äh, Dings … Frieden

Mit dem Frieden ist es eben so eine Sache. Eigentlich wollen ihn alle haben. Aber ebenso wie das Wörtchen “eigentlich”, das ja bekanntlich niemand in einem Text lesen will, taucht die Gewalt im Frieden einfach immer wieder auf. Und offenbar kann man dagegen gar nichts machen. Weil man eine Meinung hat. Und die nehmen ja die meisten viel zu ernst . Also IHRE eigene Meinung …, also sich! Ja, leider nehmen sich die meisten Menschen eben einfach zu ernst.

Auch eine freundliche Art und Weise, auf seine Ansicht aufmersam zu machen ...

Auch eine freundliche Art und Weise, auf seine Ansicht aufmersam zu machen …

Vergangenen Samstag fand in Berlin der SLUTWALK statt. Die Organisatoren hatten eingeladen mit Worten wie diesen:

“Indem wir uns am 13. August 2011 zusammenfinden, zeigen wir uns solidarisch mit allen Betroffenen und fordern Respekt und Gerechtigkeit!  Wir stellen uns gegen andere Unterdrückungsmechanismen wie Rassismus, Homo- und Trans*phobie, Queerphobie und Klassismus, weil diese ebenfalls Ursachen sexualisierter Gewalt darstellen. “

Frauen und Männer trafen sich in knappen Kleidungstücken. Kürzer zusammengefasst als die Röcke vor Ort sollte die Aussage der Aktion in etwa lauten: Ich kann tragen, was ich will und das gibt niemandem das Recht, mich anzufassen oder blöd anzumachen.

Das ist eine sehr schöne Idee und ich war gleich begeistert und wollte dabei sein. Ebenfalls mit dabei sein wollten meine Freunde der Partei DIE PARTEI. Als ich Martin Sonneborn von der Veranstaltung erzählte, war dieser längst informiert und teilte mir mit, dass es sogar eine Einladung seitens der Slutwalk-Organisatoren gegeben habe. Da die PARTEI zuvor auch eine Aktion gegen den Axel-Springer-Verlag verübt hatte, trugen sie noch Transparente und Fahnen mit sich, als wir den Wittenebrgplatz und somit den Slutwalk erreichten. Dort angekommen wurden wir sogleich darauf aufmerksam gemacht, dass Parteiwerbung grundsätzlich nicht erwünscht sei. Wir einigten uns friedlich indem wir Transparente und Fahnen einrollten. Die Plakate hingegen konnten wir nicht verstecken. Darum sagte man uns, es sei in Ordnung, diese “locker neben sich her zu tragen”. Was wir taten. Unser Auto sollte nicht mitfahren also wurde es geparkt. Brav hielten wir uns an alle Abmachungen und marschierten los.

Doch es dauerte gar nicht lange, da wurden wir erneut auf unsere Werbung angesprochen. Wir teilten wieder und wieder mit, dass wir diese noch von einer anderen Aktion bei uns trugen und dass wir die Absichten des Slutwalks voll und ganz unterstützen würden. Die Abstände zwischen diesen Heimsuchungen wurden immer geringer und am Ende traten uns die Organisationen nur noch mit Aggressionen gegenüber.

Slutty Maike und der GröVaZ Martin Sonneborn, fotografiert von Frank Kopperschläger

Slutty Maike und der GröVaZ Martin Sonneborn, fotografiert von Frank Kopperschläger

Nun. Worum ging es noch einmal?
Es ging um Ausgrenzung und Diskriminierung und um Gewalt. Und all das ist mir persönlich auf dem Slutwalk widerfahren. Außer uns gab es noch eine andere Gruppe, die sogar unter Einsatz körperlicher Gewalt ausgeschlossen wurde. Die Gruppe “Fuck for Forrest”.
Mit dieser gerieten die Organisatoren sogar in kleinere Handgemenge.

Ich habe kein Problem damit, dass man gewisse Dinge auf seiner Demonstration untersagt. Ich habe überhaupt gar kein Problem damit, wenn man Regeln bestimmt und diese versucht, durchzusetzen. Ich bin Mutter. Das ist mein Job! Womit ich ein sehr großes Problem habe, das ist GEWALT. Gewalt und aber auch die Inkonsequenz, mit der diese Regeln offenbar individuell gehandhabt wurden. So trug zum Beispiel einige Meter vor uns jemand ein Plakat mit der Aufschrift: “Tötet Männer!”

Während DIE PARTEI also zusichern musste, keine Satire mit dem Slutwalk zu treiben, war es dem Träger besagten Plakats entweder gestattet oder eben man billigte diesem schlicht und ergreifend Gewalt zu …

Ich mochte die Idee des Slutwalks und mag sie immer noch. Ich bin ebenso gegen Ausgrenzung, gegen Gewalt und gegen Diskriminierung. Ich selbst habe bereits erfahren müssen, dass mir jemand mein Kleid auf einer öffentlichen Toilette zerriss und versuchte, mich zu sexuellen Handlungen zu nötigen mit den Worten: “Mit so einem Kleid kannst Du nicht sagen, dass Du das hier nicht wollen würdest!” Ich will nicht perse den Slutwalk verurteilen. Ich bewerte ihn aber mit einer lausigen drei+, weil die Organisatoren sich selbst leider viel zu ernst genommen haben. Ich erfuhr Ausgrenzung und Gewalt durch diese Organisatoren, während sie uns vorwarfen, den Sinn der Veranstaltung ins Lächerliche zu ziehen.

Mich hat es nicht weiter aufgeregt. Die Parteimitglieder ebenso wenig. Keiner von uns ist ernsthaft daran interessiert, den Dialog weiterzuführen. Wir sind allen immer höflich und lächelnd entgegen getreten. Wie man sich eben verhält, wenn man für den Frieden demonstriert. Leider ist diese friedliche Haltung ausgerechnet den Organisatoren nicht gelungen. Und das ist für Veranstaltungen wie diese leider ein vernichtendes Urteil.

In Frieden,
Maike von Wegen (bitte nicht anfassen)

Und dazu passend der folgende Song:
Nicht Mit Mir


 

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Author: Sarah Wiedenhöft

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