Alleinerziehende Künstler*innen – Bella von Sinnen malt

Bella von Sinnen (34) ist alleinerziehende Mutter zweier Kinder (8 und 14 Jahre) und arbeitet hauptberuflich in einem Büro, nebenberuflich als Masseurin und Lymphtherapeutin und würde gerne viel mehr malen. Dafür bleibt ihr nur leider kaum noch Zeit oder Raum. Was Bella malt und wie sie zur Kunst kam, erzählt sie uns heute.

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“Alles fing mit meinem Großvater an, der Maler war und mir sein Talent vererbt hat. Er hat Zeit seines Lebens mit Ölfarben gemalt in seiner Freizeit. Denn im Hauptberuf war er Maurer und hat nach dem Zweiten Weltkrieg mit einem Trupp von 14 Mann die gesamte Hamburger Kanalisation gemauert. Wie er abends noch einen Pinsel halten konnte, ist mir schleierhaft. Denn ich scheitere daran immer wieder.
Ich male ebenfalls als Hobbie und so wie mir Zeit bleibt, neben meinem 3-Tage-Job im Büro und meiner Nebentätigkeit als selbständige Masseurin und Lymphtherapeutin. Erschwerend hinzu kommt, dass man für Projektionsmalerei einen separaten Raum braucht, also ein kleines Atelier. In der Wohnung ist dies nicht möglich. Und so einen Raum habe ich nicht immer zur Verfügung. Ich wünschte, es gäbe das Grundeinkommen, damit ich nur noch im Atelier sitzen und malen könnte. Aber vielleicht wird dies alles noch möglich sein. Man soll ja niemals nie sagen.

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Mein Großvater ist trotz seines Todes einer der lebendigsten Menschen in meinem Leben.
Meine schönsten Kindheitserinnungen sind mit ihm verbunden. Er hatte im Keller ein kleines Atelier. Dort malte er im spärlichen Licht des Lichtschachts. Meine Großmutter ist eine sehr strenge Frau und ich hielt mich an meinen Großvater. Im Atelier standen ein altes Sofa und Couchtisch, auf dem es immer von alten, trockenen Tabakkrümeln wimmelte. Ich saß dort auf dem Sofa, schaute meinem Opa beim Malen zu und drehte nebenbei mit einer kleinen Maschine Zigaretten für ihn, die er Kette rauchte. Niemand machte sich damals Gedanken um Passivrauchen. Zum Glück, denn die Erinnerungen an meinen Großvater sind unendlich wertvoll für mich. Die Liebe zu meinem Großvater und das geerbte Talent brachten mich selbst zur Malerei.

Ich bin seit 2002 alleinerziehend. Ich habe nie regelmäßig gemalt, sondern immer phasenweise. Malerei ist ein Überlebensinstrument für mich: wenn es mir schlecht geht, werden  auch meine Bilder morbide und düster, aber auch meine Liebe und meine Sehnsüchte male ich mir von der Seele. Alleinerziehend zu sein polarisiert mich. Viele Entscheidungen werden einfacher, weil ich mich nicht mit einem Partner absprechen muss, der eine andere Meinung vertritt, andere Entscheidungen alleine treffen zu müssen und damit auch die alleinige Verantwortung dafür zu tragen, haben mich fast erdrückt. Malerei ist ein Hilfsmittel, um mich zu beruhigen und mich auf mich selber zu besinnen. Wenn ich male bin ich die Malerin, nicht die Mutter, die Frau, die Nachbarin, die Sonstwas, sondern es ist das pure Ich in mir, das sich auf der Leinwand ausdrückt. Und ich würde viel häufiger malen, wenn ich mich nicht zwischen Kindern und Job zeitlich zerreiben würde.

Kunst ist für mich , dem was aus mir heraus will, in Bildern einen Raum zu geben, jenseits von Worten. Ich male intuitiv. Selbst wenn ich vorher das Motiv festlege gibt es die Komponente, die ich vorher nicht planen kann, weil sie sich während des Malens anfängt auszudrücken. Kunst ist nicht die Fähigkeit etwas kunstvolles zu produzieren, sondern eher das Abfallprodukt eines inneren Heilungsprozesse, eines inneren Dialoges mit mir selbst, Kunst ist Liebe zu mir selbst und zu anderen.”

Danke, Bella! Bella von Sinnen auf facebook

 

 

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Author: Sarah Wiedenhöft

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