
      Maike von Wegen

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  2. “Noch immer zahlt die Hälfte aller unterhaltspflichtigen Väter keinen Unterhalt für ihre Kinder (Quelle: statistisches Bundesamt)”

    Bei den Frauen sieht die Zahlungsmoral weitaus schlechter aus.

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    • Ich mag ja lieber, wenn Behauptungen auch belegt werden.

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      • “Quelle: Statistisches Bundesamt” ist aber auch keine sehr genaue Quellenangabe.

        Ich finde diesen Punkt interessant und würde gerne die genaue Quelle kennen.

        Aus diesem Punkt allerdings eine zunehmende Abwesenheit der Väter zu konstruieren, halte ich für etwas übertrieben.

        Einen schönen Sonntag wünsche ich!

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        • Schau mal hier.
          “Unterhalt
          81% aller Alleinerziehenden geben an, Anspruch auf Unterhalt zu haben. Regelmäßig und in voller Höhe erhält ihn jedoch nur 50% der Berechtigten. 25% der anspruchsberechtigten Alleinerziehenden erhält nur unregelmäßige oder unvollständige Zahlungen, weitere 25% geben an, gar nichts zu bekommen. Von denjenigen Alleinerziehenden, die trotz Anspruch gar keinen Unterhalt erhalten, geben 50% an, dass der Vater dazu finanziell nicht in der Lage sei. Bei den übrigen Fällen weigern sich die Väter zu zahlen, so die Alleinerziehenden. 2010 leistete das Jugendamt für rund 500.000 Kinder bundesweit Unterhaltsvorschuss. Fast 234.000 davon waren zwischen 6 und 11 Jahre alt. 2010 wurden bei rund 183.000 Kinderndie Unterhaltsvorschusszahlungen eingestellt, u. a. weil das 12. Lebensjahr erreicht war (30.000 Kinder) oder die maximale Bezugsdauer von 72 Monaten ausgeschöpft war (über 45.000 Kinder).”

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          • Also auf Basis der zitierten Daten: von allen anspruchsberechtigten Alleinerziehenden geben 25% an, gar nichts zu bekommen, von denen wiederum 50% vermerken, dass die Väter gar keinen Unterhalt leisten, obwohl sie dazu in der Lage wären.
            Korrekt wäre somit: Noch immer zahlen 12,5% der unterhaltspflichtigen Männer keinen Unterhalt für ihre Kinder.

          • 25 Prozent, meinst Du jetzt, oder nicht?!

          • Es bleibt aber bei dieser Aussage: “Regelmäßig und in voller Höhe erhält ihn jedoch nur 50% der Berechtigten”
            Niemand hat was davon, dass einige der Väter dann unregelmäßige Zahlungen leisten.

          • Nein, auch 25% sind falsch: von den genannten 25% ist nämlich nur die Hälfte überhaupt in der Lage, Unterhalt zu zahlen. Also –> 12,5%. Das ist dann aber nur noch ein Viertel von dem, was Du ursprünglich angegeben hast.
            Und auch die zweite Aussage ist falsch, wenn Du daraus schuldhaftes Versagen der Väter ableiten möchtest: von den 50% sind erneut die 12,5% in Abzug zu bringen, die gar keinen Unterhalt zahlen können. Es wären somit 37,5%.

          • Lies es noch einmal. Dort steht explizit: “Regelmäßig und in voller Höhe erhält ihn jedoch nur 50% der Berechtigten”

            Das bedeutet im Klartext: Die Hälfte aller Berechtigten erhält dieses Geld nicht regelmäßig. Ich verstehe nicht, wo es jetzt hakt. “Schuldhaftes Verhalten” hast Du geschrieben, nicht ich.

  3. “So würde ich den Muttertag auch sehr gerne mal begehen.”

    Warum machst du es nicht?

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    • Und Du passt auf mein Kind auf? Cool! Danke! Aber ich will den Muttertag auch gar nicht so begehen … Ich fand den heute gut. Mit meiner Mutterdisco auf facebook.

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  4. Wenn selbsternannte Kämpfer für die Gleichberechtigung, also Feministinnen, über Männer schreiben oder reden weiss man vorher schon mal eine Sache:

    Es wird in jedem Fall eine Liste von Vorhaltungen, Anschuldigungen und Forderungen. Männer als eigenständige menschen mit Recht auf Freiheit, Leben und Fehler? NIEMALS!

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    • Thema verfehlt.

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  5. Danke, schon geteilt.Genau das habe ich gesucht, und gleich geteilt! Super Beitrag, danke für die Info. Ich lass nochmal nen Gruss da.Gesucht, gefunden und geteilt.Danke für die Info, sharing is caring. Hab es gleich geteilt.

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  6. Liebe Maike, deine Texte sind sehr interessant zu lesen. Aber, übertreibst du nicht ein bisschen? Du schürst damit ein Klischee. Es gibt viele gute Väter und Mütter. Diejenigen, die so sind, brauchen diese Feiertage auch nicht wirklich. Der Muttertag ist ein Anlass, dass ehemännliche Väter und auch Kinder die Ehefrau und Mutter außerhalb des Alltäglichen besonders ehren. Das kann so oft im Alltag untergehen. Jeder hat so seine Probleme darin mit sich, Männlein wie Weiblein. Nehmen wir es doch einfach wie einen zusätzlichen Geburtstag. 🙂 Dagegen ist der Vatertag wie das gemeinsame Anschauen eines Fußballspiels zu betrachten. Männer einmal losgelassen von allem!! Das braucht es auch mal. Also…einmal Ehrentag, einmal losgelassen sein. Und was ist jetzt das Bedeutendere? 😉 Wir sollten das Alles mit Würde und Humor nehmen. Peace.. 🙂

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