Kristina Schröder und die goldene Mitte – Personenkult statt Politik

Auf der facebookseite von mutterseelenalleinerziehend habe ich am 10. Dezember diese Video geteilt.

http://youtu.be/Bs4NaTanChc (Video inzwischen aufgrund von Urheberrechtsverletzungen gelöscht)

In diesem Video sagt Dieter Wonka, Kristina Schröder habe an ihren neuen Pressesprecher Christoph Steegmans den Wunsch gewandt, sie wolle einmal so berühmt und beliebt wie der zu Guttenberg sein. Bis zu ihrer Babypause wurde die Ministerin noch von Stephanie Augter vertreten, die auf eigenen Wunsch in das Europaparlament wechselte. Steegmans war zuvor Vizesprecher der Regierung und er zeichnet sich vor allem als Medienprofi aus. Sucht man ihn zB via youtube findet man einige Videos, in denen Herr Steegmans nicht besonders gut wegkommt, aber hocherfreute Kommentare erreicht, die von viel zu vielen youtube-usern geliked werden. Für einen Pressesprecher der Regierung, den die meisten gar nicht kennen, genießt er im Internet einen seltsam angesehenen Status. Oder hat irgendjemand sich schon einmal ein Video von diesem Menschen angesehen, ist dieser Name überhaupt jemandem meiner Leser vertraut?

Was hat Frau Schröder alles getan seit dem Wechsel des Pressesprechers? Erst einmal hat er sie gerettet vor all ihren rechts anheimelnden Positionen. Hatte Frau Schröder zuvor vor Linksextremismus gewarnt und in Material für Schulen zB. die Zeitung Neues Deutschland als gefährlich links eingestuft, so antwortete Steegmans nun für sie in einem knappen Schreiben an die Zeitung, die sich daraufhin im Ministerium beschwert hatte, man habe nicht gleich darauf reagieren können, da sich Frau Schröder zur Zeit verschärft mit RECHTSextremismus beschäftige. Ebenfalls Beschwerden hagelte es aus der Wissenschaft, nachdem Kristina Schröder eine Studie zur Zwangsheirat verzerrt hatte und Begriffe verwendete, die antimuslimische Ressentiments schüren sollten. Christoph Steegmans nahm sich auch dieser Beschwerde an und verfasst die folgende Stellungnahme für unsere Familienministerin. Die zuvor von den Wissenschaftlern erhobenen Vorwürfe findet man hier.

dapd

dapd

Liest man beide Stellungnahmen kommt man schnell zu dem Schluss, die Antwort des Pressesprechers ist mehr als unzureichend. In ihrer Länge, in ihrer Aussage und in ihrer Klarheit. Auffallend ist, dass Herr Steegmans nur auf die Punkte in der Beschwerde eingeht, die formell streitbar sind. Herr Steegmans trifft keine Stellungnahme, er positioniert Frau Schröder nicht klar, sondern er betreibt einfach nur Rhetorik. Das allerdings auf einem so hohen Niveau, dass man nach Lesen seines Textes zwar nicht weiß, was er gesagt hat, ihm aber irgendwie Recht gibt. Ein bisschen empfindet man ihn als eine Art “Sieger”, bis einem vielleicht auffällt, dass es hier um das Bild von muslimischen Menschen in unserer Gesellschaft geht und dass es dabei eine Menge Verlierer gibt. Wer will da der Sieger sein?

„manche traditionelle Wurzeln müssen endgültig durchtrennt werden“ (Kristina Schröders Fazit für die Studie über Zwangsheiraten)

Wen hat Frau Schröder noch gegen sich aufgebracht? Richtig. Uns. Ihre Schutzbefohlenen. Spätestens mit ihrem Nebenverdienst durch ein Buch mit diesem unsäglichen Titel “Danke, emanzipiert sind wir selbst!” haben viele Frauen einfach genug von dieser Ministerin, der offenbar die Realitäten des Arbeitsmarktes und der Familienpolitik nicht vertraut zu sein scheinen. Nein, emanzipiert sind wir noch lange nicht. Aber das weiß Frau Schröder vermutlich auch und vor allem weiß das ganz sicher Christoph Steegmanns, wobei allmählich klar wird, worauf dieser ganze Zirkus eigentlich hinausläuft. Was war noch gleich der formulierte Wunsch an diesen Pressesprecher par excellence? “Ich möchte so berühmt und beliebt wie der zu Guttenberg werden”. Beliebt war der Herr zu Guttenberg ja vor allem bei diesem großen Teil der Bevölkerung, der sich seine Meinung mit Hilfe der Bild”zeitung” bildet. Und wie macht man sich bei dieser Menschenmenge beliebt? Mit Klischees von der heilen Kernfamilie und mit tendenzieller Xenophobie. So wird man in Windeseile berühmt und macht sich bei dem ein oder anderen sogar beliebt.

Das allerwichtigste bei diesem Vorhaben ist: Niemals klare Aussagen zu treffen. Erst provozieren, dann das ganze mit seinem Gegenteil verkehren, um im Durchschnitt irgendwo in dieser viel zitierten goldenen Mitte zu landen. Mit anderen Worten: Erst gegen Linksextreme wettern und dafür mithilfe der Bild viele Anhänger finden, sich dann leise entschuldigen mit den Worten, dass man sich gerade um Rechtsextremismus kümmere und das jüngste Beispiel:

Erst behauptet sie, wir seien emanzipiert und unterstützt ihr steinzeitliche Rollenbild auch noch, indem sie das viel kritisierte Betreuungsgeld beschließt und dann gibt sie plötzlich der ZEIT ein Interview, in der sie krude feministische Thesen von sich gibt. So rückt sie sich in ein anderes Licht. Denn schließlich hat sie feministische Thesen geäußert. Sie hat gesagt, der Gott sollte lieber das Gott heißen. Siehste, sagt sich der Bildleser. Die ist doch selber Feministin. Regt Euch nicht auf. Man wird ja wohl mal sagen dürfen …

Ja, die Presse läuft auf Hochtouren. Man nennt das Personenmarketing. Man präsentiert uns immer wieder eine Kristina Schröder, die von Steegmans aufgetragene Sätze wieder und wieder in verschiedene Kameras wiederholt. Dabei scheint es immer nur um ihr Image zu gehen und nie um Politik. Frau Schröder ist rechts. Nein, Frau Schröder ist links. Nein, Frau Schröder ist die Mitte! Frau Schröder ist schon emanzipiert, nein, ist sie nicht, naja so halb!

Damit sie möglichst berühmt und beliebt werden kann, müssen wir also nun ständig mit faulen Kompromissen leben und uns Gedanken darüber machen, was die Ministerin eigentlich will. Das hat sie ja offenbar bereits formuliert. Sie will berühmt werden. Ist das die Motivation für ein Ministerium? Wollen wir ihr dabei etwa helfen? Ich denke, der Tag an dem eure Kinder damit beginnen, Kristina Schröder Poster aus der Bravo an ihre Zimmerwände zu hängen, ist der Tag vor dem ihr euch ernsthaft sorgen solltet.

„Wenn Aeschines zum Volke sprach, so hieß es: „Wie gut er doch spricht.“ Wenn aber Demosthenes sprach, so rief das Volk: „Wir wollen gegen Phillip marschieren.“ Ich bin für Demosthenes.“
David Ogilvy (berühmter Werbetexter)

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Author: Sarah Wiedenhöft

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